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Mainz-Spieler Dominik Kohr : Der Robuste im Zentrum

  • -Aktualisiert am

Volltreffer: Dominik Kohr hat sich bei den Kollegen Jeremiah St. Juste (links), Moussa Niakhate (Mitte) beliebt gemacht. Bild: GES/Markus Gilliar

Dominik Kohr hat großen Anteil am Mainzer Aufschwung – jetzt wird die Eintracht-Leihgabe sogar torgefährlich! Den Zeitpunkt, zu dem er zuschlug, hätten sich die 05er kaum schöner ausdenken können.

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          Ball geschnappt, unters Trikot gepackt, Daumen in den Mund gesteckt und auf die nächste Kamera zugelaufen: So zelebrierte Dominik Kohr am Sonntagnachmittag sein Tor. Sein erstes in dieser Bundesligasaison war schon für sich genommen ein sehr wichtiges – nämlich das 2:1 im Spiel des FSV Mainz 05 bei der TSG Hoffenheim. An Bedeutung gewann der Treffer nach einem Eckball in der 41. Minute noch dadurch, dass in der verbleibenden Spielzeit keine weiteren fielen. Wenn man so will, verdankte Kohr es seinen Mitspielern, dass er zum Matchwinner avancierte. Bei einer halbwegs vernünftigen Mainzer Chancenverwertung wäre es nur ein Tor von vielen gewesen.

          Bundesliga

          Den Zeitpunkt, zu dem der defensive Mittelfeldspieler zuschlug, hätten sich die 05er kaum schöner ausdenken können. Keine zwei Minuten zuvor hatte Ilhas Bebou die von Robert Glatzel nach nur 27 Sekunden erzielte Führung der Rheinhessen egalisiert. Kohr rückte die Kräfteverhältnisse wieder zurecht. „Tore zu schießen ist normalerweise nicht meine Aufgabe“, sagte er, „aber es freut mich, dass ich der Mannschaft damit helfen konnte.“

          Dieses Erfolgserlebnis entsprang zwar einem seltenen Moment in Kohrs Bundesligakarriere – ein Zufall war es dennoch nicht. „Unser Plan war es, die Ecken kurz auszuspielen“, berichtete der 27-Jährige. Dafür zuständig zeichneten in diesem Fall Daniel Brosinski und Jean-Paul Boëtius. „Und ich sollte vom 16er aus einlaufen.“ Dass die an der Strafraumgrenze stehende, eher unbeteiligt wirkende Leihgabe der Frankfurter Eintracht ins Geschehen eingreifen könnte, hatten die Hoffenheimer anscheinend nicht auf dem Schirm. Auch nicht, und das war dann schon fahrlässiges Abwehrverhalten, als Kohr sich Richtung Tor in Bewegung setzte.

          „Unser Kopfballmonster“

          „Als ich am Fünfmeterraum ankam, war ich schon überrascht, dass ich so frei stand“, räumte er ein. Der Rest war nicht schwer: im richtigen Moment hochzuspringen und die weiche Flanke, die Boëtius von der Grundlinie kurz hinter den ersten Pfosten brachte, mit der Stirn ins Netz zu bugsieren. „Unser Kopfballmonster hat zugeschlagen“, sagte der gutgelaunte Trainer Bo Svensson später. Ein Scherz, aber immerhin war es schon das zweite Mal im neunten Spiel für die 05er, dass Kohr mit Köpfchen entscheidend zu Mainzer Glücksgefühlen beigetrug: Beim 3:2 gegen RB Leipzig hatte er per Flugkopfball einen Treffer von Moussa Niakhaté vorbereitet.

          Sein Trainer freute sich nicht zuletzt darüber, dass die abermalige Führung in Hoffenheim aus einer Standardsituation entsprungen war, „weil wir viel daran arbeiten“. Inwieweit die konkrete Ausführung auf die Ideen seines zuständigen Kotrainers Patrick Kaniuth zurückging, wusste Svensson nicht. „Es gibt Vorschläge von mir, die die Spieler so umsetzen müssen. Aber bei Standards haben sie die Freiheit, Entscheidungen zu treffen, je nachdem wie sie die Situation wahrnehmen.“

          Einen unerfreulichen Grund gab es dafür, dass Daniel Brosinski an der Ausführung der Ecke beteiligt war: Danny da Costa, der zweite Frankfurter in Diensten der 05er, schied nach 20 Minuten wegen einer Verletzung am hinteren linken Oberschenkel aus. Ein Verlust. Schließlich ist auch der rechte Verteidiger einer der Faktoren für die neue Mainzer Stabilität. Seit seinem Wechsel vom Main an den Rhein gehörte er in allen neun Partien zur Anfangsformation. An diesem Nachmittag aber kompensierte Brosinski den Ausfall. „Das ist im Moment bezeichnend für unsere Gruppe“, sagt Bo Svensson. „Bei aller Enttäuschung, auf der Bank zu sitzen: Wenn du reinkommst, lieferst du ab.“

          Das Lob von Spielerseite an den Trainer gab unter anderem Dominik Kohr zurück. „Mit unserer Arbeit unter der Woche legen wir den Grundstein. Und Bo gibt uns für die Spiele einen super Plan mit, den wir umzusetzen versuchen.“

          Gruß an die schwangere Frau

          Das klappte in den vergangenen Wochen so gut, dass die 05er quasi eine Europa-League-Serie spielen – mit 17 Punkten aus neun Partien liegen sie an fünfter Stelle der Rückrundentabelle. Und im Gesamtklassement haben sie erstmals seit dem achten Spieltag die Abstiegsränge verlassen. Dominik Kohrs Anteil daran steht außer Frage. „Mit ihm haben wir das Zentrum verstärkt und Robustheit bekommen“, sagte Sportdirektor Martin Schmidt. „Wenn er jetzt auch noch das Toreschießen beginnt...“

          Kohrs Gruß in die Kamera galt übrigens der schwangeren Ehefrau. Voraussichtlicher Geburtstermin sei der 5. August, sagte er. In Mainz würden sie sich freuen, wenn er bis dahin noch häufiger einen Ball unters Trikot steckt.

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