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Trainerentlassungen im Fußball : „Zu viele Bauchentscheidungen gehen in die Hose“

Der zuletzt entlassene Trainer in der Bundesliga: Fans von Fortuna Düsseldorf verabschieden sich von Friedhelm Funkel. Bild: EPA

Werden Trainer in der Bundesliga zu schnell entlassen? Sportpsychologe und Unternehmensberater Ulrich Kuhl erklärt im Interview, worin die Unterschiede zwischen Sport und Wirtschaft liegen.

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          Fünf Trainer sind in dieser Saison in der Fußball-Bundesliga entlassen worden. Weitere Stühle wackeln – und im Fall vor Kurzem bei Fortuna Düsseldorf geschassten Friedhelm Funkel überrascht, dass der Verein dessen Vertrag erst in der Winterpause verlängerte. Wie gut oder schlecht wird in der Bundesliga hinsichtlich der Trainer geführt und entschieden?

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Überlegungen in den Chefetagen der Vereine sind strategischer geworden. Es wird gezielter darüber nachgedacht, ob ein Trainer wirklich zum Verein und zur Mannschaft passt. Trotzdem haben wir noch zu viele Bauchentscheidungen, die in die Hose gehen. Sonst gäbe es nicht so viele Entlassungen.

          Funkel stand schon vor einem Jahr in Düsseldorf zur Disposition. Die Fans rebellierten dagegen, verwiesen auf seinen Aufstieg, am Ende fiel der Vorstandschef über das ganze Chaos. Die beabsichtigte Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit einem personellen Neuanfang erfolgte offenbar nur verzögert. Ist das strategisch geschickt?

          Eine Vereinsführung muss so stark sein, zu begründen, warum ein Trainerwechsel eine sinnvolle Maßnahme ist. Es muss möglich sein, sich zu trennen, bevor Schaden entsteht, auch wenn vielleicht die Fans Theater machen. Ein neuer Vertrag sollte vor allem ein Versprechen für die Zukunft und nicht die Belohnung für Vergangenes sein. Man schließt ja eine neue Vereinbarung mit dem Trainer, damit er etwas leistet, und nicht, weil er etwas geleistet hat. Das „damit“ wird noch zu wenig beachtet. Das ist hochproblematisch. Gleichfalls sollte eine Trennung vorbereitet sein und mit Respekt ablaufen.

          Sportpsychologe und Unternehmensberater Ulrich Kuhl: „Man wird nominiert, damit man etwas leistet, und nicht, weil man etwas geleistet hat.“

          Ist das nur im Fußball so?

          In der Wirtschaft gibt es das auch. Der Leiter einer kleineren Abteilung wird für seine Arbeit belohnt und befördert. Für die neuen Anforderungen in der größeren Abteilung ist er aber ungeeignet und scheitert. Diese Problematik taucht in anderer Form in den Sportverbänden auf. Jedem müsste klar sein, dass, wenn man sich zum Beispiel für die Olympischen Spiele qualifiziert hat, man nur deshalb nominiert wird, damit man etwas leistet, und nicht, weil man etwas geleistet hat. Es darf nicht sein, dass das allerhöchste Ziel des Sportlers die Nominierung ist.

          Irgendwie braucht man aber doch Anhaltspunkte fürs Leistungsvermögen.

          Vergangene Leistungen lassen nur bedingt Rückschlüsse auf das vorhandene Potential zu. Doch die Anforderungen für die nächsthöhere Aufgabe müssten viel mehr in die Bewertung eines Sportlers, Trainers oder Managers einfließen. Fakt ist allerdings, dass man sich bei Potentialeinschätzungen schwerer tut als bei Leistungsbeurteilungen.

          Läuft die Auswahl von Topmanagern in der Wirtschaft besser als die von Bundesligatrainern?

          Im Prinzip schon. An einer wichtigen Besetzung in der Wirtschaft sind mehr Leute beteiligt: Aufsichtsräte, Vorstände, Personalabteilung, Headhunter. Das verringert das Risiko von Fehleinschätzungen.

          Wo liegen die größten Unterschiede zwischen der Wirtschaft und dem Fußball, wenn es ums Führen geht?

          Erfolge oder Misserfolge nach einem Führungswechsel in der Wirtschaft werden später bemerkt als im Fußball. Im Fußball fällt sofort auf, wenn etwas nicht funktioniert. Gleich am Wochenende. Da kommt die Führung unter Zugzwang. Im Gegensatz dazu verfügen Unternehmen auch nicht über eine solch hochbezahlte Personalreserve, die nur dasitzt und kaum zum Einsatz kommt. Eine systematische Führungskräfteentwicklung und -auswahl wie in der Wirtschaft steckt im Profifußball noch in den Anfängen.

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