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Fußball-Aussteiger Tobias Rau : Die harte Reise ist vorbei

Womöglich aber mit konsequenterer Öffentlichkeitsarbeit? Sich über den Fußball hinaus zu produzieren, das sei nicht Raus Ding gewesen, erzählt Middendorp: „Da hat man ihm viel Gutes zukommen lassen, wenn man ihn mit Terminen dieser Art in Ruhe gelassen hat.“ Es gibt ein Foto von Rau aus seinen frühen Tagen bei den Bayern, da lehnt er mit nacktem Oberkörper an einer Wand. Seine Hände stecken im Bund der aufgeknöpften Jeans, die Unterhose lugt hervor. Es sieht nicht aus, als fühle er sich wohl. Aufgenommen hat es die „Bild“-Zeitung für die Serie „Boygroup Bundesliga: Die neuen, wilden Fußball-Kerle“. Darin erklärt Rau den Lesern, ein „guter Liebhaber“ zu sein, und antwortet auf die Frage nach seinen Idolen: „Jesus!“ Seine Aussagen, sagt Rau, seien damals „total verfälscht“ worden. Das Spiel mit und gegen die Medien wird er nicht vermissen. Schon gar nicht die Listen der „Transfer-Flops“ oder „Elf der Verlierer“, in denen sich sein Name fand, oder die gesucht originellen Schlagzeilen, die er noch alle aufsagen kann: „Rau im Karrierestau. Rau vor Super-GAU. Raue Zeiten für Rau.“

Als Raus Vertrag in Bielefeld ausläuft, ist er siebenundzwanzig. Er könnte sicher noch fünf Jahre weiterspielen, ein Zweitligaklub und ein griechischer Erstligaverein umwerben ihn, doch er will nicht „wieder ganz von vorn anfangen“. Während andere frühere Spieler in ein Loch fallen oder sich in obskuren Jobs wie Talentscout oder Techniktrainer verdingen, hat er ein Ziel vor Augen, und der Zeitpunkt scheint ideal, es zu erreichen: „Mit vierunddreißig wäre ich nicht mehr an die Uni gegangen.“ Drei Jahre Bachelorstudium, Sport und Pädagogik, liegen vor ihm, danach zwei Jahre Master, Chemie oder Biologie.

Kein Grund zur Trauer

Auf Youtube hat ein Fan ein Filmchen namens „Tribut an Tobias Rau“ ins Netz gestellt. Zu den elegischen Klängen des Songs „Hallelujah“ läuft eine Diashow mit Fotos aus Raus Fußballertagen. Es mutet an wie Nachruf, doch zur Trauer besteht kein Anlass. Als „Traumberuf“ hat Rau schon im ominösen „Bild“-Artikel Lehrer genannt, seinen Zivildienst hat er in einem Kinderkrankenhaus geleistet, er hat mit dem Nachwuchs im Fußballcamp gekickt. Sein älterer Bruder Sebastian studierte ebenfalls Sport auf Lehramt, musste aber nach einer Verletzung - es scheint in der Familie zu liegen - damit aufhören.

Und dann ist da noch Elsa, Tobias' Freundin, die im Februar an einer Bielefelder Grundschule eine Referendarstelle antritt. Seit er sich fürs Studentenleben entschieden habe, sei Tobias viel entspannter, sagt sie. Auch Rau ist erleichtert, den Erfolgsdruck los zu sein: „Sofort nach dem Aufwachen hat man das Gefühl, heute besser sein zu müssen als der Mitspieler. Das ist jetzt vorbei.“ Ein wenig hat man noch den Fußballer im Ohr, wenn Tobias Rau seine ersten Erfahrungen an der Uni „phantastisch“ nennt und sagt, dass er „total motiviert“ sei. Doch wenn man ihn durch die Flure der Universität schlendern und mit Kommilitonen plaudern sieht, dann gewinnt man den Eindruck, als kehrte Tobias Rau nach einer langen, aufregenden Reise in sein normales Leben zurück.

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