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Sieg in Dortmund : Ein ganz, ganz großer Tag für Mainz 05

  • -Aktualisiert am

Sieg in Dortmund: Trainer Achim Beierlorzer mit seinen Spielern nach dem Erfolg von Mainz 05 Bild: Reuters

Mitten im sich zuspitzenden Abstiegskampf der Bundesliga gelingt Mainz 05 ein erstaunlicher 2:0-Sieg bei Borussia Dortmund. Ohne diesen Erfolg stünde nun ein Horrorspiel gegen Werder Bremen bevor.

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          Es war nicht der Nachthimmel von Rom, der sich über Achim Beierlorzer aufspannte, und der Trainer von Mainz 05 machte auch keinen langen Spaziergang über den Rasen, wie einst Franz Beckenbauer nach dem deutschen WM-Sieg 1990. Aber einen Moment des einsamen Genusses gönnte Beierlorzer sich am späten Mittwochabend nach dem erstaunlichen 2:0-Sieg bei Borussia Dortmund.

          Bundesliga

          Er entfernte sich ein paar Schritte von seinen völlig erschöpften Spielern, sein Blick richtete sich in die Ferne, er atmete tief. Und als er später gefragt wurde, ob er schon größere Momente in seinem Trainerleben erlebt habe dachte er lange nach, bevor er sagte: „Das ist schwierig, da müsste ich in Erinnerungen kramen“. Der Aufstieg „in die Bundesliga mit Leipzig war auch toll“, berichtete Beierlorzer dann, damals gehörte er aber nur zum Stab des Cheftrainers Ralf Rangnick. „Das ist schon ein ganz, ganz großer Tag“, sagte er schließlich.

          Denn ohne diesen Erfolg stünde nun ein Horrorspiel gegen Werder Bremen bevor, das die Mainzer mit diesen drei Zusatzpunkten erheblich gelassener ins Auge fassen können. Zwar hob Sportvorstand Rouwen Schröder mahnend den Zeigefinger: „Wir dürfen uns nicht blenden lassen. Wir sind nicht durch, Wir müssen punkten.“ Aber statt am Samstag mit Angst und Furcht in die Partie zu gehen, haben sie nun gegen Bremen und in Leverkusen zwei Chancen, den allerletzten Schritt zum Klassenverbleib zu schaffen. Inklusive der realistischen Möglichkeit, dass schon die mittlerweile eingesammelten 35 Punkte ausreichen könnten.

          Sehr besonders war der Moment für Beierlorzer allerdings noch aus einem anderen Grund: Seine Überlegungen zu diesem Auswärtsspiel waren nahezu perfekt aufgegangen. Manchmal wirkt die Motivationsrhetorik dieses Trainers ja ein wenig exaltiert, an diesem Abend hatte sie das Innerste der Spieler erreicht. „Der Glaube ist elementar entscheidend“, sagte Schröder, und „der Trainer hat immer wieder appelliert, daran zu glauben.“

          Die Entscheidung, sechs frische Spieler in dieses Duell zu schicken, um eine möglichst hohe Spielintensität erzeugen zu können, erwies sich ebenfalls als gute Idee. Hinzu kam das Glück, auf einen Gegner zu treffen, dem irgendwie der Hunger abhandengekommen war, nachdem die Meisterschaft verloren und die kommende Champions League-Runde erreicht ist. Die Dortmunder ließen sich durch das imposante Mainzer Engagement und durch die Körperlichkeit der Rheinhessen jede Freude an ihrer fußballerischen Überlegenheit nehmen.

          In der Kollektivarbeit gegen den Ball und in jedem Zweikampf war sichtbar, wer diesen Sieg mehr wollte. „Wir waren heute einfach gemeinsam auf dem Platz, sind für einander gelaufen, haben füreinander gekämpft. Diese Drei Punkte zählen einfach doppelt“, sagte Jean-Paul Boëtius. Am Ende hatten die Mainzer eine fast neun Kilometer mehr Strecke zurückgelegt als der BVB, und irgendwann war sogar die fußballerische Präzision dazu gekommen.

          Sein Team habe bei eigenem Ballbesitz „von Spielminute zu Spielminute klarer und strukturierter agiert,“ sagte Beierlorzer. In der Folge traf zunächst der erst 19 Jahre Startelfdebütant Jonathan Burkardt per Kopf zum 0:1 (34), und Jean Philippe Mateta legte per Foulelfmeter einen zweiten Treffer nach (49.). Später hatten sie sogar beste Chancen für ein, zwei weitere Treffer. So eindeutig verdient hat nicht einmal der FC Bayern in Dortmund gewonnen.

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