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FSV Mainz 05 : Die Streitsache Kaluza

  • -Aktualisiert am

Gedrückte Stimmung: Der umstrittene Mainzer Präsident Johannes Kaluza bietet Neuwahlen an. Bild: dpa

Kritik am Präsidenten von Mainz 05 wächst, er selbst bietet nun an den Weg zu Neuwahlen frei zu machen. Dass er sich dabei noch einmal zur Wahl stellt, ist nicht ausgeschlossen.

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          Nur gut, dass der Kurznachrichtendienst Twitter gerade die Zahl der zulässigen Zeichen erhöht hat. Mit den bisher 140 Buchstaben wäre Johannes Kaluza am Sonntagmittag nicht ausgekommen, als er über den Verein einen überraschenden Tweet absetzte: „Ich stehe bereit, den Weg zu Neuwahlen zu ermöglichen und werde entsprechende Gespräche aufnehmen. Damit gewinnt der Verein Zeit, die Ereignisse der vergangenen Tage aufzuarbeiten.“

          Der erst im Juni gewählte Vereins- und Vorstandsvorsitzende des FSV Mainz 05 reagierte damit auf einen in der Nacht zum Sonntag veröffentlichen Artikel des „Kicker“, der ihn am Morgen wie ein Faustschlag mitten ins Gesicht erwischt haben dürfte. Unter der Überschrift „Aufstand in Mainz: Präsident soll zurücktreten“ war dort zu lesen, Sportvorstand Rouven Schröder und die vier Geschäftsführer Dag Heydecker, Christopher Blümlein, Tobias Sparwasser und Michael Kammerer seien nicht länger bereit, mit Kaluza zusammenzuarbeiten und hätten ihn zum Rücktritt aufgefordert. Dem 63-Jährigen fehle die Führungskompetenz, er ignoriere alle Ratschläge, sich mit unbedachten Aussagen in der Öffentlichkeit zurückzuhalten und habe zudem nicht nur die Führungsetage, sondern auch nahezu alle Mitarbeiter gegen sich aufgebracht.

          Öffentlich kommentieren mochte diesen Bericht niemand. „Es kann immer wieder Themen geben, die man kontrovers diskutiert, bei denen man nicht einer Meinung ist. Aber interne Dinge werden generell intern behandelt“, sagte Rouven Schröder lediglich. „Das gilt für Kaderplanungen genauso wie für andere Themen.“ Mit dem Kaluza-Tweet kam wenige Stunden später eine neue Dynamik in die Angelegenheit – Stellung beziehen wollte dazu allerdings immer noch niemand. Auch Kaluza selbst sah davon ab, seine Botschaft, die der Verein wenig später wortgleich als Presseerklärung verschickte, näher zu erläutern.

          In die öffentliche Kritik geraten war Kaluza bei der jüngsten Mitgliederversammlung vor drei Wochen, als er darüber sprach, wie eine „angemessenen Aufwandsentschädigung“ des ehrenamtlichen Vorsitzenden aussehen könnte; unter anderem war die Rede von Dienstwagen und Verdienstausfall. Bei den Mitgliedern sorgte dies für Unmut, schließlich war Kaluza keine vier Monate zuvor mit der Aussage in die Wahl gegangen, keine finanziellen Interessen zu verfolgen. Der Inhaber eines marktführenden Essig-Unternehmens hatte seinerzeit durchblicken lassen, das Ehrenamt ohne finanzielle Gegenleistung ausüben zu wollen.

          Seine aktuellen Einlassungen zu diesem Thema standen dazu freilich in keinem Widerspruch: Kaluza zitierte lediglich, was ihm der Vereinsjurist als in solchen Fällen übliche Aufwandsentschädigung aufgelistet hatte. Von ihm selbst war keine Summe zu hören, er beklagte sich auch nicht, als der Aufsichtsrat ihm vorige Woche eine pauschale Entschädigung in Höhe von 3000 Euro ohne zusätzliche Spesen anbot. Zum Vergleich: Der frühere Präsident Harald Strutz erhielt monatlich 9000 Euro Aufwandsentschädigung, 14.000 Euro für einen mit wenig Leben erfüllten Vertrag als juristischer Berater des Klubs und obendrauf die Spesen, beispielsweise für Hotelübernachtungen bei Auswärtsspielen der Mannschaft.

          Kaluza regte vor drei Wochen an, die Vergütung des Vorsitzendenamtes neu und verbindlich zu regeln. Das klang, als habe er seine Wahlaussagen vergessen, tatsächlich aber sprach er von „der Zeit nach mir“. Einige Tage später räumte er ein, eine notwendige Diskussion zur Unzeit angestoßen zu haben. Gut vorstellbar, dass er dieses Thema noch abarbeiten will, bevor er den Weg für Neuwahlen freimachen wird. Und nicht ausgeschlossen, dass er sich selbst anschließend noch einmal zur Wahl stellen wird.

          Denn, auch das hatte er in den vergangenen Wochen durchblicken lassen, die Zusammenarbeit mit Sportvorstand Rouven Schröder funktioniere gut, sein Verhältnis zu den vier Geschäftsführern sei ebenfalls gut. Das steht zwar im völligen Widerspruch zur offenbar korrekten „Kicker“-Meldung, die vier Geschäftsführer wünschen sich Kaluzas Rücktritt – aber hört man sich innerhalb des Vereins um, fallen auch schon mal Sätze, wie: „Hans Kaluza hat eine eigene Wahrnehmung.“ Der Vorsitzende verärgere mit seiner pauschalen Kritik an der Kommerzialisierung des Fußballs aktuelle und potentielle Sponsoren. Mit seiner Beratungsresistenz mache er ein vernünftiges Miteinander auf der Führungsebene unmöglich. Und einer sagt: „Wir müssen aufpassen, dass Rouven Schröder nicht abhaut, weil ihm das Theater mit Kaluza auf die Nerven geht.“

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