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0:1 gegen Hamburg : Der BVB zeigt sein Bundesliga-Gesicht

Kollektive Ratlosigkeit: der BVB nach dem Abpfiff Bild: dpa

Völlige Verunsicherung in Dortmund: Das Team von Trainer Klopp rutscht nach dem 0:1 gegen Hamburg tiefer in die Krise. Der HSV hat überraschend leichtes Spiel und freut sich über den ersten Sieg der Saison. Lasogga erzielt das Tor des Tages.

          Es gibt in der Bundesliga viele unsinnige Statisken, die mit dem aktuellen Geschehen nichts zu tun haben. Eine etwa besagte, dass in den vergangenen zehn Jahren gleich vier Hamburger Trainer ihren ersten Sieg mit dem HSV gegen Borussia Dortmund geschafft haben. Nun, nach Thomas Doll, Hubb Stevens, Bruno Labbadia und Mirko Slomka ist Josef Zinnbauer seit Samstag der fünfte Coach der dies geschafft hat.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          „Man sieht, dass die Mannschaft immer mehr einen Schritt nach vorne macht. Wir müssen weiter hart daran arbeiten, uns noch mehr zu verbessern“, sagte Zinnbauer. Beim 1:0-Sieg in Dortmund wurde der HSV vor erstaunlich wenig Probleme gestellt. Das Bestreben des BVB, die Derby-Niederlage vergessen zu machen, missriet völlig. Die Borussia steckte in einer dicken Krise.

          Weiße Weste: der HSV hält die null und feiert mit Trainer Zinnbauer den ersten Saisonsieg Bilderstrecke

          Pfiffe zur Pause in Dortmund sind selten, aber selten hatten die Borussen-Fans in der jüngeren Vergangenheit auch eine solche erste Halbzeit wie diese gegen den Hamburger SV erlebt. Keine einzige Torchance für den BVB, das hätte sich niemand der 80.600 Besucher im wie immer ausverkauften Stadion träumen lassen, noch dazu gegen den Tabellenletzten der Bundesliga.

          Sein Bestreben, erst einmal die Defensive zu stabilisieren, hatte Josef Zinnbauer, der neue Hamburger Trainer, dabei nicht mit einer verstärkten Abwehr umgesetzt. Er ließ ganz im Gegenteil die Dortmunder Aufbauversuche schon früh stören, und sorgte so dafür, dass überhaupt kein Kombinationsfluss im BVB-Spiel entstanden war. HSV-Torwart Drobny verbrachte so eine ungewohnt ruhige erste Halbzeit.

          Keine Torchance für den BVB, das hätten die Dortmunder Fans vielleicht noch hingenommen, doch zur Pause führte der Hamburger SV 1:0. Ein Fehlpass von Ramos an der Mittellinie hatte das Destaster eingeleitet. Gegen die aufgerückte BVB-Abwehr hatte der HSV danach relativ leichtes Spiel, Jansen, nach seiner Adduktoren-Verletzung erstmals wieder von Beginn an dabei, schaltete schnell und bediente Müller, den Durm vergeblich noch festzuhalten suchte.

          Einen Querpass später hatte Lasogga, von dem der ehemalige HSV-Torwart Uli Stein gerade erst öffentlichkeitswirksam gesagt hatte, er könne gar kein Fußball spielen, vollkommen freie Bahn. Seine fußballerischen Qualitäten reichten zumindest, um den Ball nach 35 Minuten ins leere Tor zu schieben. Später sagte Lasogga über den früheren Nationaltorhüter Stein: „Ich kenne ihn nicht. Das juckt mich alles überhaupt nicht.“

          Mit Jojic für Bender versuchte BVB-Trainer Jürgen Klopp der Partie eine Wende zu geben und die spielerische Qualität seiner Mannschaft zu erhöhen. Von vornherein hatte er aus Gründen der Schonung auf Rechtsverteidiger Piszczek verzichtet, dessen Vorstöße allerdings schmerzlich vermisst worden waren. Die Unterstützung der Zuschauer kehrte nach Wiederanpfiff rasch zurück, dafür tat auch HSV-Spielmacher Holtby eine Menge, der sich erst am Boden wälzte, dann aber urplötzlich wieder auf den Beinen war, als die Borussia den Ball ins Aus gespielt hatte. So kamen zwar zumindest die Fans auf Betriebstemperatur.

          Kagawa bemühte sich, dem Spiel Struktur zu geben, fand aber gegen die nun defensiveren Hamburger kaum Mitspieler, die auf seine Ideen eingingen. Auch die erste Chance nach der Pause entstand so auf der anderen Seite – nach einem Kopfball von Westermann verhinderte Weidenfeller (63.) einen größeren Rückstand. Um mit mehr Wucht über den rechten Flügel angreifen zu können, war nach 70 Minuten die Schonzeit für Picszek vorbei, er ersetzte den überfordert wirkenden Durm. Nach 71 Minuten war es dann so weit – Drobny vereitelte die erste BVB-Tormöglichkeit durch Ramos.

          Notgedrungen musste der BVB in der Schlussphase mehr Risiko wagen, für Großkreutz kam Ciro Immobile, der nur Sekunden nach seiner Einwechslung (78.) knapp am Tor vorbeischoss. Was wie der Beginn einer Schlussoffensive aussah, führte aber prompt zu einer Konterchance für Holtby, der Weidenfeller schon umspielt hatte, aber zu weit abgedrängt worden war und das Tor verfehlte. Was immer der BVB aber in der Folge, auch in der fünfminütigen Nachspielzeit versuchte, es ging schief. Wundersames geschah erst nach dem Abpfiff, Die Dortmunder Fans, in den vergangenen Jahren vom Erfolg verwöhnt, feierten ihre Mannschaft minutenlang und leisteten Sofort-Hilfe für ein völlig verunsichertes Team.

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