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2:1 in Mainz : Bayern klaut das Weihnachtsgeschenk

Die Bayern gewinnen auch in Mainz – dank Arjen Robben, der in letzter Minute trifft Bild: Reuters

Der Mut wird nicht belohnt. Mainz 05 macht das beste Spiel der Saison, doch die Bayern gewinnen in der 90. Minute noch. Nach Sotos Führung hat erst Schweinsteiger seinen großen Auftritt, dann schießt Robben die Münchner zum Sieg und zu einem weiteren Rekord.

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          Kasper Hjulmand packte die Ausgangssituation vor dem Spiel seines FSV Mainz 05 gegen Bayern München in einen schöne Aussage: „Ich sehe schon Möglichkeiten gegen die Bayern. Aber der Weg von meinem Kopf in die Beine der Spieler ist sehr weit“, sagte der 42 Jahre alte dänische Trainer.

          Offenkundig war er vor dem 1:2 seiner tapferen Mainzer gegen den Rekordmeister in der Vorbereitung weit gekommen bei seinen Spielern. Denn die zuletzt so erfolglosen Mainzer rafften sich im letzten Hinrundenspiel zu einer bemerkenswerten Leistung auf, die beinahe mit einem Punktgewinn belohnt worden wäre. Arjen Robben erzielte erst  in der letzten Spielminute den Siegtreffer für die Bayern.

          Erst zum zweiten Mal in dieser Bundesligasaison wurden die Bayern zuvor in Mainz mit einem Rückstand konfrontiert: Elkin Soto brachte den Elften des Bundesliga-Rankings gegen den so dominanten Tabellenführer in der 21. Minute in Führung. Die Antwort des Herbstmeisters ließ freilich nicht lange auf sich warten: Bastian Schweinsteiger verwandelte in der 24. Minute einen Freistoß aus 22 Metern zum Ausgleich.

          Die Ausgangslage war vor dem Anpfiff vor 34.000 Zuschauern im ausverkauften Mainzer Stadion eigentlich eindeutig. Manager Christian Heidel sprach von einer Konstellation wie bei einem Pokalspiel zwischen einem Viertligaklub und einem Erstligateam – so weit beurteilt die Bundesliga-Konkurrenz mittlerweile den Abstand der Bayern zur Konkurrenz.

          Mainz 05 wartet seit dem achten Spieltag auf ein Erfolgserlebnis, rutschte in dieser Zeit in den Abstiegsstrudel ab, der Klub zeigte entsprechend in den vergangenen Wochen Zeichen größter Verunsicherung im Jahr eins nach dem Abschied von Erfolgstrainer Thomas Tuchel. Nicht zuletzt ein mahnender Appell Heidels diente zudem als Beleg dafür, dass auch Trainer Hjulmand nicht außerhalb jeder Kritik stand.

          Shinji Okazaki und die Mainzer kämpften stark, verloren aber doch Bilderstrecke

          Die Bayern reisten indes mit dem Selbstverständnis der Unbesiegbarkeit an, die dem Klub zumindest national anhaftet. Daran änderten auch die kurzfristigen Ausfälle von Lewandowski, Xabi Alonso und Benatia nichts, die das prominent besetzte Lazarett der Bayern zumindest kurzzeitig auf Mannschaftsgröße erweitern. Dennoch stand eine Weltauswahl aus fünf Weltmeistern und weiteren Weltklasseakteuren auf dem Feld.

          Dieses Starensemble ärgerten die Mainzer zwar tief stehend, aber im Ballbesitz mit einem couragierten und zielstrebigen Auftritt und somit einer ganz anderen Strategie als noch im Vorjahr unter Tuchel. Damals brachten die Rheinhessen mit einer wilden Balljagd in vorderster Front sogar Torhüter Manuel Neuer aus der Fassung und zwangen ihn zu planlosen Befreiungsschlägen.

          Am Freitagabend wären die Mainzer beinahe sehr früh für ihre unverhoffte Spielkultur belohnt worden: Der erstmals für die Startformation nominierte Pablo de Blasis köpfte eine Flanke von Daniel Brosinski nach nur vier Minuten aus vier Metern ein, stand dabei aber knapp im Abseits. Der Außenseiter, bei dem in der Innenverteidigung nach dem Ausfall der drei Stammkräfte Stefan Bell, Niko Bungert und Nikolce Noveski ein Notgespann aus Philipp Wollscheid und Gonzalo Jara spielen musste, schöpfte trotz der Aberkennung des Treffers Mut aus der Szene und kam in der 21. Minute verdient zum Führungstor.

          Elkin Soto düpierte dabei Nationaltorhüter Manuel Neuer nach Vorlage von Shinji Okazaki, indem er ihm den Ball nach Vorlage von Shinji Okazaki aus spitzem Winkel durch die Beine schoss. Der Ausgleichstreffer hatte freilich auch Stil: Nationalmannschaftskapitän Schweinsteiger schlenzte den Ball aus zentraler Position unhaltbar für den Mainzer Schlussmann Loris Karius in den linken Winkel. Die Mainzer hatten sich indes über die Freistoßentscheidung von Schiedsrichter Felix Zwayer geärgert, der den Ellbogeneinsatz von Jara gegen Thomas Müller für ahndungswürdig erachtete.

          Zu Beginn von Halbzeit zwei hatte der starke Mainzer Spielgestalter Yunus Malli nach einem Passvon Brosinski die große Chance zur neuerlichen Mainzer Führung. Der U21-Nationalspieler scheiterte jedoch an Neuer und vergab somit eine noch bessere Mainzer Ausgangsposition.

          Stattdessen kam es, wie es bei den Bayern so oft kommt: Das späte Siegtor war Folge der schwindenden Kräfte der aufopferungsvoll kämpfenden Mainzer. Der überragende Brosinski konnte Juan Bernat nicht mehr folgen, als dieser auf dem linken Flügel enteilte und Robben maßgerecht bediente. Der Niederländer ließ sich diese Chance aus fünf Metern nicht entgehen. „Es tut mir leid für die Mainzer, sie waren überragend heute“, sagte Robben. Und Torwart Neuer war glücklich: „Wir wollten aber das letzte Spiel positiv beenden. Das ist traumhaft.“

          Auch wenn Mainz 05 am Ende mit leeren Händen da stand, so brachte der Auftritt dennoch rechtzeitig vor Weihnachten die Versöhnung mit den zuletzt höchst unzufriedenen Fans. Die Leistung war zugleich im richtigen Moment ein Signal auch von Trainer Hjulmand, der sich somit Ruhe verschafft für die Wintervorbereitung. „Die Mannschaft hat sicher ein gutes Gefühl bekommen nach der guten Leistung“, sagte Hjulmand. „Aber es tut weh, dass wir keine Belohnung dafür bekommen haben.“

          Für die Bayern war es hingegen wie immer: Am Ende gewinnen sie eben dann doch fast jedes Spiel und stellen einen neuen Rekord auf. Auch wenn die derzeit auf 14 Punkte distanzierten Wolfsburger am Samstag gegen Köln gewinnen sollten, wäre der Abstand zwischen Herbstmeister und erstem Verfolger noch nie so groß wie in diesem Jahr. Anders gesagt: Bayern München ist de facto schon zu Weihnachten Meister.

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