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1:1 in Mainz : Wolfsburg verspielt Sieg bei Labbadias Debüt

Es lief nicht alles rund: Wolfsburg-Torwart Koen Casteels. Bild: EPA

Im 24. Spiel in dieser Saison gibt es für den VfL das 13. Unentschieden. Beim Einstand des neuen Trainers geht Wolfsburg früh in Führung, doch am Ende reicht es in Mainz in einem schwachen Spiel wieder nicht zu einem Sieg.

          Wenn ein Tabellen-Sechzehnter gegen einen Tabellen-Vierzehnten der Fußball-Bundesliga spielt, darf nicht allzu viel erwartet werden. Beim 1:1 zwischen Mainz 05 und dem VfL Wolfsburg nach Toren von Josip Brekalo (6. Minute) für die Gäste und Yohinori Muto (44.) für die Rheinhessen wurde selbst diese geringe Erwartungshaltung enttäuscht. „Für uns war wichtig, dass wir heute nicht verloren haben. Bruno Labbadia hat die Wolfsburger gut eingestellt, da war es schwer durchzukommen“, sagte der Mainzer Mittelfeldspieler Danny Latza.

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          Immerhin haben die Mainzer einem vermeintlichen Fluch widerstanden: In den vergangenen Jahren kam es nach Trainereinständen von Pal Dardai in Berlin, Viktor Skripnik in Bremen oder auch Peter Stöger kurz vor Weihnachten beim BVB jeweils zu Premierensiegen in Mainz, lediglich einen Trainerneuling überstanden die Mainzer zuletzt mit einem Unentschieden - als Andries Jonker fast auf den Tag  genau vor einem Jahr sein Debüt als Trainer des VfL Wolfsburg in Mainz gab. Auch damals endete das Spiel 1:1, seither hat der Klub nach Jonker auch noch den im vergangenen Jahr noch als Mainzer Cheftrainer tätigen Martin Schmidt verschlissen.

          Im Grunde ist dieser eine Punkt gegen einen nach dem Trainerwechsel von Schmidt zu Labbadia verunsicherten Gegner für die Mainzer zu wenig im Kampf um den Klassenverbleib. „Wir sind gut ins Spiel gekommen“, sagte Labbadia. „Aber wir haben vor der Pause ein ganz, ganz doofes Tor bekommen. Und wir haben unsere Konterchancen in der zweiten Halbzeit nicht genutzt.“

          Labbadia, der gewohnt elegant in dunkelblauen Anzug und Rollkragenpullover an der Seitenlinie stand, hatte beim VfL angekündigt, dass er keine tausend Sachen, sondern nur vier bis fünf Kleinigkeiten verändern wolle nach nur drei Tagen als Trainer des Volkswagenklubs. „Der Trainer macht einen guten Eindruck und hatte einen Plan. Er hat uns gut eingestellt“, sagte Wolfsburgs Verteidiger Paul Verhaegh nach dem Spiel. Die personell entscheidende Veränderung des nach 16 Monaten der Arbeitslosigkeit seit der Trennung vom HSV Ende 2016 in die Bundesliga zurückgekehrten früheren Stürmers Labbadia zahlte sich dabei schon nach wenigen Minuten aus. Der neu in die Startelf gerückte Brekalo traf nach Flanke des Linksverteidigers William. Die Mainzer Defensive erleichterte dem in der Winterpause aus Stuttgart nach Wolfsburg gewechselten Offensivspieler die Jagd nach seinem ersten Tor für den VfL indes durch katastrophales Abwehrverhalten. „Jospip Brekalo war der auffälligste Spieler im Training in dieser Woche“, begründete Labbadia die überraschende Nominierung.

          In dem äußerst schwachen Bundesligaspiel, das bei Minusgraden und nach Vereinsangaben 25.000 Zuschauern auch bezüglich der Stimmung auf den Rängen dürftig blieb, wirkten die Mainzer Bemühungen lange Zeit hilflos. Lediglich Robin Quaison, in der Vorwoche Doppeltorschütze beim 2:0-Auswärtssieg in Berlin, sorgte gelegentlich für spielerische Akzente. Dennoch durften sich die Mainzer noch vor dem Pausenpfiff über den glücklichen Ausgleichstreffer freuen: Der nur drei Minuten zuvor für den angeschlagenen Emil Berggreen eingewechselte Yoshinori Muto traf fast mit seinem ersten Ballkontakt per Volleyschuss nach Flanke von Gerrit Holtmann zum Ausgleich.

          Trainer Bruno Labbadia soll den VfL Wolfsburg vor dem Abstieg bewahren.

          Die Mainzer wirkten bis zu diesem Tor den äußeren Bedingungen entsprechend ein wenig eingefroren und überhaupt nicht in der Lage, das Vorhaben ihres Trainers umzusetzen. Sandro Schwarz hatte seine Spieler nach sehr klassischer Trainerlehre aus den achtziger Jahren aufgefordert, viel zu laufen, weil dann die Kälte weniger zu spüren sei. Die scherzhaft formulierte Vorgabe hatte natürlich auch einen ernsten Hintergrund: Die Mainzer waren zuletzt nur dann erfolgreich, wenn sie die entsprechende Laufleistung auf den Platz brachten, geringere Umfänge wirkten sich hingegen schnell negativ aus.

          In Halbzeit zwei wurde diese Statistik besser, weil die Mainzer den Gegner mutiger schon in dessen Hälfte attackierte. Am Ende standen gute 118 KIlometer zu Buche. Aus der Feldüberlegenheit ergaben sich freilich keine Torgelegenheiten. Die beste Chance hatte derweil Wolfsburg durch Yunus Malli, der aber frei vor dem Mainzer Schlussmann Robin Zentner am Tor vorbeischob (63.). Der Fehlschuss sorgte immerhin für einen Moment der Heiterkeit an einem tristen Fußballabend: Die Mainzer Anhänger skandierten den Namen Mallis aus Dank für die vergebene Torchance so, wie sie ihn in seinen fünf Mainzer Jahren nach Torerfolgen gefeiert hatten. „Yunus Malli hatte zu viel Zeit zum Nachdenken, das ist nicht immer das Beste, das weiß ich aus eigener Erfahrung“, sagte der frühere Torjäger Labbadia. „Deshalb gibt es keinen Vorwurf an Yunus.“ Wolfsburg hatte zudem Pech, als eine verunglückte Flanke von WIlliam vom Pfosten ins Feld zurücksprang.

          Kurz vor dem Ende vergab dann der eingewechselte Mainzer Anthony Ujah die große Chance zum Sieg für Mainz, als er freistehend am gut reagierenden Torwart Koen Casteels scheiterte. Labbadia dürfte wenigstens diese Situation gefreut haben, sonst bewertete er den Spaßanteil an seiner Arbeit eher gering. „Abstiegskampf ist einfach 'Shit'“, sagte er. „Wir müssen dafür sorgen, dass wir mehr Grund zur Freude haben werden.“

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