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FSV Mainz 05 : Die Kunst des Wechselns

Und wieder ein Jokertor: Maxim Choupo-Moting trifft gegen Hannover Bild: dpa

Kein Klub in der Fußball-Bundesliga erzielt mehr Tore durch Einwechselspieler als Mainz 05. Das spricht für einen breiten Kader und ein taktisch flexibles Team. Trainer Tuchel hofft auch am Freitag bei Schalke (20.30 Uhr) auf Joker-Tore.

          Maxim Choupo-Moting musste in dieser Spielzeit schon oft dieselbe Frage beantworten. „Würden Sie denn trotzdem lieber von Beginn an spielen?“ Dem Deutsch-Kameruner waren die Fragen immer etwas unangenehm. Natürlich will der in Hamburg aufgewachsene Stürmer, der im Sommer voraussichtlich mit der Nationalmannschaft des Heimatlandes seines kamerunischen Vaters an der Weltmeisterschaft teilnehmen wird, immer von Beginn an spielen.

          Das will jeder Fußballspieler und besonders einer wie er, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Choupo-Moting würde sich also liebend gern mit mehr Spielzeit eine noch bessere Verhandlungsposition erarbeiten. Andererseits wollen Stürmer vor allem Tore erzielen. Choupo-Moting gelang dies freilich fünfmal nach einer seiner zwölf Einwechslungen in der laufenden Spielzeit, aber nur einmal bei seinen acht Startelfeinsätzen. Er scheint also in Kurzeinsätzen effektiver zu sein.

          Spielentwicklung durch Wechsel

          Choupo-Moting ist somit der erfolgreichste „Joker“ der laufenden Bundesligasaison, er ist also der Torjäger, der nach Einwechslungen am erfolgreichsten war. Er prägt damit ganz entscheidend eine auffällige Qualität von Mainz 05: Das Team hat insgesamt neun Jokertore erzielt und 22 seiner 39 Tore in Halbzeit zwei. Es verdankt also einen Großteil seiner 33 Punkte und Rang sieben im Zwischenklassement nach 21 Spieltagen Umstellungen nach der Halbzeitpause, wenn Trainer Thomas Tuchel entweder durch Personalwechsel oder taktische Umstellungen dem Spiel eine Wendung zu geben versucht hat.

          „Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich am Anfang immer falsch aufstelle“, scherzt Tuchel auf Nachfrage, ehe er eine sachliche Begründung liefert. „Spiele entwickeln sich durch Wechsel von Grundordnungen bei uns und beim Gegner.“ Anders ausgedrückt: Die Erfolge in der zweiten Halbzeit sind der Lohn dafür, dass Tuchel bei Mainz 05 seit Jahren daran arbeitet, ein taktisch flexibles Ensemble zu kreieren. Kaum eine Mannschaft der Bundesliga wechselt an guten Tagen so mühelos zwischen unterschiedlichen Grundordnungen und taktischen Ausrichtungen hin und her wie Mainz 05 und überrascht somit den Gegner.

          Falsch aufgestellt oder gut eingewechselt? Thomas Tuchel gibt Spielen mit personellen und taktischen Veränderungen eine Wende

          Solche Wechselspiele sind nur möglich mit entsprechend flexiblen Spielern und eben den nötigen Wechseloptionen. Letztere hat Mainz 05 dank der Verbreiterung des Kaders beispielsweise durch Verpflichtungen wie den Rekordeinkauf Ja-Cheol Koo und einer nun stattlichen Zahl an Nationalspielern. „Ich sehe die positiven Folgen von Einwechslungen aber vor allem auch als Kompliment an die Spieler an, weil jeder bei uns verinnerlicht hat, dass wir ein Mannschaftsspiel betreiben. Jeder will der Mannschaft als Einwechselspieler helfen, auch wenn er wegen seiner Reservistenrolle erst einmal persönlich sauer ist auf mich als Trainer“, sagt Tuchel.

          Tuchel würde gerne öfter wechseln dürfen

          Der 40 Jahre alte Übungsleiter würde aus diesem Grund gerne sogar noch häufiger wechseln können. Immer wieder mal regt er sogar an, die Kadergröße von derzeit 18 zu vergrößern. „Früher hat man Wechsel nur bei Verletzungen vorgenommen oder um am Ende Zeit zu schinden“, sagt er. „Heute ist das ein ganz entscheidendes Element für mich als Trainer, das ich gerne öfter hätte.“

          Am Freitagabend (20.30 Uhr/live in Sky und F.A.Z.-Liveticker) beim Tabellenvierten Schalke 04 hofft Tuchel, abermals dank der Kunst des Einwechselns für eine Überraschung beim Gegner zu sorgen. Dafür muss das Team freilich erst einmal die erste Halbzeit überstehen, in der Tuchel eine „nach vier Siegen hintereinander und vor dem Champions-League-Spiel gegen Real Madrid euphorisierte Schalker Mannschaft“ erwartet.

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