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Frust beim BVB : „Das war absolute Sch...“

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Versucht weiter „positiv zu denken“: Borussia Dortmund Trainer Lucien Favre Bild: AFP

Nach dem 3:3 gegen Paderborn begleitet das Dortmunder Publikum die Borussia mit Pfiffen und „Trainer raus“-Rufen in die Kabine. Lucien Favre scheint angezählt – und die Verantwortlichen äußern sich zurückhaltend.

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          Nach 45 Minuten im Signal-Iduna-Park schien es, als werde Borussia Dortmund an diesem Freitagabend nicht nur das Spiel gegen Tabellenschlusslicht SC Paderborn verlieren. 3:0 führte der Außenseiter zur Halbzeit in der Dortmunder Trutzburg, die Fans des BVB quittierten den Rückstand mit gellenden Pfiffen. Doch auch, obwohl Jadon Sancho (47.), Axel Witsel (84.) und Kapitän Marco Reus (90.+2) mit ihren Toren die Mannschaft im zweiten Durchgang vor Schlimmerem bewahrten, fiel das Urteil des Dortmunder Anhangs vernichtend aus. Ungeachtet des späten Ausgleichs durch Reus wurde das Team auch nach dem Schlusspfiff mächtig ausgepfiffen, erstmals in dieser Saison gab es „Trainer raus“-Rufe im Stadion.

          Bundesliga

          „Die Pfiffe gab es völlig zurecht“, gab Abwehrchef Mats Hummels nach dem Abpfiff unumwunden zu. Vor allem die Einstellung der Mannschaft sorgte bei dem Abwehrchef für Ärger. „Es ist Konzentration, Fokussierung und manchmal sind es auch inhaltliche Dinge. Konzentration und Fokus auf die relevanten Dinge sind bei allem Talent, das wir haben, ganz wichtig im Fußball“, kritisierte der Innenverteidiger. Kapitän Reus fand bei DAZN noch deutlichere Worte: „Man hat sich richtig geschämt. So dürfen wir nie, nie wieder auftreten. Das war absolute Scheiße.“

          Nach dem 4:0 gegen den FC Bayern München vor der Länderspielpause gerät damit auch Dortmunds Trainer Lucien Favre zusehends in die Kritik. Sportdirektor Michael Zorc gab sich nach dem Spiel kurz angebunden und vermied eine deutliche Stellungnahme. „Ich werde nicht so viel sagen. Außer, dass die erste Halbzeit komplett indiskutabel war und dass man sich bei den Zuschauern dafür entschuldigen muss“, kritisierte Zorc. Beiläufig fügte er an: „Morgen ist auch noch ein Tag.“ Vor allem der letzte Satz seines kurzen Statements bot viel Raum für Spekulationen. Nicht auszuschließen, dass sich die Vereinsspitze noch vor der Jahreshauptversammlung des Revierklubs am Sonntag ausführlicher äußert – zum Beispiel über die Zukunft Favres.

          An der Diskussion über Favre wollte sich Hummels indes nicht beteiligen: „Ich würde mal ganz deutlich sagen, dass das nichts mit der Trainerposition zu tun hat, wenn wir einfach ohne Druck die Bälle herschenken.“ Besonders die zahlreichen Ballverluste ärgerten den 30-Jährigen: „In München wird das ganz groß geschrieben, dass das nicht passiert. Da ist es ein absolutes Qualitätsmerkmal für Top-Mannschaften, dass man den Gegner mit Ball kontrolliert und dominieren kann. Das schaffen wir überhaupt nicht.“ Ähnlich sah es Kapitän Marco Reus. „Der Trainer stellt uns super ein. Wir Spieler sind dafür verantwortlich, unsere Leistung zu zeigen.“

          Fraglich, ob diese Fürsprache zum Verbleib von Favre beiträgt. Der 62 Jahre alte Schweizer wirkte ähnlich niedergeschlagen wie Zorc. „Wir werden das zusammen analysieren, das ist sehr, sehr nötig. Das kann nicht so weitergehen“, bekannte der Coach. Bei allem Frust wirkte er jedoch nicht so, als habe er den Glaube an einen Verbleib beim BVB schon aufgegeben: „Ich versuche weiter, positiv zu denken.“ Auf die Frage, ob er sich von seinem Team im Stich gelassen gefühlt habe, antwortete er: „Nein, nein, ich stehe immer hinter meiner Mannschaft.“

          Einfacher werden die Aufgaben für den Schweizer und seine Mannschaft in den kommenden Tagen allerdings nicht. Schon am Mittwoch steht das nächste Spiel in der Champions League beim FC Barcelona (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League sowie bei Sky und DAZN) an. Zorc bestätigte am Samstag, dass Favre vorerst Trainer bleibt. „Wir gehen mit Lucien Favre in das Spiel in Barcelona und erwarten, dass wir da eine deutliche Leistungssteigerung sehen“, sagte der Sportdirektor den „Funke Medien“.

          Gleichwohl sitzt der Trainer nach dem peinlichen 3:3 gegen Paderborn nicht fest im Sattel. „Es ist ja klar, dass das Thema öffentlich diskutiert wird, denn unsere Situation ist mehr als unbefriedigend“, kommentierte Zorc. „Natürlich analysieren wir das sehr intensiv. Es ist natürlich klar, dass Worte jetzt nicht mehr reichen, wir brauchen Leistung.“

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