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0:3 gegen Leipzig : Für Hannover läuft es weiter nicht so doll

Schwere Mission: Thomas Doll hadert mit dem Linienrichter und wohl auch der Leistung seines neuen Teams. Bild: dpa

Hannover 96 verliert auch das erste Spiel unter Leitung von Thomas Doll. Gegen Leipzig wirken die Niedersachsen gefestigt, aber harmlos. RB gewinnt hochverdient.

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Die sogenannte Coaching-Zone reichte für ihn kaum aus. Dieser markierte Bereich an der Außenlinie, von dem aus Fußballtrainer Einfluss auf das Spiel nehmen dürfen, muss Thomas Doll wie ein viel zu knapp bemessener Käfig vorgekommen sein. Nach mehr als zehn Jahren abseits der Bundesliga war nicht zu übersehen, wie sehr sich dieser Chefcoach über seine Rückkehr freut und wie groß sein Bewegungsdrang ist. Er versprüht seit fünf Tagen möglichst viele Hoffnungsfünkchen. „Die Qualität ist da“, sagte Doll über seinen neuen Verein.

          Trotzdem gelang ihm mit Hannover 96 im Heimspiel gegen RB Leipzig nicht das erhoffte Aufbäumen. 0:3 hieß es nach einer Partie, in der Qualitätsunterschiede sichtbar wurden, und in der Tore von Marcel Halstenberg, der in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit per Foulelfmeter traf, sowie Willi Orban, der in der 64. und 85. Minute per Kopf zur Stelle war, den Ausschlag für die Sachsen gaben. Sie verdarben das Debüt von Doll. "Wir haben eine gewisse Unsicherheit und Müdigkeit gespürt. Bei dem ein oder anderen muss auch am Fitnesslevel gearbeitet werden. Bundesliga  muss man anders gestalten“, sagte Doll nach 90 desillusionierenden Minuten. „Leipzig spielt in einer anderen Liga als wir. Aber heute hat wenig ausgereicht, um uns zu schlagen. Wir müssen bis zum nächsten Spiel gegen Nürnberg die Köpfe wieder frei bekommen." Der frühere Profi kündigte eine intensive Trainingswoche für seine Spieler an.

          Bundesliga

          "Wir waren zu körperlos, dann ist es schwer, ein gutes Spiel zu machen. Wir müssen jetzt die Köpfe wieder schnell frei kriegen. Jetzt zählt es gegen Nürnberg", sagte Hannovers Torwart Michael Esser nach dem Abpfiff bei Eurosport. "Das ist mein erster Doppelpack in der Liga, das ist ein überragendes Gefühl", sagte anschließend Orban, der deutlich bessere Laune als Esser hatte.

          Spielerische Vorteile für Leipzig

          Sechs neue Profis in der Anfangself, frischer Wind im Kabinengang: Trotz des nächsten Rückschlags im Kampf gegen den Abstieg war zu erkennen, dass Doll in Hannover durchaus etwas bewegen kann. Im Alter von 52 Jahren gehört der ehemalige Nationalspieler nicht mehr zur jüngeren Generation von Trainern. Sein Ansatz dürfte mehr von der Motivation der Spieler als spieltaktischen Wunderdingen geprägt sein. Rechtsverteidiger Julian Korb sowie Walace und Pirmin Schwegler im Mittelfeld wirkten von Doll wie angestachelt. Mit Elan und Einsatz gelang es lange Zeit, die spielerischen Vorteile der favorisierten Leipziger auszugleichen.

          Aber mit zunehmender Spieldauer änderte sich das. Matheus Cunha, für den erkälteten Nationalspieler Timo Werner aufgeboten, hatte den Ball in der 19. Minute an die Latte geköpft. Die Führung durch Halstenberg war dann die Folge eines Foulspiels von Kevin Akpoguma an Cunha kurz vor der Halbzeitpause.

          Hannoversches Aufblühen zu erkennen

          Für die Spieler und Verantwortlichen aus Leipzig muss das eine merkwürdige Dienstreise gewesen sein. Selten gab es so viel Unklarheit darüber, was an einem bitterkalten Freitagabend in Hannover nach einem Trainerwechsel zu erwarten sein könnte. Aber die Überraschungen hielten sich in Grenzen. Ein paar Meter neben dem ständig gestikulierenden Doll stand dessen Leipziger Kollege Ralf Rangnick. Er wirkte im Duell mit einem Verein, der ihn vor 15 Jahren selbst noch als Cheftrainer beschäftigt hatte, erstaunlich gelassen. Bestimmt hatte er wie die Mehrheit der rund 32.400 Zuschauer bei einem klaren Blick auf die Partie gemerkt, dass hier keine echte Gefahr für die Leipziger im Anflug sein sollte.

          Im ersten Spiel nach dem Trainerwechsel von André Breitenreiter zu Doll war ein hannoversches Aufblühen zu erkennen, aber keine Leistungssteigerung im Grenzbereich zu einem denkbaren Heimsieg. Dazu spielte Hannover 96 insgesamt zu harmlos und war auf nahezu allen Positionen schlechter besetzt. Lediglich Torhüter Michael Esser beeindruckte – auch wenn er beim 0:2 durch Orban etwas unglücklich agierte.

          Am Ende war die Hoffnung in Hannover, dass es gegen Leipzig etwas Zählbares geben könnte, doch etwas vermessen. Das RB-Team spielte souverän auf und ließ sich vom allgemeinen Tamtam um Doll nicht aus der Ruhe bringen. Andererseits wird allen Spielern von Hannover 96 klar sein, welche Partie wirklich gewonnen werden muss. Am kommenden Samstag empfängt der Tabellenvorletzte aus Niedersachsen mit dem 1. FC Nürnberg den aktuellen Tabellenletzten.

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