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Frankfurt empfängt Dortmund : Die Eintracht gegen lauter Raketen

Seid umschlungen: Wie in Bremen wollen die Frankfurter auch gegen Dortmund jubeln. Bild: dpa

Identische Punktzahl, ganz unterschiedlicher Ansatz: Die Eintracht muss sich gegen Borussia Dortmund etwas einfallen lassen, um das torgefährlichste Team der Liga bremsen zu können.

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          Schon wieder ein Spitzenspiel. Mit der Spitzenmannschaft Eintracht Frankfurt? Niko Kovac hielt kurz inne, als er danach gefragt wurde. Dann sagte der Eintracht-Trainer: „Wir freuen uns, dass wir da oben stehen. Ich sehe es zwar nicht, dass wir eine Spitzenmannschaft sind. Aber es ist ja so: Wir haben die gleiche Punktzahl.“ Wie Borussia Dortmund, der Klub von Rang und Namen, der sich an diesem Samstag (15.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) in der Frankfurter Arena vorstellen wird - selbstverständlich vor ausverkauftem Haus, denn alle 51.500 Tickets waren schnell vergriffen. Die Eintracht ist wieder en vogue.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Kovac und seine vielen Helfer leisten seit Monaten schon vorzügliche Arbeit, und aus dem einstigen Abstiegskandidaten ist mittlerweile ein Team geworden, das derzeit zu Recht im ersten Drittel der Tabelle steht. „Technisch, taktisch und von der Mentalität her haben wir uns verbessert“, sagte Kovac gut 24 Stunden vor dem Anpfiff. „Um aber wirklich eine Spitzenmannschaft zu sein, muss man auch das zweite und dritte Drittel einer Saison so spielen. Und das dann über Jahre.“ Zukunftsmusik. Was zählt, ist die Gegenwart, und die sieht in Frankfurt derzeit positiv aus. „Wenn es wirklich stimmt, dass wir zu diesem Zeitpunkt der Bundesligasaison der beste Siebte aller Zeiten sind, dann freut uns das sehr“, sagte der Frankfurter Fußballlehrer.

          Siebter mit 21 Punkten - genauso viele, wie der BVB bislang gesammelt hat, zu dem Kovac respektvoll aufschaut. „Im Vergleich zur Champions League werden jetzt frische Spieler kommen. Thomas hat die Möglichkeit, fast alle fünf Minuten zu switchen“, sagte Kovac über die taktischen Variationsmöglichkeiten seines Dortmunder Kollegen Tuchel. Doch auch die Eintracht ist flexibel. An diesem Samstag ist die erforderliche Flexibilität aber auch aus der Not heraus gefordert. Denn Kovac muss seine Startelf ändern. Omar Mascarell wird sich das Spiel im Stadtwald nur von der Bank aus anschauen können. Nach der fünften Gelben Karte, die er am Sonntag beim 2:1-Sieg in Bremen gesehen hatte, ist der Spanier für ein Spiel gesperrt. „Das tut uns schon weh, dass er ausfällt“, bedauerte Kovac. „Er ist in diese Position reingewachsen. Er ist unser Spielmacher vor der Abwehr.“

          Kovac muss sich etwas einfallen lassen. Er kann den Defensivverbund, der zuletzt mit einer Dreierkette glänzte, auf vier Verteidiger ausweiten. Er kann aber auch der Offensive mehr Schwung verleihen, indem er weitere Angreifer nominiert. In die Karten schauen ließ sich der 45 Jahre alte Eintracht-Trainer natürlich nicht. Doch zumindest eines scheint sicher zu sein: Alexander Meier kehrt wohl wieder in die Startelf zurück. Meier ist schließlich der Kapitän der Eintracht, der mit seinen 33 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehört, wie er unlängst wieder bewies. Sein Treffer in Bremen, kurz nach der Einwechslung in der zweiten Halbzeit erzielt, war ein klassisches Tor der Marke Meier.

          Gegen den BVB wäre eine Wiederholung hilfreich. Doch Kovac ahnt schon jetzt, was auf die Eintracht zukommen könnte. Acht Tore in der Champions League gegen Warschau, dazu mit 26 Treffern die meisten aller Klubs in der Bundesliga: „Der BVB vereint eine so große Qualität. Er hat Lunte gerochen und ist wieder auf dem aufsteigenden Ast.“ Vor allem der 1:0-Sieg gegen die seit Wochen wenig meisterlichen Bayern hat den Westfalen Auftrieb gegeben. Bei der Eintracht sind es viele gute Spiele zu Hause gegen „Großkaliber“ gewesen, wie Kovac am Freitag sagte, die seine Mannschaft besser und optimistischer habe werden lassen. „Aber wir werden nicht vergessen, woher wir kommen. Die Bundesliga fordert sehr viel von uns. Wir müssen weiter hart arbeiten.“

          Bodenhaftung tut gut - gerade in Frankfurt, wo sich schnell manche Flausen in den Köpfen festsetzen und der Traum von Europa überhandnimmt. Kovac weiß um die Begehrlichkeiten, die der Erfolg seiner Mannschaft beim Anhang geweckt hat - und er will auch nicht der Bremser sein. „Träumen darf man schon. Denn wer nicht träumt, verschläft sein Leben“, sagte der Kroate fast schon philosophisch. Sosehr sich der Eintracht-Trainer auch über den derzeitigen Höhenflug seiner Mannschaft freuen mag: „Ich weiß, wie schnell sich das auch wieder drehen kann. Ich bin lange genug dabei.“

          Und so ist Kovac und seinen Helfern auch wohlbekannt, dass der Dortmunder Kader über eine qualitative Breite verfügt, wie es sie in Frankfurt in dieser Fülle nicht gibt. „Mein Kollege Thomas hat im Angriff lauter Spitzen, die alle nach vorne sprinten und bei Olympia mitmachen könnten. Wir müssen sehen, dass wir diese Raketen in den Griff bekommen.“ Andererseits: Könnte es nicht sein, dass im Spitzenspiel zwischen einer nachweislichen Spitzenmannschaft und einem aufbegehrenden Team nicht auch einer aus dem Eintracht-Ensemble durchstartet und den BVB ärgert? „Die Zuschauer können sich auf ein hochintensives Fußballspiel freuen“, kündigte Kovac an. „Mit der Unterstützung der Fans kann sich meine Mannschaft in einen Flow spielen. Es kann ein Spektakel werden.“

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