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2:0 gegen Mönchengladbach : Ende der Münchner Schein-Krise

Gute Freunde kann niemand trennen: Torschütze Vidal (links) und Alaba. Bild: dpa

Die Bayern zeigen beim 2:0-Sieg über Mönchengladbach wieder ihre beste Seite – und einen besonderen Torjubel durch Costa. Der Angstgegner dagegen spielt Angsthasenfußball.

          2 Min.

          Krise? Welche Krise? Womöglich wird sich mancher schon bald nicht mehr erinnern können, dieses Wort im Zusammenhang mit dem FC Bayern jemals gehört zu haben. Nach drei sieglosen Spielen, vor allem dem 2:2 in Überzahl in Frankfurt, hatten beim Serienmeister noch nicht die Alarmglocken, aber doch wenigstens die Wecker geklingelt.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Nach dem 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach kann man nun in München wieder ruhig schlafen. Ausgerechnet gegen die Gladbacher, die als einziges Team der Liga vier Spiele gegen die Bayern ungeschlagen geblieben waren, gelang den Bayern am Samstag zumindest in der ersten Halbzeit die bisher beste Saisonleistung – und das mit einem Team, in dem Trainer Carlo Ancelotti die Weltmeister Philipp Lahm, Jerome Boateng und zunächst auch Thomas Müller schonte.

          Im Duell mit dem Angstgegner, der siebzig Minuten lang nur Angsthasenfußball zustande brachte, ehe André Hahn die einzige Torchance der Gäste an den Pfosten setzte, gaben im Bayern-Team die Südamerikaner den Ton an. Schon nach neun Minuten zeigte der eingedeutschte Verteidiger Rafinha sein brasilianisches Erbgut, als er den Zwei-Meter-Mann Jannik Vestergaard elegant überlupfte und den ersten Torjubel in der Arena auslöste – allerdings noch eine optische Täuschung, sein Schuss war am Außennetz gelandet. Dann aber schlug der agile Lahm-Vertreter eine feine Flanke, die der Chilene Arturo Vidal unbedrängt zum 1:0 einköpfte (16. Minute).

          Als fast logische Folge der krassen Überlegenheit nutzte Rafinhas Landsmann Douglas Costa das Malheur des Gegenspielers Oscar Wendt, der unter einer aufspringenden Flanke von David Alaba hindurchsprang und ausrutschte, so dass Costa den aufspringenden Ball mit der Brust annehmen und ungestört zum 2:0 ins kurze Eck setzen konnte (31.).

          Danach griff sich Costa ein Smartphone, das man ihm reichte, und schoss ein Selfie, das noch während der Partie durch die sozialen Medien ging. Auch an der besten Gelegenheit der zweiten Halbzeit, in der die Bayern ein wenig den Fuß vom Gas nahmen, ohne das Steuer aus der Hand zu geben, war Costa beteiligt – sein perfektes Zuspiel an den Elfmeterpunkt semmelte Arjen Robben freistehend über das Tor.

          Drei Tage nach dem überzeugenden 4:1-Sieg gegen PSV Eindhoven in der Champions League hatte Ancelotti eine ähnlich gute Leistung gefordert. Sein Ziel: „Neunzig Minuten höhere Intensität, bessere Kontrolle über das Spiel, keine Chancen zulassen und die Matches früher entscheiden.“ Die Intensität hielt zwar nicht neunzig Minuten, reichte aber zum sicheren Sieg. „Die zweite Halbzeit war nicht so gut wie die erste“, sagte Ancelotti schließlich.

          Die Bayern hatten leichtes Spiel gegen Mönchengladbach. Bilderstrecke
          Die Bayern hatten leichtes Spiel gegen Mönchengladbach. :

          Die Spielkontrolle der früh attackierenden Bayern war so zwingend, dass die durch Verletzungen dezimierten Gladbacher lange Zeit praktisch keinen zusammenhängenden Spielaufbau betreiben konnten. So war das Spiel, wie gewünscht, praktisch schon zur Pause entschieden und damit so früh wie zuvor nur beim 6:0-Spaziergang zum Saisonstart gegen die überforderten Bremer. „Wir waren nicht aggressiv genug“, monierte der Gladbacher Trainer André Schubert. „Wir waren nicht in der Lage, Paroli zu bieten. Da müssen wir schon an der Leistungsgrenze sein. Bayern war klar dominierend.“

          Von den Gladbachern, die in der Champions League am Mittwoch mit einem 2:0 bei Celtic Glasgow überzeugt hatten, war mehr erwartet worden. Doch erwischten sie die Bayern zum falschen Zeitpunkt, trotzig und konzentriert am Ende einer Schein-Krise, und glaubten viel zu spät an ihre Chance - genau der Zustand der Verzagtheit, den die Bayern zuletzt bei ihren Gegnern aus Köln und Frankfurt vermisst hatten. Erst als die Bayern begannen, Kräfte zu schonen, und sich ein wenig zurückzogen, entdeckten die Gladbacher Ansätze von Angriffsgeist – viel zu spät, um noch etwas zu bewegen. Die Bayern-Krise, sie haben nun erst mal wieder die Bayern-Gegner.

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