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Eintracht 1:1 gegen Stuttgart : Kurzes Glück nach Kostics Treffer

Der Knaller: Filip Kostic (r) jubelt nach seinem Tor zum 1:0 mit Erik Durm Bild: dpa

Der begnadigte Kostic kommt zu seinem 100. Bundesligaeinsatz für die Hessen und krönt ihn mit einem Tor. Doch das Happy End bleibt aus, weil Marmoush in Unterzahl für den VfB trifft.

          3 Min.

          Oliver Glasner hat in der vergangenen Länderspielpause viel zu tun bekommen. Der neue Trainer der Eintracht war mehr denn je in seiner kurzen Frankfurter Amtszeit, die ja erst Anfang Juli begonnen hatte, als Kommunikator, Motivator und Psychologe gefordert. Allerhand, was eigentlich längst hätte besser klappen sollen, musste besprochen und aufgearbeitet werden. Nach dem verpatzten Start in die Saison, der von mehreren Brennpunkten innerhalb der Kabine verschärft worden war, wollte er so der Gefahr begegnen, durch interne Querelen noch weiter an Boden zu verlieren.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Es stand viel auf dem Spiel in der Begegnung mit dem VfB Stuttgart für die bis dahin sieglosen Hessen, wie Glasner selbst einräumte. Doch in Anbetracht des Verlaufs der Partie, der wieder nicht zum ersehnten ersten Sieg führte, stellt sich die Lage in der Fußball-Bundesliga für ihn nun nach wie vor ausgesprochen unangenehm dar. Sein Team kam nur zu einem 1:1.

          Bundesliga

          Das dritte Remis in Serie ist weniger, als sich alle erhofft hatten, und es genügte nicht, um aus dem hinteren Tabellenmittelfeld in gehobene Kreise vorzustoßen. „Wir nehmen so ziemlich alles mit, was man mitnehmen kann“, sagte Glasner im Anschluss enttäuscht. Er fügte an: „Klar nervt es, Aber ich kann versprechen, das schweißt uns nur noch mehr zusammen.“

          Wer gedacht hatte, Glasner würde nach seinen versöhnlichen Worten in der Causa Filip Kostic unmittelbar zur Tagesordnung übergehen, sah sich am Sonntag getäuscht. Der Serbe, der Ende August mit einem Streik seinen – im Folgenden aus finanziellen Gründen gescheiterten – Wechsel zu Lazio Rom erzwingen wollte, gehört für den Coach eigentlich zu den festen Bestandteilen seiner Elf, die dessen Klasse ausmachen. Aber der 28-Jährige musste gegen die Schwaben dann doch zu Beginn auf der Auswechselbank Platz nehmen. Glasner begründete den Anfangs-Verzicht später mit dem Stress, der hinter Kostic liege. Er habe die „ein oder andere schlaflose Nacht“ erlebt; als der Stadionsprecher um kurz vor halb vier die Aufstellung verlas, wurde Kostics Name mit Beifall bedacht.

          Für Schwung in der Offensive sollten zunächst die Zugänge Jens Petter Hauge und Jesper Lindström über die Flügel sowie an zentraler Stelle Daichi Kamada sorgen. In der Sturmmitte erhielt der Niederländer Sam Lammers bei seinem Debüt den Vorzug vor dem Kolumbianer Rafael Borré, hinter dem wegen seines Einsatzes in der WM-Qualifikation ein zeitaufwendiger Trip nach Südamerika lag. Sonderlich sehenswert war es nicht, was die Frankfurter im ersten Abschnitt derartig anstellten.

          Am Bemühen, in der gegnerischen Hälfte Fuß zu fassen, fehlte es vor 25.000 Zuschauern nicht. Allein: Sie streuten zu viele vermeidbare Fehler in ihre Darbietung ein, so dass es dem VfB nicht schwerfiel, seine Reihen geschlossen zu halten. Ajdin Hrustic absolvierte als Sechser ein großes Laufpensum, verpasste jedoch mehrmals den passenden Zeitpunkt für das Abspiel und vertändelte die Kugel dann in Zweikämpfen.

          Und Lammers zog an vorderster Stelle ein ums andere Mal Sprints an, doch die noch nicht vorhandene Abstimmung mit seinen Mitstreitern, spiegelte sich in diversen Szenen, in denen der Stuttgarter Verteidiger Konstantinos Mavropanos einen Schritt schneller als er war. Kevin Trapp, ihr Schlussmann, musste zudem zweimal zupacken, um Schlimmeres für die Eintracht zu verhindern: In der 16. Minute parierte er einen Schuss von Omar Marmoush, und in der 33. Minute folgte ein beidhändiger Block bei einem Versuch von Roberto Massimo. Chancen, um selbst in Führung zu gehen, vergaben für die Frankfurter Hauge, als er über die Latte zielte (2.) und zweimal Kamada, der Vorlagen von Lindström nicht verwerten konnte (22., 40.). Untauglich war auch der Abschluss von Lammers, der den besser postierten Lindström rechts von ihm übersah und links am Pfosten vorbeischoss (41.).

          Das Stadion bebte bei Kostics Moment

          Offiziell wurde Kostics Begnadigung in der 59. Minute vollzogen. Er eilte, nach einem Handschlag mit Glasner und von mehr Applaus als Pfiffen begrüßt, auf den Rasen, wo er sogleich als Flankengeber in Erscheinung trat. Nun war auch die Kulisse da. Lammers scheiterte aus kurzer Distanz an VfB-Torhüter Florian Müller (61.), ehe Glasner auf die ausbaufähige Premiere des Novizen reagierte. In der Schlussphase musste der 24-Jährige für Borré weichen. Die Eintracht erhöhte den Druck – und hätte sich bei einem Konter durch Marmoush beinahe das 0:1 eingefangen, Djibril Sow grätschte ihm aber noch dazwischen (75.).

          Und dann kam der Moment, den sich manch Beteiligter vorab wohl genauso ausgemalt hatte, und ihn vielleicht auch deswegen so ausgelassen bejubelte. Kostic nahm mit links Maß und traf zum 1:0 (79.). Das Stadion bebte, und der Schütze verschwand danach inmitten einer Traube aus ihn feiernden Mitspielern. Kurz darauf sah auf Seiten des VfB Waldemar Anton nach Foul an Borré die Rote Karte (81.) – doch trotz numerischer Überzahl gerieten die Frankfurter noch vom Kurs ab: Marmoush zerstörte im Alleingang ihr kurzes Glück (88.).

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