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Fußball-Bundesliga, 26. Spieltag : Trümmer einer Saison

Die Trümmer einer Saison: der mutmaßliche Absteiger Hertha BSC Berlin verliert gegen Nürnberg 1:2 - und einige vermeintliche „Anhänger” rasten völlig aus Bild: dpa

Ausrastende Berliner Hooligans überschatten den 26. Bundesliga-Spieltag. Leverkusen spielt sich in den Vordergrund. Von Hoffenheim ist nicht mehr viel zu sehen. Und am Ende gewinnen die Bayern. Das FAZ.NET-Spezial zum 26. Spieltag.

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          „Die Letzten werden die Ersten sein“ heißt ein an Matthäus angelehntes Sprichwort, welches den Unterprivilegierten Hoffnung geben soll. Es darf allerdings angenommen werden, dass die Berliner Hooligans ihr Neues Testament nicht gelernt hatten, als sie randalierend den Platz stürmten. Sie zerstörten dabei nicht nur die Inneneinrichtung des Olympiastadions, sondern auch jeglichen Glauben an die Selbstheilungskräfte der Fußballszene. Die Hauptstadt-Herthaner werden nach der unnötigen Niederlage gegen Nürnberg auf lange Sicht die Letzten bleiben - seine durchdrehenden Fans sind es schon jetzt.

          „Wenn Hockey einfach wäre, würde es Fußball heißen“, ist ein schöner Spruch, den sich die Hockey-Nationalspieler einst als T-Shirt drucken ließen. Da Hockey aber nur Hockey ist, obwohl es auch mit elf Mann auf einem grünen (Kunst)-Rasenplatz gespielt wird, rannten am Wochenende 377.838 Zuschauer in die neun Bundesliga-Arenen, während vom WM-Finale im fernen Indien nur mit Mühe bewegte Bilder im Internet zu finden waren.

          Wenn Hockey Fußball wäre, dann würden viele Deutsche Matthias Witthaus kennen. Der zweimalige Weltmeister und Olympiasieger verpasste in seine 314. Länderspiel gerade die Chance zur „Unsterblichkeit“: Er unterlag mit Deutschland in seinem dritten WM-Endspiel gegen Australien 1:2. Und da Fußball eben doch nicht Hockey ist, verblasst auch der Glanz der TSG Hoffenheim zunehmend, obwohl der ehemalige Hockey-Nationaltrainer Bernhard Peters als Sportdirektor der TSG Hoffenheim doch den Fußball revolutionieren wollte: das Sonntagsspiel gegen Bremen ging wie schon das Heimspiel gegen Mainz 05 in der vergangenen Woche mit einem mageren 0:1 verloren - in der Tabelle rangiert Hoffenheim nur noch auf Platz 11.

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          Von Skifahrern und Reviersportlern

          Zwar hat Garmisch-Partenkirchen keine große Fußball-Mannschaft, dafür aber einen Lokalhelden, der einst zusammen mit Bastian Schweinsteiger im Kader stand - auf Skiern. Während dieser Felix Neureuther die WM-Generalprobe am Gudiberg zu seiner persönlichen Gauditour nutzte und den Weltcup-Slalom gewann, musste jener Fußballstar am Samstag den Bemühungen seiner Bayern gegen Freiburg tatenlos zusehen - dem gelb-gesperrten Schweinsteiger hätte ein zünftiger Skitag unter der Zugspitze sicher besser gefallen als der mühsame 2:1-Sieg. Schön bleibt aber die Aussicht auf die Tabelle: die Bayern stehen auf ihrem Lieblingsplatz an der Ligaspitze.

          Sie lösten den FC Schalke 04 von der Pole-Position ab, von der der ewige Meister der Herzen seit Freitag Abend immerhin 22 Stunden lang grüßte. Auch die Dortmunder Borussia überzeugte, sie gewann im Ruhrderby beim ewigen Underdog aus Bochum 4:1 und schob sich am Hamburger SV vorbei auf Rang 4 der Tabelle: Merke, der Ruhrpott strebt mit Macht nach vorne.

          Von Rheinländern und Gesangssternchen

          Obwohl auch das Rheinland eine Fußball-Mannschaft im Elite-Kreis der Liga aufzubieten hat, ist der Pulsmesser jener Region nicht die Bundesliga-Tabelle, sondern die Kurvengeschwindigkeit eines Rennfahrers im Jungseniorenalter, besser bekannt als „der Kerpener“. Michael Schumacher beendet sein erstes Comeback-Rennen immerhin als Sechster, Bayer Leverkusen ist nach dem 4:2 gegen Hamburg dagegen Dritter, in Schlagdistanz zu Bayern und Schalke. Dagegen kassierte Borussia Mönchengladbach zu Hause gegen Wolfsburg eine herbe 0:4-Schlappe. Und der 1. FC Köln zeigte einen verkaterten Auftritt bei Mainz 05 und verlor das Karnevalvereinsduell gegen zehn Rheinhessen mit 0:1.

          Das zuletzt sehr schwache Selbstwertgefühl der Hannoveraner wurde dagegen von einer 18-Jährigen Schülerin entscheidend aufgewertet: Lena Meyer-Landrut bewies beim Wettsingen für den European Song Contest, dass eigener Stil und unerschütterliches Selbstbewusstsein fehlende Technik mehr als wett machen kann. Die Kleine von der Leine ist „unser Star für Oslo“. Sie setzte sich im Finale von „Jugend singt für Olympia“ gegen Jennifer Braun aus Eltville, einer Kleinstadt unweit von Frankfurt, durch. Frankfurt „zero points“ hieß es dann auch am Samstag nach dem 1:2 der hessischen Eintracht bei Hannover 96.

          Wo es übrigens hinführen würde, wenn Fußball wie Hockey wäre, zeigte das WM-Finale in Neu Delhi: Das entscheidende Tor für Australien resultierte aus einer Kurzen Ecke - auf die erst nach Videobeweis entschieden wurde. So viel schmerzhafte Gerechtigkeit ist dem Fußball aber nicht zuzumuten.

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