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René Adler im Gespräch : „Ich brauche die Challenge, ich will mich messen“

Nach Stationen in Leverkusen und Hamburg ist René Adler (rechts, mit Bayerns Thomas Müller) nun in Mainz angekommen. Bild: AFP

Der Mainzer Torhüter René Adler über Verletzungen, das Nationalteam, sein Faible für Handschuhe und Kunst, über Golfen – und darüber, wie ein Fußballprofi sein Geld anlegen sollte.

          Herr Adler, hätten Sie gern einen anderen Körper?

          Nein, ich bin schon ziemlich zufrieden, wenn ich in den Spiegel schaue. Es hätte mich deutlich schlechter treffen können.

          Derzeit fehlen Sie wieder wegen einer Verletzung und verpassen auch den Rückrundenauftakt in der Bundesliga mit Ihrem Klub Mainz 05. Im Laufe Ihrer Karriere sind sie bisher rund 700 Tage, beinahe 100 Wochen, ausgefallen.

          Das ist ein falscher Ansatz. Ich kann doch nicht immer nur schauen, was fehlt im Leben, das stellt einen dann ja niemals zufrieden. Haben Sie denn auch mal ausgerechnet, wie lange ich glücklich Fußball gespielt habe?

          Das können wir ja nicht beurteilen.

          Ich war eigentlich immer glücklich. Gut, beim HSV war es manchmal schwierig, aber auch dort war ich glücklich. Ich bin jetzt seit meinem siebzehnten Lebensjahr Profi, habe durch den Sport unheimlich viele Privilegien erfahren dürfen. Ich habe gutes Geld verdient, viele Länder bereist, tolle Menschen kennengelernt, denen ich sonst vielleicht nie begegnet wäre. Ich will jetzt nicht gesellschaftskritisch werden, aber mir fällt schon auf, dass viele Dinge oft viel zu negativ bewertet werden. Natürlich war ich öfter als manch anderer verletzt, aber nichts davon war lebensgefährdend. Das sollte man also immer in die richtige Relation rücken. Ich lebe hier noch immer den Traum vieler Jungs, und das macht mich jeden Tag unheimlich dankbar.

          Hat sich der Umgang mit Verletzungen verändert?

          Definitiv, da bin ich deutlich entspannter geworden. Im Fußball geht es logischerweise um Leistung, und wenn du die gerade nicht bringen kannst, weil du verletzt bist, dann übernimmt ein anderer deinen Platz. Ich finde das normal und auch gut so, schließlich bewegen wir uns im Leistungssport. Es gibt viel Geld zu verdienen, deshalb werden auch die Ellbogen ausgefahren, wenn einer mal eine Schwäche zeigt. Das ist kein Überlebenskampf, dafür geht es uns zu gut, aber es ist ein ständiges Behaupten. Da beißt man eben auf die Zähne. Ich habe manchmal mit Verletzungen gespielt und dann Schmerzmittel genommen, um meinen Platz nicht herzugeben. Natürlich alles noch im gesundheitlich vertretbaren Rahmen. Das würde ich jetzt vielleicht nicht mehr in der Form machen, aber es ist meines Erachtens auch logisch, dass man seinen Platz nicht kampflos aufgeben will.

          Adler mit seiner Frau Lilli 2016 in Hamburg.

          Fällt Ihnen das in Mainz leichter als in Hamburg?

          Ja, hier wird einem mehr Raum gelassen, was ich als sehr angenehm empfinde. In Hamburg hätten die Medien jetzt schon wieder hinterfragt, ob ich jemals wieder in der alten Form ins Tor zurückkommen werde. Hier bin ich verletzt und kann in relativer Ruhe daran arbeiten, wieder gesund zu werden – und stehe dann wieder auf dem Platz. Aber das liegt sicher auch daran, dass ich hier weniger im medialen Fokus stehe.

          Sie zählen nicht mehr zum Kreis der Nationalmannschaft. Haben Sie eine Rückkehr innerlich abgeschrieben?

          Ja, denn wir haben in Deutschland richtig viele gute Jungs im Tor. Aber es gibt auch nur wenige Spieler, die aktiv sagen, dass sie aus der Nationalmannschaft zurücktreten – das werde ich auch nicht machen. Der Fußball schreibt die tollsten und verrücktesten Geschichten, deshalb würde ich das Thema nie abschreiben. Aber generell mache ich mir da nur wenige Hoffnungen.

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