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Auswärtssieg in Köln : Mainzer Selbstkritik

  • -Aktualisiert am

„Wir hatten nicht immer dieselbe Idee, was wir wann machen müssen“: Bo Svensson Bild: Reuters

Der FSV macht einen weiteren Schritt hin zum Klassenverbleib. Daher sind Trainer und Spieler nach dem Auswärtssieg in Köln glücklich, aber nicht zufrieden. Und nun wartet schon wieder ein Kellerduell.

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          Die Bilder, die am Sonntagabend aus dem Müngersdorfer Stadion übertragen wurden, zeigten, dass auch im knallharten Fußballgeschäft Raum für Empathie ist. Da sprach der Mainzer Mannschaftskapitän Moussa Niakhaté dem deprimiert am Torpfosten kauernden Kölner Torwart Timo Horn Trost zu, und 05-Verteidiger Danny da Costa nahm für längere Zeit neben dem vor einer Werbebande sitzenden FC-Kapitän Jonas Hector Platz.

          Bundesliga

          „Bei all unserer Freude ist es wichtig zu respektieren, dass auf der anderen Seite ein sehr enttäuschter Gegner steht, dem man Mitgefühl entgegenbringen muss“, sagte Bo Svensson am Montagnachmittag. „Fußball ist brutal, Köln hatte es sicher nicht verdient, das Spiel zu verlieren, und die Spieler haben nach dem Abpfiff wohl auch gewusst, dass sie ihren Trainer verlieren werden.“ Die Sozialkompetenz, die seine Akteure demonstrierten, ist für den Mainzer Coach ein Faktor, auf den er Wert im Umgang miteinander legt. „Es ist wichtig, wie wir spielen, aber auch, wie wir uns davor und danach verhalten. Da geht es um mehr als Fußball.“

          Was das Sportliche in dieser Partie des 28. Bundesliga-Spieltags anging, gab es aus Sicht des Dänen im Prinzip nur zwei positive Aspekte: den 3:2-Sieg im Duell zweier abstiegsgefährdeter Klubs – und die Mentalität, dank der seine Mannschaft das Spiel nach dem 1:2-Rückstand nach gut einer Stunde umgebogen hatte. Die Leistung jedoch betrachtete Svensson am Tag danach und nach der Analyse im Trainerteam nicht minder kritisch als unmittelbar nach Spielschluss: „So schlecht wie am Sonntag habe ich uns lange nicht gesehen.“

          „Wer hat welche Aufgabe?“

          Wie umfangreich die Mängelliste in gruppentaktischer und individueller Hinsicht war, verdeutlichte der Hinweis darauf, bei der vormittäglichen Zusammenkunft mit der Mannschaft nicht alle Punkte angesprochen zu haben, sondern sie über die nächsten Tage zu verteilen – „sonst hätte ich es nicht rechtzeitig in die Pressekonferenz geschafft“. Ein kurzer Auszug: Im Anlaufen hätten die Spieler ihre Positionsaufgaben nicht erfüllt, die Abstände waren zu groß, dadurch fehlte die Ordnung gegen und nach den seltenen Eroberungen auch mit dem Ball.

          „Wir hatten nicht immer dieselbe Idee, was wir wann machen müssen“, monierte der Däne. „Wann pressen wir, wenn die Kölner flach spielen? Wer hat welche Aufgabe? Die Antworten haben nicht alle schnell genug gefunden.“ Weil der Gegner es immer wieder schaffte, freie Leute anzuspielen, liefen die 05er vor der Pause vor allem hinterher. Und wenn sie mal in die Zweikämpfe kamen, fehlte es an Durchsetzungsvermögen.

          Für Svenssons Spieler spricht, dass sie die Schwachpunkte erkannten und selbstkritisch ansprachen. Keiner unternahm mit dem Hinweis auf die drei Punkte den Versuch, etwas zu relativieren, wer auch immer sich zum Spielverlauf äußerte, tat dies selbstkritisch. Jean-Paul Boëtius, der Schütze des 1:0 und Vorbereiter des 2:2, sagte gar, er sei angesichts der Darbietung „noch ein bisschen schockiert“.

          Für Trainer und Mannschaft spricht, dass es ihnen nach der Pause gelang, die Fehler einigermaßen zu korrigieren. Weil er erkannt hatte, dass sein Team an diesem Tag nicht in der Lage war, den Gegner hoch anzulaufen („Uns hat die Wachheit gefehlt“), verordnete Svensson für die zweite Halbzeit eine tiefere, kompaktere Herangehensweise. Und hielt eine Ansprache, von der später nicht nur Sportdirektor Martin Schmidt sagte, sie habe Wirkung gezeigt.

          „Ich habe eigentlich nur wiederholt, was ich vor dem Spiel gesagt hatte“, erläuterte der Trainer. „Und da es so aussah, als hätten die Jungs beim ersten Mal nicht richtig zugehört, habe ich es in aller Deutlichkeit wiederholt, damit es nicht mehr zu Verständnisfragen kommt . . .“ Die Leistung der zweiten Halbzeit bewertet er „auch nicht wirklich gut, aber einen Tick besser“.

          Jener Tick und der unter Svensson in der Mannschaft gewachsene Glaube, Spiele drehen zu können, bescherten den Mainzern in der Nachspielzeit tatsächlich noch den Sieg. Doch der Trainer ist Realist genug, um zu wissen, dass man mit Auftritten wie dem in Köln mal ein Spiel gewinnen kann – „aber nicht auf Dauer“. Nicht von ungefähr mahnte Siegtorschütze Leandro Barreiro mit Blick auf die nächste Aufgabe gegen Hertha BSC eine Leistungssteigerung an. „Wichtig ist, dass wir am Sonntag ein besseres Spiel machen und die nächsten drei Punkte holen.“

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