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0:0 in Nürnberg : Für den BVB wird es ungemütlich

  • -Aktualisiert am

Unter Beschuss: BVB-Spieler Jadon Sancho ist Opfer der Proteste von Nürnberger Fans gegen Montagsspiele. Bild: Reuters

Das Tabellenschlusslicht trotzt dem Tabellenführer ein torloses Unentschieden ab. Borussia Dortmund hat nach dem nächsten Rückschlag nur noch drei Punkte Vorsprung auf Bayern München. „Club“-Schlussmann Christian Mathenia hält überragend.

          Das Hinspiel gegen den 1. FC Nürnberg hatte Borussia Dortmund noch 7:0 gewonnen. Das waren noch herrliche Zeiten für den Tabellenführer der Fußball-Bundesliga, dessen Vorsprung vor dem FC Bayern München immer weiter schmilzt. Nach dem 0:0 beim Tabellenletzten am Montagabend besitzt der BVB nur noch ein Guthaben von drei Punkten gegenüber den Jägern von der Säbener Straße.

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Der Titelverteidiger ist am 22. Spieltag auf Sichtweite herangerückt. Zweifellos ein alarmierendes Zeichen für die Westfalen, die es gegen die clever verteidigenden Franken nicht schafften, wenigstens mit einem Treffer den entscheidenden Unterschied zu markieren. Am Sonntag steht den derzeit kriselnden Borussen eine weitere Nervenprobe gegen den aufstrebenden Tabellenfünften Bayer 04 Leverkusen im heimischen Stadion bevor.

          "Alle Spiele sind ohne Ausnahme schwer. Wir sind enttäuscht vom Ergebnis, haben aber nicht schlecht gespielt. Wir hatten genug Torchancen, haben aber leider das 1:0 nicht gemacht. Wir sollten ein paar Sachen verbessern, aber das gehört dazu", sagte BVB-Trainer Lucien Favre, sichtlich um Normalität bemüht bei Eurosport. Torwart Roman Bürki wurde derweil deutlicher: „Uns fehlt im Moment die Durchschlagskraft. Da müssen wir irgendwie eine Lösung finden."

          Erfolg für Interimslösung

          Beim BVB wie auch dem „Club“ war zuletzt einiges in Unordnung geraten. Die Dortmunder waren nach zuletzt vier sieglosen Spielen, davon drei mit jeweils drei Gegentoren, im Zugzwang, mal wieder gewinnen zu müssen. Die Nürnberger hatten sich in der vorigen Woche nach fünfzehn sieglosen Spielen von ihrem Trainer Michael  Köllner und ihrem Sportvorstand Andreas Bornemann getrennt und dafür als Interimslösung für die Verantwortung an der Seitenauslinie Köllners  Assistenztrainer Boris Schommers und die „Club“-Legende Marek Mintal gefunden.

          Die Franken wollten fast alles besser machen als zuvor, der BVB sah sich spätestens nach der 0:3-Klatsche am vergangenen Mittwoch bei Tottenham Hotspur im Achtelfinalhinspiel der Champions League in der Pflicht, defensiv stabiler und weniger fehlerhaft als zuletzt aufzutreten. Ein Handikap war von  vornherein nicht zu leugnen: Der Borussia fehlten in Kapitän Reus, den  Abwehrkräften Piszczek und Akanji sowie dem Außenstürmer Pulisic vier verletzte Stammspieler.

          Immer wieder Endstation: Nürnbergs Torwart Christian Mathenia bringt den BVB und vor allem Mario Götze zur Verzweiflung. Bilderstrecke

          Die auf dem Platz standen, waren auch so dominant genug, um daraus bei etwas mehr Kaltblütigkeit Kapital schlagen zu können. Doch Umstandskrämerei und ein sehr guter Torwart Christian Mathenia bei drei Schüssen und einem Kopfball von Götze verhinderten den Dortmunder Führungstreffer vor der Pause. Auf der anderen Seite musste der Dortmunder Schlussmann Bürki bei den sporadischen Gegenattacken des bravourös kämpfenden FCN nach Behrens' Kopfball und Pereiras Schuss zwei Proben seiner Extraklasse abliefern.

          „Das hat niemand in Fußball-Deutschland erwartet. Es macht mich umso stolzer, dass sich die Mannschaft heute belohnt hat“, sagte Mathenia nach dem Spiel bei Eurosport. „Nun steht nächste Woche ein wichtiges Spiel gegen Düsseldorf an.“

          Proteste gegen Montagsspiel

          Eine unrühmliche Hauptrolle spielten die Nürnberger Ultras, die das zum „Black Monday“ umgewidmete Spiel mehrmals mit dem Werfen von schwarzen Tennisbällen und von Rauchtöpfen unterbrachen. Für diese Störenfriede wird der „Club“ vom Deutschen Fußball-Bund demnächst mit großer Wahrscheinlichkeit in Regress genommen werden.

          Wie die Mauerspechte versuchten die Schwarz-Gelben auch nach der Pause, das Loch in der Nürnberger Mauer frei zu klopfen. Es gelang ihnen in den ersten knapp zwanzig Minuten nicht, weil Götze weiter an Mathenia scheiterte und der  „Club“ seine Reihen fest geschlossen hielt. Dortmund versuchte, mit Alcácer für  Philipp (63.) den Lucky Punch zu landen, doch auch der spanische Mittelstürmer jagte den furchtlosen Franken keinen Schreck ein.

          So verrann die Zeit in diesem zähen Abnutzungskampf und Geduldsspiel, ohne  dass der entscheidende Moment nahte. Am Ende feierte Nürnberg den Punktgewinn, während Dortmund zwei weitere Punkte verloren hatte. „Die Mannschaft hat es heute sehr gut gemacht“, sagte Nürnbergs Interimstrainer Schommers. „Wir haben heute schließlich gegen den aktuellen Tabellenführer gespielt, der sehr gut besetzt ist. Unser Ziel war es, über 90 Minuten ein gutes, geordnetes Spiel zu machen. Das ist der Mannschaft mit Kampf und Leidenschaft gut gelungen. Das muss die Maßgabe für die kommenden Wochen sein."

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