https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/frankfurt-verliert-auch-mit-kovac-in-moenchengladbach-14118812.html

0:3 in Mönchengladbach : Die Eintracht kann nur noch auf die Heimspiele hoffen

Aller Anfang ist schwer: Niko Kovac startet mit einer deftigen Niederlage bei der Eintracht. Bild: WITTERS

Schlechter hätte es nicht laufen können: Die Frankfurter Eintracht ist in Mönchengladbach auch mit Trainer Kovac chancenlos. Und ausgerechnet der stabilste Adler der Saison sieht bei allen Gegentoren schlecht aus.

          3 Min.

          In der Niederlage Haltung zeigen. Niko Kovac vermied es, in der Stunde eines weiteren Tiefschlags verbal auf seine Mannschaft einzuschlagen. Im Gegenteil: Trotz des eindeutigen und in jeder Beziehung verdienten 0:3 bei Borussia Mönchengladbach lobte der neue Eintracht-Trainer seine weiterhin um die erstklassige Zukunft kämpfenden Spieler. „Die Mannschaft hat Willen gezeigt“ sagte Kovac, „das Engagement war da.“

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Schon in der Vorbereitung auf sein Debüt als Bundesligatrainer hatte Kovac jede Menge Feuer in den Augen seiner neuen Truppe ausgemacht. „Die Mannschaft brennt“, sagte er. Übertragen auf die erste Prüfung des 44 Jahre alte Kroaten lässt sich feststellen: Das Feuer ist von der spielstarken und in allen Belangen überlegenen Borussia schnell gelöscht worden. Mit freundlicher Hilfe der Eintracht, denn der zaudernde und zögernde Makoto Hasebe ist es gewesen, der sich den Ball leichtfertig abnehmen ließ, ein Foulspiel beging – und in der Folge mit ansehen musste, wie Lars Stindl nach einer unglücklichen Faustabwehr von Eintracht-Torwart Lukas Hradecky den ersten der drei Gladbacher Treffer erzielte (36.).

          Der Beginn des Eintracht-Übels: Torwart Lukas Hradecky faustet den Ball zu Gladbachs Torschütze Stindl Bilderstrecke
          Der Beginn des Eintracht-Übels: Torwart Lukas Hradecky faustet den Ball zu Gladbachs Torschütze Stindl :

          „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen“, sagte Kovac. Der Trainer hatte es mit einer geballten Ladung kontrollierter Defensive versucht, die heimstarken und vor eigener Kulisse fast ausnahmslos siegenden Gladbacher in ihrem Offensivdrang zu ärgern. Vor der Frankfurter Viererabwehrkette bot Kovac mit Hasebe, Slobodan Medojevic und Rückkehrer Stefan Reinartz drei defensiv orientierte Mittelfeldspieler auf, die für Absicherung sorgen sollten. Das Problem der Eintracht: Das Bollwerk hielt nur bis zu Stindls Führungstreffer, dann fügten Raffael (53.) und Mahmoud Dahoud (79.) die weiteren Tore zum 3:0 hinzu.

          Auch bei den beiden weiteren Treffern, vor allem aber beim 2:0, sah Lukas Hradecky, der seit Monaten beste und beständigste Eintracht-Profi, nicht gut aus. „Das war ein scheiß Tag von mir“, sagte der Finne selbstkritisch. „Ich halte den Kopf aber trotzdem hoch. Wir müssen alle Kraft und alle Hoffnung jetzt in das Heimspiel gegen Hannover legen“, sagte der Frankfurter Torhüter. Sein Versprechen für das nächste Wochenende: „Wir werden eine andere Eintracht sehen, und wir werden dabei auch einen anderen Lukas sehen.“

          Beides wird allerdings auch dringend nötig sein – und noch vieles andere mehr. Bei der erwartbaren Niederlage in Gladbach zeigte die Eintracht gerade im Angriff eine erschreckende Leistung. Ein einziges Mal nur sorgte ein Schuss für halbwegs Gefahr. Ansonsten vermieden es die Frankfurter, den einen ruhigen Nachmittag verlebenden Gladbacher Keeper Yann Sommer weitere Male zu beschäftigen. „Ein Torschuss nur, das ist natürlich viel zu wenig“, sagte Kovac. Schütze des Balles, der am linken Torpfosten landete (78.), war der schlechteste Frankfurter Angreifer: Haris Seferovic.

          Heribert Bruchhagen vermied es, in seiner Analyse nach der herben Niederlage ins Detail zu gehen. Der Vorstandschef der Eintracht beschränkte sich auf das große Ganze. „Gladbach war die klar bessere Mannschaft. Im Augenblick sind wir mit der Borussia nicht auf Augenhöhe. Wir müssen uns vielmehr auf die machbaren Spiele konzentrieren.“ Auf die Heimspiele gegen Hannover und Hoffenheim also. Ob sie für die Frankfurter wirklich „machbar“ sind, wird sich zeigen. Bruchhagen jedenfalls, der zum 30. Juni seinen Dienst quittiert und in den Ruhestand geht, ist zuversichtlich. „Ich habe den festen Glauben, dass wir zu Hause die nötigen Punkte holen.“ In der weiterhin angespannter Lage empfahl der 67-Jährige: „Wir dürfen jetzt nicht unruhig werden und uns beirren lassen.“

          Eine Sichtweise, der auch Bruno Hübner im Borussia-Park vieles abgewinnen konnte. Der Sportdirektor der Eintracht, der sich am vergangenen Dienstag mit Kovac auf ein vorerst bis zum Saisonende befristetes Engagement geeinigt hatte, sagte nach dem 0:3: „Der Trainer hat der Mannschaft einen Plan gegeben. In der Defensive haben wir Fortschritte macht, und es ist total ärgerlich gewesen, dass die Tore aus dem Nichts gefallen sind.“ Der Manager sah es nach der zwölften Saisonniederlage „psychologisch“ als Vorteil an, „dass wir immer noch auf dem 16. Tabellenplatz stehen. Drei andere Mannschaften stehen nur drei Punkte vor uns. Wir müssen jetzt alle Kräfte bündeln. Jetzt zählt es gegen Hannover.“

          Was Hübner nicht sagte: Der Abstand auf den ersten Abstiegsplatz hat sich auf null reduziert. Die abermals siegreichen Hoffenheimer, die sich am 9. April in Frankfurt vorstellen werden, sind nach ihrem Heimerfolg gegen Wolfsburg mit der Eintracht punkt- und torgleich. Lediglich wegen der Winzigkeit eines einzigen mehr geschossenen Tores wird die Eintracht nach 26 Spieltagen noch auf dem Relegationsplatz eingestuft. „Der Druck wird größer“, sagte Trainer Kovac vor der Rückfahrt nach Frankfurt. „Wir müssen unsere Heimspiele gewinnen.“ Nimmt man die allerdings die magere Leistung in Mönchengladbach als Anhaltspunkt, dürfte schon dies schwer genug werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wirtschaftsminister Robert Habeck

          Habeck in Washington : Der China Reduction Act

          Wirtschaftsminister Habeck ist zu Gesprächen in Washington. Es geht um die amerikanische Subventionsoffensive und wie europäische Unternehmen stärker davon profitieren können. Der Plan dahinter reicht aber noch weiter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.