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FSV Mainz 05 : Einblicke in den Streitfall Müller

Noch in Aktion: Der frühere Mainzer Torwart Heinz Müller beim Training im Juli 2013 Bild: Picture-Alliance

Bundesligaklub Mainz 05 streitet vor dem Arbeitsgericht mit seinem ehemaligen Spieler Heinz Müller. Nun ist das Urteil öffentlich - und mit ihm detaillierte Informationen über Gehalt und Prämien eines Bundesliga-Torwarts.

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          Der Rechtsstreit zwischen Mainz 05 und dessen ehemaligem Torhüter Heinz Müller hatte im März für Aufsehen gesorgt. Sieben Wochen später ist das Urteil des Arbeitsgerichts Mainz (AZ: 3 Ca 1197/14 ) nun öffentlich einsehbar und ermöglicht interessante Einblicke in die Vertragsgestaltung bei Mainz 05. Das Urteil liefert jedoch keine neuen Indizien, ob sich aus dem Streitfall in höheren Instanzen ein ähnlich folgenreiches Grundsatzurteil wie einst das Bosman-Urteil ergeben könnte. Jenes Urteil hatte vor fast zwei Jahrzehnten dafür gesorgt, dass Profisportler mehr Freiheiten bei Wechseln zu anderen Vereinen erhielten. Das erstinstanzliche Urteil im Fall Müller, gegen das der Verein in der vergangenen Woche eine Revision vor dem Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz beantragt hat, würde nun ein Recht auf unbefristete Anstellung einräumen.

          Wie ein Torhüter wie Müller bei Mainz 05 bezahlt wird, legt das Urteil derweil offen: Der Streitwert wurde vom Gericht mit 429.000 Euro beziffert. Diese Summe setzt sich zusammen aus dem Grundgehalt für die Spielzeit 2014/15, für die Müller aufgrund einer Vertragsklausel eine automatische Verlängerung des ursprünglich nur bis zum 30. Juni 2014 geltenden Vertrags beansprucht hat, sowie entgangenen Prämien für die Rückserie der Saison 2013/14, in der Müller vom Spielbetrieb des Bundesligateams ausgeschlossen worden war.

          Müller versuchte in seiner Klage geltend zu machen, dass dieser Ausschluss nicht aufgrund sportlicher Kriterien, sondern „wegen treuwidriger Verhinderung“ durch den damaligen Trainer Thomas Tuchel erfolgt sei. Dadurch sei er daran gehindert worden, Prämien in Höhe von 261.000 Euro für 29 Punkte, das wären 9000 Euro pro Punktgewinn, zu erzielen. Zudem habe er deshalb nicht die Zahl von 23 Einsätzen erreichen können, bei der sich sein Vertrag gemäß einer Klausel um eine Saison verlängert hätte. Für diese Spielzeit war offenbar ein Grundgehalt von 168.000 Euro, also 14.000 Euro pro Monat, vereinbart worden. Allerdings sprach ihm das Gericht die Zahlung dieser Summen nicht zu.

          Das anonymisierte Urteil gibt auch wieder, wie es zur Degradierung Müllers gekommen war. Auslöser war die Verletzung Müllers bei der Niederlage in Augsburg im Herbst 2013. Tuchel bezeichnete die Verletzung nach Darstellung Müllers als eine „Schande“. Tuchel bezweifelte offenbar die Aufrichtigkeit Müllers bei der Gesundmeldung vor dem Spiel. „Es war so, dass wir ihm danach nicht mehr zugetraut haben, ein wertvoller Bestandteil der Mannschaft zu sein, wenn er nicht selbst im Tor steht. Wir haben ihm dann tatsächlich menschlich und charakterlich diese Rolle nicht mehr zugetraut“, sagte Tuchel vor Gericht. Die Revision ist frühestens im September zu erwarten.

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