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Fußball-Bundesliga : Die Bayern-Jagd beginnt

FAZ.NET zeigt Transfers der Bundesliga: Ribéry, Alberto, Ailton und Charisteas... Bild:

Die Fußball-Bundesliga boomt - aber wie lange noch? Allein der FC Bayern hat für 70 Millionen Euro neue Stars geholt - und geht als Favorit in die 45. Saison, die an diesem Freitag beginnt. FAZ.NET präsentiert einige Transfers der 18 Klubs.

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          Das Fernglas liegt bereit. Die anderen werden es brauchen. Wenn die Fußball-Bundesliga an diesem Wochenende an diesem Freitag mit dem Spiel Stuttgart gegen Schalke (20.30 Uhr, im FAZ.NET-Liveticker) in ihre 45. Saison startet, können nämlich die anderen Vereine den FC Bayern München in der Tabelle nur mit einem Fernglas finden.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Das behauptet jedenfalls Bayern-Manager Uli Hoeneß. Und seine düstere Prophezeiung dürfte eintreten, wenn es stimmt, dass Geld Tore schießt. Denn Hoeneß hat in diesem Jahr so viel Geld wie noch nie in teure Stars investiert. Für stolze 25 Millionen Euro lockte er den Franzosen Franck Ribéry von Olympique Marseille zum deutschen Rekordmeister, für 12 Millionen Euro kam Nationalstürmer Miroslav Klose und für 11 Millionen der Italiener Luca Toni. Hoeneß hat für die Bayern den teuersten Kader der Geschichte zusammengekauft. Und hat andere Manager mitgezogen: Insgesamt 170 Millionen Euro haben die 18 Vereine der Beletage des deutschen Fußballs vor dieser Saison investiert - ein neuer Transferrekord (Siehe auch: Bundesliga-Kommentar: Blühender Wettbewerb ).

          International winkt das große Geld

          Die Bundesliga hat aufgerüstet. Mit gutem Grund: „Der Druck auf die Bundesliga-Manager ist gewachsen“, sagt Stefan Ludwig von der Beratungsgesellschaft Deloitte & Touche. Für die Spitzenvereine geht es nicht nur um die deutsche Meisterschaft, sondern auch darum, in den internationalen Wettbewerben weit zu kommen. Denn hier winken lukrative Einnahmen. So wurden etwa seit der Saison 1999/2000 aus der Champions League allein an den FC Bayern München 210 Millionen Euro ausgeschüttet, 191 Millionen Euro an Manchester United und 187 Millionen Euro an Real Madrid (Siehe auch: Auf einen Blick: Die wichtigsten Bundesligatransfers).

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          Es passt zum Hochgefühl des deutschen Fußballs nach der erfolgreichen Weltmeisterschaft im eigenen Land, einem Dauerkartenrekord bei vielen Vereinen und einem Fernsehvertrag, der üppiger dotiert ist denn je: Deutschlands Fußballmanager schätzen die wirtschaftlichen Aussichten ihrer Branche deutlich besser ein als noch vor einem Jahr. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst &Young unter 30 von 36 Vereinen der Ersten und Zweiten Bundesliga. „Wohl vor allem dank des aktuellen Fernsehvertrags sind die Fußballmanager mit der derzeitigen Situation der Branche so zufrieden“, sagt Stefan Pfeiffer von Ernst &Young. 420 Millionen Euro fließen den Vereinen für die Rechte zu, 300 Millionen Euro waren es bisher. „Und der Überschuss der Fußball-Weltmeisterschaft wird auch noch auf die Klubs verteilt“, sagt Pfeiffer.

          Schalke hat am meisten Schulden

          Kein Wunder, dass knapp die Hälfte der Befragten eine Steigerung der Einnahmen in der kommenden Saison erwartet und sogar 60 Prozent mit einem positiven Jahresergebnis nach Steuern rechnen. Die Kehrseite: Mit den teuren Stars steigen auch die Spielergehälter - bei den Vereinen der mit Abstand größte Kostenblock. Im Geld schwimmen die Klubs eh nicht, zumal immer noch eine Schuldenlast von 670 Millionen Euro auf ihnen lastet. Der FC Schalke 04, bei dem sich der russische Energieversorger Gasprom eingekauft hat, dürfte mit geschätzten Verbindlichkeiten von 200 Millionen Euro an der Spitze stehen. Und der Verweis auf das Ausland, wo zwar die Einnahmen viel höher sind, aber auch die Schulden um ein Mehrfaches das deutsche Niveau übersteigen, wo Vereine von Mäzenen erst gepäppelt und dann wieder fallengelassen werden, tröstet nicht.

          Wegen der gestiegenen Ausgaben können die Vereine schneller wieder in eine Krise geraten. So wie vor fünf Jahren, als die Kirch-Pleite und die damit ausgebliebenen Fernseh-Mehreinnahmen große Löcher in die Etats der Vereine gerissen haben. Seinerzeit konnten viele Klubs die Spielergehälter reduzieren. Jetzt wollen die Stars und ihre Berater vom wirtschaftlichen Aufschwung der Vereine profitieren. Seit der Kirch-Krise sind die Gehälter schon gestiegen: Zahlten die Klubs in der Saison nach Kirch nur 547 Millionen Euro, waren es in der Spielzeit 2005/06 schon wieder 578 Millionen Euro, Tendenz steigend. „Die Gefahr, in eine Schieflage zu geraten, ist heute größer“, sagt Ernst &YoungBerater Pfeiffer. „Allerdings ist auch das Bewusstsein der Manager dafür geschärft.“ Daher halten sich auch einige Vereine mit teuren Transfers zurück - wie die Frankfurter Eintracht.

          Spagat zwischen Risiko und Sicherheit

          Zu frisch sind die Erinnerungen an die Beinahe-Insolvenz von Borussia Dortmund. Der Revierklub ist im Herbst 2000 als erster und bislang einziger Verein an die Börse gegangen. Doch die Geschichte von der Borussia an der Börse entpuppte sich als ein einziges Missverständnis. Schnell war der Emissionserlös futsch und die BVB-Aktie abgestürzt. Laut der Umfrage von Ernst & Young können sich heute nur 10 Prozent der Manager eine derartige Finanzierungsform für ihren Klub vorstellen. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland hinterher: In Frankreich ist kürzlich der Meister Olympique Lyon an die Börse gegangen, und in England kaufen sich Investoren bereitwillig bei den börsennotierten Fußballunternehmen ein.

          Der frühere BVB-Manager Michael Meier hat die Lehre aus dem Börsengang gezogen: „Wir haben in der Erwartung der Champions League investiert, und der Spagat zwischen Risiko und Sicherheit ist nicht aufgegangen“, sagte er damals nach dem Absturz. Meier ist heute Manager beim 1. FC Köln, in der zweiten Liga. Für den Blick auf die Bayern braucht er ein Fernglas.

          Der 1. Spieltag im Überblick

          Stuttgart - Schalke 04 (Freitag, 20.30 Uhr)

          FC Bayern - Rostock
          Bayer 04 - FC Energie
          Bochum - Werder
          Hannover - HSV
          Frankfurt - Hertha BSC
          Wolfsburg - Arminia (alle Samstag, 15.30 Uhr)

          Nürnberg - Karlsruhe
          Dortmund - Duisburg (beide Sonntag, 17.00 Uhr)

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