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2:1 in Bremen : Knalleffekte von der Frankfurter Bank

So sehen späte Sieger aus: Frankfurt gewinnt auch in Bremen. Bild: dpa

Wohl dem, der solche Joker hat: Frankfurt wechselt in Bremen den Sieg ein. Torjäger Meier gelingt erst der Ausgleich. Und in letzter Minute hat ein 18 Jahre alter Debütant seinen großen Auftritt.

          3 Min.

          Dass es so schnell gehen würde, hätte sich Aymen Barkok nicht in seinen kühnsten Träumen ausgemalt. Doch der Jungprofi der Eintracht, gerade mal 18 Jahre alt, hat bei seinem Bundesliga-Debüt am Sonntag für den Knalleffekt gesorgt. Es geschah in der 90. Minute, als der eingewechselte Barkok, dem zuvor viele Fehler unterlaufen waren, „weil ich total nervös gewesen bin“, Maß nahm. Mit dem linken Fuß schlenzte er in bester Alexander-Meier-Manier den Ball aus 18 Metern in das linke Eck des Bremer Tores. Barkoks Volltreffer war gleichbedeutend mit dem 2:1-Auswärtssieg der weiterhin famosen Frankfurter.

          Frankfurt ist nicht San Marino: Gnabry traf gegen die Eintracht nicht. Bilderstrecke
          Frankfurt ist nicht San Marino: Gnabry traf gegen die Eintracht nicht. :
          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Die Mannschaft von Trainer Niko Kovac findet sich nach dem sechsten Sieg im elften Saisonspiel weiterhin auf Platz sieben wieder – punktgleich mit dem Rangdritten Dortmund, dem Gegner des kommenden Wochenendes. Doch dass die Eintracht schon 21 Punkte hat, brachte selbst Fredi Bobic in dezente Verzückung. „Es zeigt, dass wir weiterhin auf dem richtigen Weg sind und unser Prozess anhält. Und für den jungen Burschen Barkok freue ich mich besonders. Erstes Spiel und gleich ein Tor“, sagte der Sportvorstand in den Katakomben des Bremer Weserstadions. „Genau wie bei mir damals.“

          Entscheidender Wegbereiter zum Sieg an der Weser war Meier. „Alex hat uns auf die Siegerstraße gebracht“, sagte nach der Partie Sportdirektor Bruno Hübner. Wieder einmal musste der Kapitän der Eintracht zuschauen, als es galt, sich auswärts zu beweisen. Diesmal dauerte es bis zur Halbzeitpause, dann nahm Kovac den Ungarn Szabolcs Hustzi aus der Partie und brachte Meier. Kovac wusste: „Alex ist ein Spieler, der in der Box die Bälle verwertet.“ Gesagt, getan. Sechs Minuten nach dem Seitenwechsel war Meier zur Stelle und erzielte das wegweisende 1:1. Mit rechts, mit der Innenseite – und mit viel Chuzpe am Tormann, seinem ehemaligen Eintracht-Teamgefährten Felix Wiedwald, vorbei ins linke untere Eck.

          „Natürlich bin ich sehr zufrieden“, sagte Kovac später. „In der ersten Halbzeit hatten wir noch zu viele leichte Fehler im Mittelfeld. Doch in der zweiten Halbzeit war das sehr viel besser.“ Sogar einen Hauch von Mitleid empfand Kovac mit den unterlegenen Bremern, „denn wenn ein Tor in der 90. Minute fällt, ist das immer ein Schlag für den Gegner“. Andererseits überwog die Freude über den Sieg, herausgeschossen durch Aymen Barkok, „einem Jungen, der sehr gute Fähigkeiten hat und der sich für die gute Trainingsarbeit in der Länderspielpause mit dem Einsatz belohnt hat“.

          Knapp 40.000 Zuschauer waren zum Abschluss des elften Bundesliga-Spieltags in das windige Weserstadion gekommen, und die gut 2000 unter ihnen, die aus Frankfurt angereist waren und mit der Eintracht sympathisierten, brauchten sich nach der Partie nicht zu grämen. Dass es doch kein neuer Vereinsrekord wurde, weil es das vierte „Zu-Null-Spiel“ in Folge in der 117-jährigen Klubgeschichte nicht gab – geschenkt. Kovac hatte Recht: Dass sich die Eintracht, wie er vor der Dienstreise in den Norden verkündet hatte, seit dem letzten Auftritt in Bremen vor einem halben Jahr „in allen Bereichen verbessert hat“, war von Beginn an zu sehen.

          Es waren, trotz einiger Unzulänglichkeiten, die Frankfurter, die mit der gefälligeren Spielkultur das Kommando übernahmen. Dabei konnten sie sich wie in den Vorwochen auch zunächst auf ihre kompakte und eingespielte Abwehr verlassen. Branimir Hrgota stand erwartungsgemäß in der Spitze und war ebenso wie seine offensiven Mitstreiter bestrebt, aus der Spielkontrolle Kapital zu schlagen. Doch sowohl David Abraham, der Meier als Kapitän vertrat, scheiterte mit einem Schussversuch (5. Spielminute) wie auch Marco Fabian (17.).

          Besser im Aufbau, besser im Angriff – trotzdem musste die Eintracht auf der Hut sein, denn bei Werder war es der neue Nationalspieler Serge Gnabry, der als Solist für Gefahr sorgte. In der 21. Minute verpasste der dreifache Nationalmannschaftstorschütze ebenso sein Ziel wie kurze Zeit später mit einem gefährlichen Drehschuss (34.). Das Signal, das von den Bremer Individualleistungen ausging, war eindeutig: Die Eintracht durfte sich ihrer nur vermeintlichen Überlegenheit nicht zu sicher sein. Und tatsächlich: In der 38. Minute geriet Kovacs Mannschaft in Rückstand. Nach einem langen Pass von Niklas Moisander zeigte Florian Grillitsch seine technische Klasse, als er die Kugel gefühlvoll mitnahm und in den linken Winkel zirkelte.

          Die Eintracht 0:1 im Rückstand – das war alles andere als geplant. Doch unverdient war es nicht, denn den Frankfurtern mangelte es offensiv an der letzten Konsequenz und Durchschlagskraft. So hätte kurz vor der Pause der sich immer wieder nach vorne orientierende Bastian Oczipka viel mehr aus seinem Solo machen müssen. Unglücklich auch das überflüssige Foulspiel, zu dem sich Omar Mascarell hinreißen ließ und wofür er Gelb sah (24.). Weil es schon die fünfte Verwarnung für den Spanier ist, muss er am kommenden Samstag gegen Bayern-Bezwinger Borussia Dortmund zuschauen.

          Kovac wusste: So konnte, so durfte es im zweiten Spielabschnitt nicht weitergehen. Und der Trainer handelte. Er nahm Huszti aus der Partie und schickte Meier ins Rennen. Jenen Frankfurter Torgaranten, der schon 78 Mal in der Bundesliga erfolgreich gewesen ist – aber bislang noch nie in Bremen. Makulatur seit Sonntag. „Natürlich habe ich mich geärgert, dass ich zunächst zuschauen musste“, sagte Meier nach dem 2:1. „Aber es bleibt dabei: Ich gebe immer alles, denn ich will spielen.“ Spielen, das will auch zukünftig Aymen Barkok. Kovac dürfte ihm weitere Chancen geben.

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