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Eintracht Frankfurt : Angriff auf das Establishment

  • -Aktualisiert am

Hegt Champions-League-Ambitionen: Torjäger André Silva. Bild: AFP

Stürmer Silva und Trainer Hütter formulieren hohe Ziele. Ungeachtet der jüngsten Schlappe bei den Bayern will sich die Eintracht im Vorderfeld etablieren. Da kommt Werder gerade recht.

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          Der Blick auf die Bundesligatabelle offenbart schon nach dem fünften Spieltag das gewohnte Bild: Das Establishment tummelt sich an der Spitze: Leipzig, Bayern und Dortmund. Zur Verfolgergruppe zählen mit Bayer Leverkusen und Borussia-Mönchengladbach zwei weitere der natürlichen Favoriten für die nächste Europapokalsaison.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Die Frankfurter Eintracht zählt zu den drei Außenseitern, die sich mit acht Punkten ebenfalls eine gute Ausgangsposition für den Rest der Saison verschafft haben. Mit Werder Bremen (an diesem Samstag) und dem VfB Stuttgart (am Samstag darauf) trifft die Mannschaft von Trainer Adi Hütter als Nächstes auf die beiden anderen Überraschungsteams (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga sowie bei Sky). Es ist einfachste Fußball-Mathematik, die Trainer Adi Hütters Worte bestätigen: „Ja, die Spiele bis zur Länderspielpause sind für uns richtungsweisend.“

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          Zwei Siege – und die Eintracht hat sich erst mal in der Spitzengruppe festgesetzt und die Grundlage dafür geschaffen, einen Platz im nächsten internationalen Geschäft anzugreifen. Hütter überraschte am Freitag mit der Aussage, dass genau dies sein Ziel sei. Sogar die Champions- League-Ambitionen, die sein Torjäger André Silva in dieser Woche in einem Interview mit Sport1 preisgab, hieß der österreichische Trainer gut: „Ich liebe es, wenn große Ziele formuliert werden, auch wenn sie nicht realistisch sind.“ Und dann fügte der 50-Jährige mutig an: „Aber eine Chance hat man immer.“

          Wie groß der Klassenunterschied zur Königsklasse noch ist, hat die Eintracht beim 0:5 gegen die Bayern erst am vergangenen Samstag erfahren, aber das bremst den Frankfurter Ehrgeiz nicht, sich Schritt für Schritt heranzukämpfen: Schließlich sind die anderen Gegner von anderem Kaliber: „Man kann gegen Werder zu Hause gewinnen“, sagt Hütter zum nächsten Gegner und fügt an: „Wir haben die Qualität dafür.“

          Die Frankfurter empfinden es keineswegs als störend, dass die Bremer von Verletzungssorgen geplagt sind. Mit Niclas Füllkrug, vier Saisontreffer, fällt der Torjäger aus, mit Davie Selke der zweite Strafraumstürmer, der der Eintracht in der Vergangenheit schon häufig weh getan hat. Yuya Osako ist angeschlagen und Milot Rashica körperlich in schlechter Verfassung, was zusammengefasst bedeutet: Werder reist mit einem fitten Stürmer an den Main: dem Amerikaner Josh Sargent.

          Dagegen ist das Frankfurter Sturmproblem ein winziges: Zum ersten Mal in dieser Saison trafen gegen Bayern weder Stürmer Bas Dost noch Stürmer André Silva. Für Hütter gar kein Problem: „Für mich ist nicht gleich alles gut und dann gleich alles schlecht. Sie wurden zuletzt auch nicht so in Szene gesetzt, wie sie es brauchen. Ich sehe beide positiv.“ Nach anderthalb nicht so besonders guten Spielen sollte man nicht wegen Kleinigkeiten alles umwerfen.

          Diesen Satz bezieht Hütter auch auf andere Positionen. So hat sich Ilsanker erst einmal festgespielt, obwohl der Österreicher gegen die Bayern keinen guten Tag hatte. „Er ist unser klarster Sechser“, sagt Hütter. Er will damit ausdrücken, dass Ilsanker der defensivste seiner Mittelfeldspieler ist, einer, der sich selten nach vorne verirrt und bei Ballverlust dem Gegner Raum schenkt. „Ganz wichtig, wenn man mit einem klaren Zehner spielt“, so Hütter. Und die Eintracht spielt ja mit Kamada. So sitzt Dominik Kohr seit der zweiten Halbzeit des ersten Spieltages auf der Ersatzbank, jener Kohr, der in der vergangenen Rückrunde einen deutlichen Entwicklungsschritt geschafft hatte. Der Eintracht-Trainer gibt zu, dass das von außen nicht leicht nachzuvollziehen sei. „Ich habe deshalb mit Dominik ein Gespräch geführt, das sehr positiv war. Er muss weiter hart arbeiten und geduldig sein.“

          Auch Neuzugang Amin Younes wird noch etwas warten müssen, bis er es in die Startelf schafft, obwohl er bei seinen Einwechslungen gute Leistungen gezeigt hatte: „Wir haben nicht viel verkehrt gemacht in den letzten vier Spielen, wir müssen nicht wahnsinnig viel verändern, wenn es mal nicht so gut gelaufen ist.“ Nur eine Veränderung kündigte der Österreicher gegenüber dem 0:5 gegen die Bayern an, eine Veränderung zum Alten. Mannschaftskapitän David Abraham kehrt nach seiner Verletzung in die Anfangsformation zurück und verdrängt wieder den 21 Jahre alten Tuta. Hütter wurde mit der Frage konfrontiert, ob er darüber nachdenke, einen gleitenden Personalübergang in der Abwehr zu vollziehen, da Abraham mit 34 und Hasebe mit 36 Jahren nicht mehr ewig spielen werden. Und ob er, um den jungen Verteidigern Evan Ndicka und Tuta mehr Einsatzzeiten zu geben, mit dem Gedanken spiele, von der Dreier-Abwehrkette auf eine Vierer-Abwehrkette umzustellen: Hütters eindeutige Antwort: „Ich bin nicht dazu da, Dinge auszuprobieren, es geht um Punkte und Erfolge.“

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