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Hannover 96 : Thomas Schaaf ganz ohne Skepsis

  • -Aktualisiert am

Zuversichtlich: Thomas Schaaf will Hannover retten Bild: dpa

Neuer Trainer noch im alten Jahr: Hannover 96 hat Thomas Schaaf als Nachfolger von Michael Frontzeck verpflichtet. Der ehemalige Coach von Werder Bremen und Eintracht Frankfurt soll den Vorletzten aus den Abstiegsrängen führen. Sein Vertrag gilt nur für die Bundesliga.

          Nach seinem Weihnachtsfest, das geprägt von Telefonaten in Serie und akuten Verhandlungen blieb, lässt sich leicht heraushören: Der Mann ist geschafft und zugleich mächtig stolz. „Thomas Schaaf und Hannover 96: Das ist eine Ehe für die erste Bundesliga, die passt“, findet Martin Bader. Der Geschäftsführer eines Vereins, der eine schlimme Hinrunde hinter sich hat und derzeit zu den Sorgenkindern des bezahlten Fußballs zählt, konnte innerhalb kürzester Zeit etwas Beachtliches leisten. Bader hat bewiesen, dass Hannover 96 derzeit nur bedingt wettbewerbsfähig, in jedem Fall aber voll handlungsfähig ist. Mit Routinier Schaaf, der Eintracht Frankfurt im Mai entnervt verlassen hatte, ist ein sehr erfahrener Cheftrainer gefunden worden. Am 4. Januar beginnt eine Zusammenarbeit, die bis 2017 andauern soll - immer vorausgesetzt, Hannover 96 schafft den Klassenerhalt noch.

          Eigentlich war die Anbahnung dieser Personalie höchst merkwürdig. Denn als introvertierter und eher medienscheuer Trainer mag es Schaaf eigentlich nicht, wenn seine berufliche Zukunft mit viel Vorlauf und in aller Öffentlichkeit ausdiskutiert wird. Doch weder Bader noch Hannovers Präsident Martin Kind hatten aus ihrem Wunschkandidaten ein Geheimnis gemacht. Den Namen Schaaf hatten sie nur wenige Stunden nach dem Rücktritt von Michael Frontzeck bereits platziert.

          Bader und Kind wollten unbedingt einen Mann haben, der als deutschsprachiger Retter sofort zur Verfügung steht und der sich in der Bundesliga bestens auskennt. „Thomas ist voll im Thema. Das haben wir schon vor dem entscheidenden Gespräch mit ihm gemerkt“, berichtet Bader. Telefonaten rund um die Weihnachtszeit war am Sonntag ein entscheidendes Treffen gefolgt, in dem bereits alles fixiert werden konnte. Kind berichtete hinterher, dass es gar nicht so schwierig gewesen sei, Schaaf zu überzeugen. Verein und Trainer, beide mit Ecken und Kanten versehen, würden einfach zueinander passen.

          Schulz wird sich freuen

          Vor allem einer im Team von Hannover 96 wird sich ganz schön wundern, wer ihn künftig wieder antreiben wird. Christian Schulz steht bereits seit 2007 bei den Niedersachsen unter Vertrag und hat sich dort als stabiler Verteidiger zum Kapitän gemausert. Aber seine ganz großen Taten hat der 32-Jährige einst bei Werder Bremen und unter der Regie von Schaaf vollbracht.

          Allein dieses Wiedersehen lässt Nostalgiker bereits aufhorchen. Und nichts gegen sein Wirken bei Eintracht Frankfurt: Wann immer der Name von Schaaf die Runde macht, wird er doch stets mit seinen 14 mehrheitlich erfolgreichen Jahren bei Werder Bremen in Verbindung gebracht. Dort hat er 2004 zum Beispiel das Double aus Meisterschaft und Pokal gewonnen. Dann waren da noch diese großen Jahre in der Champions League. Wie es sich nach einer solchen Historie anfühlt, in den Niederungen der Tabelle neu anzufangen und eine stark abstiegsbedrohte Mannschaft zu übernehmen, wird Schaaf erst noch für sich entdecken müssen. „Wir wollen erst einmal die Situation überstehen“, sagt der Mann, der so herrlich viel Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen kann - wenn er denn zufrieden mit seiner Arbeit ist.

          Ein paar Urlaubstage in Österreich gönnen sie ihm noch. Bis zum ersten Arbeitstag im neuen Jahr soll aber täglich miteinander telefoniert werden. „Es liegt doch eh kein Schnee“, sagt Bader, der mit Schaaf so manches abzustimmen hat. Denn Hannover 96 ist fest entschlossen, die sportliche Misere der vergangenen Monate auch mit Hilfe von Neueinkäufen möglichst schnell vergessen zu machen. Weil es vor allem an guten Stürmern fehlt, werden zum Beispiel die Bemühungen um Adam Szalai intensiviert, der bei der TSG Hoffenheim sein Glück nicht finden kann.

          Kein Hauch von Skepsis

          Eigentlich ist das aktuelle Hannover 96 keine Adresse für erstklassige Spieler, die Lust auf große Taten verspüren. Aber vielleicht entsteht aus dem neuen Zusammenspiel mit Schaaf eine ganz neue Dynamik. Beide Parteien fühlen sich gut damit, einen Vertrag abzuschließen, der nur für die erste Liga gilt. „Wenn es nicht klappen sollte, haben beide Seiten die Möglichkeit, etwas Neues zu machen“, meint Schaaf. Der Mann hat in der Kürze der Zeit schon wieder erstaunlich viele Interviews mit Werbewirksamkeit für Hannover 96 gegeben. Er klingt gut erholt, entspannt und doch bereit für eine besondere Herausforderung. „Wir dürfen uns nie in Ruhe lassen. Wir müssen uns immer wieder fordern, damit wir unser Ziel erreichen“, sagte Schaaf dem Norddeutschen Rundfunkt in einem Telefoninterview.

          Er hinterließ bei diesem und noch so manchem anderen Auftritt nicht den Eindruck, als ob ihn auch nur ein Hauch von Skepsis nach Hannover begleitet. Schaaf will seinen neuen Verein mit Ruhe, Vernunft und Druck wieder nach vorne führen. Die Art und Weise, mit der er seine Fußball-Vokabeln zusammenstellt, klingt ganz nach der guten alten, vor allem grün-weißen Zeit.

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