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Ärger in Fußball-Bundesliga : Düsseldorf und der Fortuna-Fluch

  • -Aktualisiert am

Ärgerlich: Jean Zimmer und Fortuna Düsseldorf lassen in Köln den Sieg liegen. Bild: dpa

„So kann es nicht weitergehen“: Die Düsseldorfer finden immer einen Weg, sicher geglaubte Punkte noch liegen zu lassen. Der Frühsommer könnte für die Fortuna zum Albtraum werden.

          3 Min.

          Knapp 13 Jahre hat Uwe Rösler in England verbracht. Als Spieler vor allem bei Manchester City, später als Trainer unter anderem bei Leeds United. Man hört es ihm noch an; sein Akzent verrät zwar, dass er in Thüringen und Sachsen aufgewachsen ist, aber die englischen Fußballfloskeln hat der 51-Jährige noch drauf. Erst am Sonntag war das zu hören, nach dem Rheinderby der Düsseldorfer Fortuna beim 1. FC Köln. 2:2 stand es am Ende, womit Rösler alles andere als glücklich war, schließlich hatte seine Mannschaft bis in die Schlussphase 2:0 geführt, am Ende aber wieder mal fast alles verspielt.

          Bundesliga

          Da gab es Redebedarf, noch in der Kabine sagten sich die Fortunen ordentlich die Meinung. Was ganz im Sinne des Trainers war, der wollte die Aufarbeitung noch am Abend „zu Bett zu bringen“. An diesem Mittwoch geht es ja gleich weiter mit dem Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Schalke. Ein „Must-Win-Game“, wie Rösler sagte, der auch gleich eine Idee hatte, wie es künftig besser laufen könne: Man brauche „mehr Balance zwischen Attack und Defence“.

          Dass die zu selten vorhanden ist, lässt sich an der Tabelle ablesen. Die führt die Düsseldorfer an Position 16, der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz beträgt drei Punkte. Was Rösler nicht ganz fair findet: „Wir spielen über große Perioden des Spiels nicht wie eine Mannschaft, die auf dem drittletzten Platz steht“, sagt der Trainer, nach dessen Amtsantritt Ende Januar die Fortuna nur eins von acht Spielen verloren hat. Auch insgesamt liest sich die Statistik recht ordentlich: 13 Niederlagen nach 27 Spieltagen – nur zehn Teams haben seltener verloren. Allerdings hat die Fortuna auch erst fünf Siege – und nur ein Team hat seltener gewonnen.

          Qualität, Kondition oder Nerven

          Dabei sollte sich unter Rösler alles ändern: Die Fortuna sollte forscher spielen, und sie sollte endlich ihre Führungen über die Ziellinie bringen. Mutig und offensiv spielt sie seit dem Trainerwechsel, das schon, aber sie gewinnt nicht, weil sich das größte Manko der Zeit unter Röslers Vorgänger Friedhelm Funkel fortsetzt. In 14 Spielen führte die Fortuna und damit nur zweimal seltener als das Spitzenteam aus Leipzig. Doch während RB seine 16 Führungen in 15 Siege umwandelte, holten die Düsseldorfer nur fünf. Schlimmer noch: Nachdem die Funkel-Fortuna immer wieder 1:0-Führungen vergab, bringt es unter Rösler nicht mal etwas, wenn die Düsseldorfer 2:0 (jetzt in Köln) oder gar 3:0 (gegen Hertha) führen. Sie finden immer einen Weg, sicher geglaubte Punkte noch liegen zu lassen. Ein verschenktes 1:0 hatte die Fortuna unter Rösler aber natürlich auch schon im Programm, gleich bei seinem Debüt glich Eintracht Frankfurt in der Nachspielzeit aus.

          Wenn eine Mannschaft oft gegen Ende einbricht, kann das mehrere Gründe haben: Qualität, Kondition oder Nerven, zum Beispiel. An fehlendem Vermögen könne es im Fall der Fortuna aber nicht liegen, ist sich Rösler sicher, sonst würde sie nicht so oft so lange mithalten. Doch an der körperlichen Verfassung gibt es spätestens seit dem Köln-Spiel wieder Zweifel. In den Schlussminuten, als es der FC fast nur noch mit hohen Bällen versuchte, waren die Düsseldorfer nicht mehr in der Lage, die Kölner sozusagen hoch anzulaufen und Druck auf die Flankengeber auszuüben. Dass spätestens nach dem Anschlusstreffer in der 88. Minute auch das Nervenflattern begann, wollte Rösler nicht verhehlen.

          „So kann es nicht weitergehen“, befand Stürmer Kenan Karaman. Das dürfte es in der Tat nicht. Gegen die angeschlagenen Schalker – neun Spiele ohne Sieg, 2:22 Tore in dieser Phase – muss die Fortuna an diesem Mittwoch (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) gewinnen. Danach geht es gegen Bayern, 1899 Hoffenheim, Borussia Dortmund, RB Leipzig. Läuft alles ganz schlecht, holt die Fortuna in den nächsten Wochen womöglich keinen Punkt. Und so viel Zeit bleibt nicht mehr, um den Relegationsrang noch zu verlassen. Zum allem Überfluss hat nun auch Verfolger Werder Bremen wieder angefangen, Spiele zu gewinnen.

          So könnte der Frühsommer 2020 zum Albtraum für die Fortuna werden. In dem wollte sie gleich doppelt feiern: einen fast sporthistorischen Klassenverbleib und ihr Vereinsjubiläum. Erstmals seit Anfang der Neunziger könnte die Fortuna zweimal in Serie den Abstieg aus der Bundesliga vermeiden und sich der Konkurrenz dadurch auch finanziell annähern. Zwar sagte Aufsichtsratschef Björn Borgerding jüngst, dass der Klub „in den vergangenen Jahren solide und gut gewirtschaftet“ habe, selbst in der Krise müsse sich „keiner Sorgen machen“. Ohne dauerhaften Zugang zum großen TV-Geld ist der Rückstand aber nicht aufzuholen, zu selten spielten die Düsseldorfer zuletzt in der Bundesliga. Anfang des Jahrtausends tingelten sie gar zwischen dritter und vierter Liga hin und her. Auch an diese Zeit sollte erinnert werden, als am 5. Mai der 125. Geburtstag anstand. Monatelang dauerten die Planungen, es gibt ein Sondertrikot, eine neue Chronik und sogar ein eigenes Sammelheft. Dazu sollte groß in der Stadt gefeiert werden. Doch wegen der Corona-Krise kam es so wie in dieser Saison meist auf dem Spielfeld: Die Vorbereitungen liefen glänzend, die Party fiel aus.

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