https://www.faz.net/-gtm-1506o

Frings-Kommentar : Aufräumer abgeräumt

„Mir bleibt nichts anderes übrig als das zu akzeptieren” Bild: ddp

Bundestrainer Löw hat entschieden: Er nimmt Frings nicht mit zur Fußball-WM nach Südafrika. Die Entscheidung dürfte auch den Bremer nicht mehr überrascht haben - er versteht sie dennoch nicht. Löw aber setzt einen Reizpunkt für den Konkurrenzkampf im WM-Jahr.

          1 Min.

          Die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika wird ohne Torsten Frings stattfinden. Die Nachricht, die Bundestrainer Joachim Löw wenige Tage vor dem Start der Nationalmannschaft ins WM-Jahr nach einem Gespräch mit dem Kapitän von Werder Bremen verkündete, war keine große Überraschung mehr.

          Zu offensichtlich liefen die Nominierungen schon in den vergangenen Monaten an dem großen Antreiber und Aufräumer der Weltmeisterschaft 2006 vorbei. Sein letzter Einsatz von 79 Spielen im Nationaltrikot datiert aus dem Februar des vergangenen Jahres beim 0:1 gegen Norwegen. Aber auch davor war der unbequeme Mittelfeldpartner von Kapitän Ballack kaum mehr vom Bundestrainer berücksichtigt worden.

          Die letzten, wenn auch unfreiwilligen Schlagzeilen im nationalen Dienst gehörten ihm kurz nach der Europameisterschaft 2008, als sich sein Freund Ballack öffentlich über den Umgang Löws mit verdienten Nationalspielern wie Frings beklagte. Lieber ein klarer Schnitt als eine scheibchenweise vollzogene Trennung – das war Ballacks Botschaft.

          Der Bundestrainer hat nun über ein Jahr später und wenige Tage vor dem Leistungstest in Sindelfingen, zu dem 35 Spieler mit WM-Aussichten geladen sind, dem 33 Jahre alten Profi bei einem Besuch in Bremen mitgeteilt, was Frings schon längst ahnte, aber sportlich immer noch nicht versteht: Seine Zeit in der erste Auswahl ist vorbei – wofür Löw auch zahlreiche gute Gründen angesichts junger Mittelfeldkräfte anführen kann.

          Es ist eine harte, aber auch konsequente Entscheidung des Bundestrainers, der damit ein erstes Zeichen und einen Reizpunkt für den Konkurrenzkampf im WM-Jahr gesetzt hat. Denn Frings wäre mit seiner Routine ein gutes Turnier zuzutrauen. Aber er passt mit seiner Spielweise nicht mehr in das Konzept des Bundestrainers. Das kann Frings noch immer nicht akzeptieren – auch wenn Ballack schon vor mehr als einem Jahr wusste, dass der Aufräumer schmucklos abgeräumt würde.

          FAZ.NET fragt:

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Parteitag in Berlin : Die Wende der SPD

          Der Parteitag in Berlin ist ein historischer Bruch für die SPD. Sie verabschiedet sich endgültig von der „neoliberalen“ Schröder-Ära durch ein Programm für einen „neuen Sozialstaat“.

          1:2 in Mönchengladbach : Die Bayern verlieren die Kontrolle und das Spiel

          Die Münchner dominieren das Topspiel zunächst nach Belieben, treffen aber das Tor nicht. Als sie es doch tun, kommt Gladbach schnell zum Ausgleich. In der Nachspielzeit überschlagen sich dann die Ereignisse.
          Olga Tokarczuk und Peter Handke nach ihren „Nobel Lectures“ in Stockholm.

          Vorträge der Nobelpreisträger : Eine Rede aus zweiter Hand

          Peter Handke zitiert in seinem Vortrag vor allem eigene und fremde Werke. Dagegen bemüht sich Olga Tokarczuk um ein neues Ideal für die Literatur, das sich an der ältesten Erzählperspektive der Welt orientiert: der der Bibel.

          Klimademo in Madrid : 500.000 Demonstranten – oder 15.000?

          Eine halbe Million Menschen demonstrierten laut Greta Thunberg in Madrid für eine andere Klimapolitik. Die Polizei zählte allerdings deutlich weniger. Die Aufmerksamkeit der Weltpresse verzerrt das Bild.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.