https://www.faz.net/-gtm-9xhn7

Coronavirus : Bundesliga droht Ausfall von 770 Millionen Euro

  • Aktualisiert am

Der Ball ruht: Die Bundesliga sorgt sich um die wirtschaftliche Existenz. Bild: dpa

Der deutsche Profifußball ist durch die Aussetzung des Spielbetriebs ins Mark getroffen. Vor allem die kleineren Vereine haben Existenzängste. Wie können der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) helfen?

          2 Min.

          Die Profi-Klubs müssten im Falle einer kompletten Absage der laufenden Saison der Fußball-Bundesliga mit einem ökonomischen Schaden von rund einer dreiviertel Milliarde Euro rechnen. Diese Summe wurde der Deutschen Presse-Agentur aus Ligakreisen bestätigt. Ein Versicherungsschutz für die Vereine zum Beispiel für entgangene TV-Einnahmen besteht demnach nicht.

          Sollte wegen der Coronavirus-Krise die Spielzeit nicht beendet werden können, würde allein durch den Wegfall der Fernsehgelder für die letzten neun Spieltage ein Einnahmeausfall von rund 370 Millionen Euro anfallen. „Es handelt sich um private Vertragsvereinbarungen, die verständlicherweise nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind“, hieß es hierzu vom Hauptvertragspartner Sky. Weiterer ökonomischer Schaden entstünde durch entgangene Sponsorengelder und fehlende Eintrittsgelder.

          Nach der Absage des 26. Spieltages an diesem Wochenende hatten besonders Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor gravierenden Konsequenzen für viele Vereine gewarnt. Für Montag hat die Deutsche Fußball Liga eine Mitgliederversammlung der 36 Profi-Clubs einberufen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Die diskutierte Einführung eines Hilfsfonds wird in Ligakreisen skeptisch betrachtet.

          DFB prüft Hilfsprogramm

          Die DFL hatte sich sehr schwer getan, wollte zunächst "Geisterspiele" durchführen lassen, doch am Ende wurde der Druck auch aufgrund der positiven Coronafälle in der 1. und 2. Liga zu groß - die vorläufige Aussetzung des Spielbetriebs war unvermeidlich.

          Watzke gab seiner Hoffnung Ausdruck, "dass die Bundesliga-Klubs in den vergangenen Jahren so viel Substanz gebildet haben, dass alle diese Krise überstehen". Eine existenzielle Gefährdung des BVB sei "nach allem, was wir heute einschätzen können, auszuschließen", so der Dortmunder Geschäftsführer. Die Mitgliederversammlung der 36 Profiklubs im Sheraton Airport Hotel in Frankfurt/Main verspricht viel Zündstoff. Die Idee eines Solidarfonds erscheint unrealistisch. Die DFL prüft derzeit, ob im Lizenzierungsverfahren ein Entgegenkommen signalisiert werden kann. Aber auch die DFL unterliegt großen Zwängen, die Vorgaben des Insolvenzrechts sind eindeutig! Zuletzt war noch von der DFL die Option genannt worden, „auf Basis der Statuten Auszahlungszeitpunkte von zentral generierten Einnahmen anzupassen, um Klubs im Fall von möglichen Liquiditätsengpässen zu entlasten“. Doch das war vor der Spieltagsabsage vom Freitag - die dynamische Entwicklung der Coronakrise hat für eine völlig neue Bewertungsgrundlage gesorgt.

          Parallel zur DFL prüft der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ein Hilfsprogramm zur Aufrechterhaltung der Liquidität für den Fall, dass der Spielbetrieb weiter ruhen muss und Verbände oder Klubs hierdurch in Liquiditätsengpässe geraten sollten. Dies betrifft die 3. Liga, die Frauenfußball-Bundesliga und die Regional- und Landesverbände. „Vorbehaltlich der Zustimmung des DFB-Präsidiums würde das Unterstützungsprogramm die Möglichkeit von Darlehen vorsehen, um akute, durch die Coronakrise entstehende Liquiditätsprobleme zu überbrücken und Insolvenzen zu vermeiden“, teilte der DFB mit.

          Der DFB wolle in dieser Krise im Rahmen der vorhandenen  Möglichkeiten „seiner Verantwortung für den deutschen Fußball gerecht werden“, betonte DFB-Präsident Fritz Keller. Schatzmeister Stephan Osnabrügge ergänzte: „Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um unserem Vereinsfußball und Wettbewerben bestmöglich zu helfen.“ Ein frommer Wunsch, denn auch die finanziellen Möglichkeiten des „reichen“ DFB sind endlich.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

           Eine Mitarbeiterin des Instituts für Infektiologie Emilio Ribas zeigt den Impfstoff gegen SARS-CoV-2 des chinesischen Pharmakonzerns Sinovac.

          „Versehen“ des RKI : Das Wumms-Papier aus der Berliner Corona-Zentrale

          Impfung im Herbst – das Schicksal meint es wirklich gut mit den Deutschen, so musste man das neue Positionspapier des Robert-Koch-Instituts zur Corona-Strategie deuten. Bis der Traum ganz schnell zerplatzte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.