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Heimerfolg gegen Stuttgart : Neues Wir-Gefühl in Leverkusen

  • -Aktualisiert am

Moussa Diaby (rechts) brachte Leverkusen gegen Stuttgart in Führung. Bild: picture alliance / Eibner-Pressefoto

Bayer Leverkusen kommt unter Trainer Xabi Alonso in Tritt. Doch drei Siege in Serie täuschen nicht darüber hinweg, dass die Werkself immer noch wenig Staunenswertes bietet.

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          Eins nach dem anderen, das ist der Weg, auf dem Bayer 04 Leverkusen wieder zurück nach oben kommen will. Ehe es in der BayArena wieder spektakulär wie über weite Strecken der vorigen Saison werden kann, arbeitet Xabi Alonso, seit dem 5. Oktober der neue Trainer der Werkself, an der Stabilisierung der Basistugenden im Fußball.

          Bundesliga

          Er selbst, als defensiver Mittelfeldspieler von Weltklubs wie dem FC Liverpool, Real Madrid und dem FC Bayern München der womöglich weltbeste Chefkontrolleur auf dem Fußballplatz, war in seiner neuen Rolle als Erstligatrainer in der Bundesliga am Samstag zum ersten Mal rundum zufrieden.

          „Wir waren stabil und hatten die Kontrolle über das Spiel, auch wenn wir nicht den besten Fußball gespielt haben“, bewertete der Spanier den Auftritt seiner Mannschaft beim grundsolide erarbeiteten 2:0-Sieg durch Tore von Moussa Diaby (30. Minute) und Jonathan Tah (82.) über den Tabellensechzehnten VfB Stuttgart, der im ganzen Kalenderjahr 2022 kein einziges Auswärtsspiel in der Liga gewonnen hat.

          Alonso, nach seinem Premierenerfolg beim 4:0 über den Ligaletzten Schalke 04 etwas zu messianisch gefeiert, hat inzwischen auch als Fußballlehrer erkennbar Fuß gefasst in der Bundesliga, die er als Spielerpersönlichkeit von vorneherein bereichern konnte.

          „Ich will ein bisschen mehr“

          Als Coach hängt sein Wohl und Wehe vor allem von seinen Spielern ab, die nach ein paar schwachen bis mäßigen Auftritten im Anschluss an die Premiere des 40 Jahre alten Basken seit einer Woche in Tritt zu kommen scheinen. Das 5:0 dank einer grandiosen zweiten Halbzeit über Union Berlin, der mit individueller Qualität und viel Glück erkämpfte 2:1-Erfolg beim rheinischen Nachbarn 1. FC Köln und nun der nie gefährdete 2:0-Sieg über den offensiv allzu harmlosen VfB haben die Leverkusener aus den Tiefen der Tabelle bis auf Mittelfeldplatz elf katapultiert.

          Das aber soll erst der Anfang einer Reise zurück nach oben gewesen sein. Wenn im Januar 2023 Teil zwei der Saison beginnt, will Bayer 04 auf die Plätze zurückkehren, die als Entrée für den internationalen Wettbewerb gelten. „Es ist nicht genug, ich will ein bisschen mehr“, formulierte Xabi Alonso seinen hohen Anspruch schon mal im Voraus.

          Wenn die rund zweimonatige Winterpause der Bundesliga vorbei ist, dürfte der als Profi nur an die besten Tabellenplätze gewöhnte Alonso auch wieder mit Florian Wirtz, dem von einem Kreuzbandriss genesenden Leverkusener Jungstar, und einem bis dahin womöglich wieder in Form gekommenen Mittelstürmer Patrik Schick rechnen, der derzeit wegen Adduktorenproblemen nicht mitspielen kann und nach 24 Toren in der Saison 2021/22 seit Monaten auf der Suche nach der verlorenen Treffsicherheit ist.

          Für die wenigen Momente zum Staunen fühlten sich am Samstag wie so oft in der jüngsten Leverkusener Vergangenheit der Franzose Moussa Diaby, der sein sechstes Ligator mit einem vom Stuttgarter Kapitän Waldemar Anton abgefälschten knackigen Schuss erzielte, und der erstmals, noch dazu rechtzeitig zur bevorstehenden Weltmeisterschaft in Qatar, ins niederländische Nationalteam berufene Jeremy Frimpong berufen, ein Dribbler und Tempobolzer par excellence. Die beiden Zauberer reihten sich dazu klaglos in das Leverkusener Arbeiterkollektiv ein, das den Schwaben trotz hochprozentigen Ballbesitzes den Weg zum eigenen Tor versperrte.

          Gut so, fand auch Simon Rolfes, der Sportvorstand von Bayer 04. „Heute war es wichtig, immer eine defensive Stabilität zu haben, da haben wir enorme Fortschritte gemacht.“ Wohin der Weg die Artisten und Arbeiter der zum Wir-Gefühl zurückgekehrten Leverkusener noch führen kann, ist schwer vorherzusagen, da zum über Jahre geformten Profil dieses Klubs immer auch ein starker Schuss Wankelmütigkeit gehört. Das Alonso-Projekt jedenfalls bleibt spannend und, so stellt sich der ambitionierte Trainer das vor, in einem Spannungsbogen zwischen höchster Disziplin und größter Freiheit des Handelns.

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