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Stuttgarts 3:3 gegen Freiburg : Fulminantes Remis im Ländle-Derby

  • -Aktualisiert am

Stuttgarts Mario Gomez (links) und Freiburgs Christian Günter im Kopfball-Duell Bild: EPA

Das Duell zwischen dem badischen Sportclub und dem schwäbischen Verein für Bewegungsspiele ist unerwartet abwechslungsreich. Ein Rückkehrer wird bejubelt, ein Stürmer trifft gleich doppelt gegen seinen Lieblingsgegner.

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          Es war ein hitziges Hin und Her in diesem baden-württembergischen Duell zwischen dem SC Freiburg und dem VfB Stuttgart, das in keiner Phase daran erinnerte, dass sich zwei bisher sieg- und punktlose Mannschaften am dritten Bundesliga-Spieltag duellierten. Sie taten es mit großer Spielfreude und Leidenschaft. Am Ende ging das spektakuläre Ländle-Derby 3:3 aus.

          Bundesliga

          Den Freiburgern gehörte der frühe erste Treffer durch Gondorf (1. Minute) und das letzte Tor des heißen Spiels durch Waldschmidt (81.). Gondorf glich für den SC dazwischen auf 2:2 aus (52.), nachdem erst Insua (44.) und dann Mario Gomez zweimal gegen seinen Lieblingsgegner getroffen hatte (48./56.). Beide Mannschaften müssen nach dem ersten Punktgewinn in dieser Spielzeit weiter auf ihren ersten Sieg warten, doch die Art und Weise, wie sich sowohl der Sportclub als auch der VfB um den vollen Erfolg bemühten, machte den Badenern wie den Schwaben frischen Mut.

          „Ich würde die Tore gerne für drei Punkte eintauschen“, sagte Gomez dennoch anschließend: „Wir haben zwei Punkte verloren. Wir waren drauf und dran, das vierte Tor zu schießen. Natürlich ärgert man sich deshalb über das Resultat.“ Von seinem Trainer Korkut bekam er ein Lob: „Mario kommt langsam in Fahrt. Das hat sich schon in der letzten Woche angedeutet. So kann es weitergehen.“ Freiburgs Torschütze Waldschmidt immerhin war zufrieden: „Sechs Tore – für die Zuschauer war es sicher spaßig. Es war ein wildes Spiel.“

          Im Blickpunkt der Freiburger Zuneigung stand am Sonntag der nach einem Bandscheibenvorfall und zwei Bundesligaspielen ohne ihn an seinen Arbeitsplatz Stadion zurückgekehrte Trainer Christian Streich. Ihm galt von vornherein der herzlichste Beifall an diesem frühen Abend. Auf Stuttgarter Seite bestritt Mittelstürmer Mario Gomez sein dreihundertstes Bundesligaspiel. Gegen seinen Lieblingsgegner, den er mit zehn Treffern in elf Begegnungen schon oft geärgert hat. So auch am Sonntag, als er auf zwölf Tore in zwölf Spielen gegen Freiburg erhöhte.

          Das Derby der Zukurzgekommenen begann mit einem Knalleffekt. Noch nicht einmal eine Minute war gespielt, da schnappte sich Niederlechner nach Ascacibars Ballverlust den Ball, trieb ihn durchs Mittelfeld, passte zu Frantz, in dessen Flanke Gondorf hechtete. Der Rest war Freiburger Jubel schon nach 54 Sekunden. Der VfB brauchte danach Zeit, sich zu sammeln und die weit vorn aufgebaute Pressinglinie des SC zu überspielen. Lange blieben die Freiburger mit ihrer größeren Aggressivität und Leidenschaft gegen die ballsicheren Stuttgarter im Vorteil. Korkuts Mannschaft versuchte ihr Glück zu oft mit langen Bällen auf Gomez und dessen Angriffspartner Gonzalez.

          Und so schien es vor dem Wechsel eher so, als könnten die Freiburger ihren Vorsprung ausbauen als selbst in Gefahr zu geraten. Petersen vor allem, der von einem schweren Patzer des französischen Weltmeisters Pavard profitierte, hätte die Führung auf 2:0 erhöhen müssen (36.), doch den nicht hoch genug angesetzten Heber des Nationalspielers konnte Zieler einigermaßen mühelos parieren. Auf der anderen Seite rettete Stenzel nach einem zu kurz geratenen Freiburger Rückpass im letzten Moment vor dem durchgestarteten Gomez (32.).

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          Stuttgarts 3:3 gegen Freiburg : Bilder zum Spiel

          Die Mühen des VfB wurden, und das war der zweite Knalleffekt des Spiels, kurz vor dem Halbzeitpfiff belohnt, als der argentinische Linksverteidiger Insua am Strafraumeck einen Eckball seines Kollegen Castro unvermittelt zu einem Diagonalschuss ins rechte obere Toreck nutzte. Das 1:1 zur Pause war etwas glücklich für den VfB, der aber schon in den Minuten davor den Druck aufs Freiburger Tor verstärkt hatte. Die Stuttgarter hatten Lunte gerochen, so dass der tendenziell eher zur Vorsicht neigende Korkut in der zweiten Hälfte den Ballverteiler Castro durch den Draufgänger Akolo ersetzte, der als zweite Spitze Mario Gomez entlasten sollte. Dafür rückte der zuvor im Sturmzentrum eher unauffällige Gonzalez ein paar Schritte zurück auf die rechte Mittelfeldseite.

          Und siehe da: Korkuts Schachzug ging ruckzuck auf. Diesmal waren die Freiburger zu Beginn des zweiten Spielabschnitts unsortiert, als Gentners weite Flanke bei Gonzalez landete, der den Ball an Gomez weiterleitete. Dessen ersten Schuss konnte Schwolow noch abwehren, den Nachschuss aber nicht mehr. Einmal kurz schütteln, und der Sportclub fand die passende Antwort mit Gondorfs zweitem Tor des Tages, einem Freistoß aus 18 Metern ins linke Eck. Das wiederum ließ Gomez nicht ruhen, der auf den Geschmack des Torjägers gekommen war und mit einem plazierten Kopfball auf 3:2 erhöhte.

          An Action fehlte es nicht während dieser acht torreichen Minuten im mit 24.000 Zuschauern ausverkauften Schwarzwaldstadion. Das Derby der Aufgewachten war auf dem Siedepunkt seiner Dramaturgie angekommen. Für die Schlusspointe in diesem atemraubenden Duell sorgte der eingewechselte Waldschmidt mit seinem trockenen Schuss zum 3:3. Danach drängte noch einmal Stuttgart auf den Sieg, ehe beide Fanlager ihre Mannschaften ausgiebig feiern konnten. Sie hatten sich den Applaus redlich verdient.

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