https://www.faz.net/-gtm-9u0ev

BVB spielt 3:3 gegen Leipzig : Ein Geschenk für den Fußballfan

  • -Aktualisiert am

Leipziger Stehaufmännchen: Schick feiert seinen Treffer zum 3:3-Endstand. Bild: AP

Borussia Dortmund und RB Leipzig trennen sich in einem furiosen Spitzenspiel voller Wendungen 3:3. Der BVB führt 2:0 zur Pause, schenkt die Führung her, erzielt das 3:2 und kann doch nicht gewinnen.

          3 Min.

          Für Menschen, die den Fußball lieben, war dieses Spiel wie eine Weihnachtsbescherung. Borussia Dortmund und nach dem Wechsel auch RB Leipzig machten aus dem Hit des 16. Bundesligaspieltags ein Festspiel mit allen dramaturgischen Zugaben, die diesen Sport so populär machen. Am Ende von neunzig packenden Minuten zwischen dem Dritten und Ersten der Tabelle trennten sich die beiden Teams 3:3, nachdem der BVB bei Halbzeit schon wie der Sieger nach den Treffern von Weigl (23. Minute) und Brandt (35.) angemutet hatte. Dann aber ermöglichten schwere Patzer der Dortmunder dem Spitzenreiter den raschen Ausgleich durch zwei Treffer von Werner (52./55.).

          Bundesliga

          Noch einmal brachte Sancho die Borussia in Führung, ehe Schick für RB nach einem weiteren Fehler der Dortmunder Defensive zum 3:3 ausglich (78.). Es war das letzte Tor dieses Spektakels, in dem beide Mannschaften ihren Spitzenanspruch sichtbar machten. Leipzig aber durfte sich dennoch wie ein kleiner Gewinner fühlen, da die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann ihren Vierpunktevorsprung vor den Borussen behielt.

          Beide Teams hatten vorher schon nach Kräften für sich geworben. Dortmund, nach labilen Wochen in der festgefahren anmutenden 4-2-3-1-Formation, im neuen 3-4-3-System mit zuletzt vier Pflichtspielsiegen nacheinander – Leipzig, mit 19 Punkten die auswärtsstärkste Mannschaft der Liga, mit sechs Bundesliga-Erfolgen in Serie. Es war alles angerichtet für das fünfzigste Bundesligaspiel von Trainer Lucien Favre in Diensten von Borussia Dortmund und für die erste Visite von Julian Nagelsmann als RB-Cheftrainer im größten deutschen Fußballstadion. „Es wird sicher brennen“, hatte BVB-Kapitän Marco Reus einen heißen Abend vorausgesagt. Er sollte recht behalten. Und so erwarteten 80.200 erwartungsfrohe Zuschauer im ausverkauften Dortmunder Stadion ein aufregendes und ausgeglichenes Spiel von zwei der spektakulärsten Mannschaften im deutschen Profifußball.

          Das folgte sodann. Aber zunächst nur von einer Mannschaft: Borussia Dortmund machte in den ersten 45 Minuten alles richtig, konzentrierte sich zunächst ohne einen Moment der Schwäche auf die Abwehrarbeit und schlug dann gegen die seltsam fahrigen und dem Druck, den eigenen Führungsanspruch geltend zu machen, offenbar nicht gewachsenen Leipziger zweimal zu. Nachdem sich der BVB zuvor schon deutliche Vorteile über die Außenpositionen verschafft hatte, wo Mukiele und vor allem Halstenberg die trickreichen Sprinter Sancho und Hazard nicht zu fassen bekamen, war es nach einigen von Torhüter Gulacsi vereitelten Geegenheiten endlich so weit. Nachdem Sancho nach einem Solo mit abschließendem unplazierten Schuss am Ungarn gescheitert war, traf Weigl im zweiten Anlauf. Jener defensive Mittelfeldspieler, der nur ganz selten ins Tor trifft. Diesmal tat er es zum ersten Mal in dieser Saison unter gütiger Mithilfe des bis dahin tadellosen Gulacsi. Der vom linken Strafraumeck geschossene, aufspringende Ball flog über den fallenden Torwart hinweg zum 1:0 ins Netz. Riesenjubel in der Arena für den verdienten Lohn nach einer bis dahin konsequent erstklassigen Leistung der Dortmunder. Zwölf Minute später folgte das 2:0 – ein Fußballkunstwerk von Julian Brandt, der sich mit einer ganzen Drehung, elegant wie ein Eiskunstläufer, um seinen stämmigen Gegenspieler Upamecano drehte und den Ball anschließend flach mit links ins rechte Eck beförderte.

          Gewonnen oder verloren? Unentschieden: BVB-Spieler Reus und Brandt nach dem irren Spitzenspiel.

          Leipzig? War auch da, aber so richtig erst in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, als zunächst Poulsen und danach der bis dahin nahezu unsichtbare Werner mit sehenswerten Kopfbällen im fabelhaften BVB-Schlussmann Roman Bürki ihren Meister fanden. Der Halbzeitstand von 2:0 spiegelte die Kräfteverhältnisse in Dortmund angemessen.

          Danach setzte strömender Regen ein, der den Dortmundern wie eine kalte Dusche vorkam. Die Leipziger, ermuntert ob ihres Schlussakkords in Halbzeit eins, bekamen ihre Chancen nun auf dem Silbertablett serviert. Erste Hilfe leistete ausgerechnet der zuletzt so zuverlässige Bürki, dem eine Kopfballabwehr derart missriet, dass Werner den Ball ins leere Tor schob. Das 1:2 verhieß nun doch eine heiße zweite Hälfte im Dortmunder Landregen. Borussia war gewarnt – zumal nach Halstenbergs Abseitstor (50.). Aber der BVB wankte gegen den frisch entfachten Sturm der Sachsen. Und dann stürzte die Borussia in die Verzweiflung, als Brandt ein Rückpass missriet und abermals Werner mit seinem 18. Saisontor der Nutznießer eines Blackouts war.

          Aus einem Spiel, das für den BVB fast schon gewonnen schien, war ein Höllenritt geworden, dessen Ausgang völlig offen war. Dortmund ließ sich in diesem furiosen Duell im beiderseits höchsten Tempo nicht unterkriegen in diesem packenden Spitzenspiel mit den unverhofften Wendungen. Sancho nutzte nach Vorarbeit von Reus seine Chance zum 3:2 und heizte aufs Neue die westfälische Hochstimmung an. Ihr verpasste Schick nach Guerreiros Stellungsfehler mit seinem Treffer zum 3:3 einen letzten Dämpfer. Dabei blieb es in diesem bedingungslosen Offensivschauspiel, das fast alles von dem zeigte, was die Bundesliga an ihren besten Tagen so attraktiv macht.

          Weitere Themen

          Tabellenführer Leipzig stolpert

          0:2 in Frankfurt : Tabellenführer Leipzig stolpert

          Ein Sieg wider die Gerechtigkeit: Die Frankfurter Eintracht besiegt das lange überlegene Team von RB Leipzig dank einer Leistungssteigerung in Halbzeit zwei. Touré ebnet den Weg. Und der Spitzenreiter stolpert.

          Topmeldungen

          Gelände getroffen: Die amerikanische Botschaft am Fluss von Tigris in Bagdad, Irak.

          Irak : Rakete trifft amerikanische Botschaft in Bagdad

          Es ist nicht der erste Raketenangriff auf amerikanische Ziele in Irak: Doch nun hat eine Rakete das Gelände der amerikanischen Botschaft in Bagdad direkt getroffen. Mindestens drei Menschen sollen verletzt worden sein.

          Tod einer Basketball-Legende : Kobe Bryant stirbt bei Hubschrauberabsturz

          Die Basketball trauert um einen seiner besten Spieler: Der frühere NBA-Superstar Kobe Bryant kommt bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben. Das bestätigt der Bürgermeister von Los Angeles. Auch eine Tochter Bryants ist unter den neun Opfern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.