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Fußball-Bundesliga : Der FC Bayern und Trophäen aus Papier

Ein Erfolg für den FC Bayern? Torhüter Manuel Neuer verlängert seinen Vertrag. Bild: EPA

Die finanzielle Übermacht dafür nutzen, die besten Spieler der Bundesliga einzusammeln und zu halten: Was man dem FC Bayern jahrelang vorwerfen konnte, sieht nun wie das perfekte Rezept für die Krise aus.

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          Absolute Gewinner kann es in einer Krise, wie sie die Welt und auch die Welt des Fußballs erleben, nicht geben. Relative Gewinner schon. Die Erfahrung besagt, dass in Zeiten, in denen viele Branchen und Betriebe in die Knie gehen, die vor der Krise finanziell Stärksten am Ende die Profiteure sein werden. Weil sie es leichter haben, ihr finanzielles wie personelles Kapital beieinander zu halten – um dann bei sinkenden Kursen ihren Marktanteil noch zu vergrößern.

          Bundesliga

          Kein Wunder also, dass der FC Bayern, der anders als gewohnt in diesem Mai keine Titel begießen kann, dafür andere Erfolge feiert. Die Trophäen dieses Frühjahrs sind nicht aus Silber, sondern aus Papier. Verträge, die fixieren, dass man genauso weitermachen kann wie bisher. Jahrelang konnte man den Bayern genau diese Vorsicht vorwerfen: ihre finanzielle Übermacht vor allem dafür zu nutzen, die besten Spieler der Bundesliga einzusammeln und diese lang zu halten. Statt mit ihrem Kapital ins Risiko zu gehen, in den Kampf um internationale Topstars mit den großen Rivalen der Champions League – einem Wettbewerb, in dem sie seit sieben Jahren, ihren sieben fettesten in der Bundesliga, das Finale kein einziges Mal erreicht haben.

          Doch nun sieht genau dieser Plan – das Vermeiden sportlicher Risiken im nationalen Geschäft, das Vermeiden finanzieller Risiken im internationalen Geschäft – wie das perfekte Rezept für die Krise aus. Mit den erneuerten Verträgen für Thomas Müller, Alphonso Davies, Trainer Hansi Flick und nun auch für Kapitän Manuel Neuer schaffen die Bayern personelle Kontinuität für eine im Profifußball fast schon biblische Zeitspanne. Bis Sommer 2023 haben sie bereits jetzt eine komplette Top-Elf unter Vertrag, von Torwart Neuer über Jungstars wie Kimmich und Gnabry bis zu Torjäger Lewandowski.

          Als nach ungewohnten Indiskretionen im Begleitprogramm der Verhandlungen der neue Neuer-Vertrag doch noch unter Dach und Fach war, sprach Sportdirektor Salihamidzic von einer „Win-win-Situation“ für beide Seiten. Für Neuer galt das, weil man auch als „bester Torhüter der Welt“ (Vorstandschef Rummenigge) mit einer Jobgarantie bis ins 38. Lebensjahr nicht rechnen kann, schon gar nicht in diesen Zeiten. Er profitiert davon, dass die Bayern das aus mehreren Faktoren kombinierte Risiko des Deals (erhöhtes Gehalt, lange Laufzeit, drohende Verletzungsgefahr mit steigendem Alter) stemmen können, ohne ihr Konto zu überziehen. Dem Klub wiederum half, dass die wenigen europäischen Klubs, die für einen wie Neuer hätten bieten können, ihr Pulver trocken halten müssen, um halbwegs schadlos Corona-Frühjahr und Transfer-Sommer zu überstehen.

          Die erwarteten Preiseinbrüche könnte der deutsche Meister wiederum als Einkäufer nutzen. Leroy Sané, vor einem Jahr für rund hundert Millionen Euro fast schon verpflichtet, dann aber verletzt, soll nun kaum noch die Hälfte kosten – nicht nur wegen des Knies und wegen Corona, auch weil Manchester City wegen finanzieller Regelverstöße für die nächste Champions-League-Spielzeit gesperrt ist. Auch hier sieht für einen Klub wie die Bayern eine Krise immer auch wie eine Chance aus – weil es in ihrer Position vor allem die Krise der anderen ist.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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