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Fußball-Bundesliga : Das Duell der Superstürmer

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Passionierte Torjäger: der Dortmunder Lewandowski (links) und Leverkusens Kießling Bild: AP, dpa

Maloche gegen Finesse: Stefan Kießling und Robert Lewandowski sind die dominierenden Torjäger der Liga – ähnlich abgezockt, aber doch ganz verschieden. An diesem Sonntag (17.30 Uhr) treffen sie im Spitzenspiel zwischen Leverkusen und Dortmund aufeinander.

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          Leverkusen gegen Dortmund, Zweiter gegen Dritter, das Topspiel der Bundesliga an diesem Sonntag (17.30 Uhr live im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) könnte für Stefan Kießling zu einem besonderen Datum werden. 99 Tore hat der Leverkusener Torjäger bislang in der ersten Liga geschossen, die hundert würde er gern vollmachen. „Dass die Dortmunder eine richtig gute Mannschaft haben“, sagt er, „darüber brauchen wir nicht zu reden. Aber wir werden versuchen, sie zu ärgern und zu stoppen.“ Das Duell der beiden Champions-League-Kandidaten ist auch ein Duell ihrer Torjäger. Hier Kießling, der die Saisonrangliste mit 13 Treffern anführt, dort der Pole Robert Lewandowski, der bislang nur einen Treffer weniger erzielt hat. Zwei ruhige Vollstrecker, und doch zwei ganz verschiedene Typen.

          Kießling spielt bereits seine siebte Saison für Bayer Leverkusen. Nach dem 1.FC Nürnberg ist der Werksklub erst der zweite Profiverein des 29-Jährigen. Und womöglich wird es auch sein letzter bleiben. Nie daran gedacht, als gefeierter Torjäger den berühmten „nächsten Schritt“ zu machen hin zu einem Über-Verein? Solche Fragen lächelt Kießling weg. „Bayer ist ein Topverein“, sagt er. „Und ich bin ein Mensch, der sich wohlfühlen muss. Ich habe hier alles, was ich brauche, um gut Fußball zu spielen und meine Leistung zu bringen. Deshalb war es für mich nie ein Thema, woanders hinzugehen, deshalb habe ich die Angebote immer abgeblockt.“

          So etwas sagen viele Profis. Manche sagen es, obwohl es Angebote niemals gab, andere, weil es sich vor Ort bei den Fans gut macht, wenn man Vereinstreue demonstriert. Bei Kießling aber ist die Bodenständigkeit nicht gespielt. Während in der Bundesliga die Aufstiegsmöglichkeiten von einem Verein wie Leverkusen vergleichsweise überschaubar sind, wäre die Premier League ein lohnendes Ziel. Mit seinem direkten, laufintensiven Malocher-Stil, mit seiner Kopfballstärke und Abschlussqualität würde er bestens in den englischen Fußball passen, doch ins Ausland zu gehen, das kommt für den gebürtigen Franken schon mal gar nicht Frage. „Ich müsste vieles lernen“, sagt er, „andere Sprache, andere Kultur, ich müsste wieder bei Null anfangen, und das will ich nicht.“ Und das Geld, das woanders noch reichlicher fließt als in Leverkusen? „Das ist kein Argument. Ich habe alles, was ich brauche. Ich bin jetzt 29 und habe noch einen Vertrag bis 2015. Es ist für mich kein Thema, an einen anderen Verein zu denken.“

          Stefan Kießling: Bodenständiger Malocher mit zielstrebigem Torabschluss
          Stefan Kießling: Bodenständiger Malocher mit zielstrebigem Torabschluss : Bild: dpa

          Bescheidenheit auf hohem Niveau - man könnte das dem netten Herrn Kießling als eine Art Selbstgenügsamkeit auslegen, die man bisweilen auch der fußballspielenden Bayer-Belegschaft nachsagt. Ob man einfach zu wenig träumt in Leverkusen, zu früh zufrieden ist? „Ich träume schon“, sagt Kießling. „Natürlich möchte ich irgendwann einen Titel gewinnen. Und wir sind auf einem sehr guten Weg. Wir sind reifer und variabler geworden, wenn wir das in die nächste Saison mitnehmen, dann können wir auch mal über irgendwelche Titel sprechen.“ Das vergangene Jahr war das beste in Kießlings Karriere, 25 Tore hat er für Bayer geschossen, eine großartige Bilanz. Abwehrspieler stören, Passwege zustellen, Tore schießen, das sind die Fleißaufgaben, denen Kießling mit großem Einsatz nachgeht. Dass er kein filigraner Techniker wie Lewandowski ist, dass ihm auch mal ein Ball verspringt - geschenkt, davon lässt sich der 1,91 Meter lange Angreifer schon lange nicht mehr aus der Ruhe bringen.

          Er kommt an Klose und Gomez nicht vorbei

          Und das Thema Nationalmannschaft? Wie kann es sein, dass der treffsicherste deutsche Stürmer seit der WM 2010 nicht mehr in den Kader der Nationalmannschaft berufen wurde? Kießling wurde das in den vergangenen Wochen immer wieder gefragt, auch ob er nicht allmählich die Lust verliere, auf einen Anruf von Bundestrainer Löw zu warten. „Es ist ja nicht so, dass ich sagen würde, ich hätte keine Lust mehr auf die Nationalmannschaft“, sagt er. „Aber ich kann mit der Situation umgehen. Dass ich in den Länderspielpausen durchschnaufen konnte, hat mir gut getan. Ich haue jetzt nicht drauf und sage: ,Hey, warum bin ich nicht in der Nationalmannschaft?’, nur um da zehn Tage mitzufahren und dann doch nicht zum Einsatz zu kommen.“ Dass Kießling gern für Deutschland spielen würde, verschweigt er nicht, aber er sagt auch: „Ich muss das so akzeptieren. Der Bundestrainer hat mit Klose und Gomez zwei Weltklassestürmer und spielt mit einer Spitze. Was will er dann mit einer dritten? Ich kann das nachvollziehen und deshalb auch ganz gut damit umgehen.“

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