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Frank Schaefer : Die kölsche Lösung

  • -Aktualisiert am

Der neue Chef und sein Star: Frank Scheafer (r.) übernimmt den 1. FC Köln und Lukas Podolski Bild: dapd

Frank Schaefer kennt den Krisenklub Köln seit fast zwanzig Jahren. Ob der Amateurtrainer Chef bleibt, hängt nur von den Ergebnissen ab. Die erste Bewährungsprobe steht an diesem Dienstag (19.00 Uhr) im DFB-Pokal gegen 1860 München an.

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          Michael Meier, der Manager, war der Pressekonferenz ebenso ferngeblieben wie Wolfgang Overath, der Präsident. Der neue Mann, der Zvonimir Soldo als Trainer beim 1. FC Köln ablöst, musste erst einmal alleine klarkommen. Einem Christoph Daum, Thomas Doll, Hans Meyer oder Christian Gross, alles bekannte Fußballlehrer, wäre das ohne weiteres zuzutrauen gewesen. Aber keiner der oft genannten Kandidaten ist neuer Übungsleiter in Köln geworden - sondern Frank Schaefer.

          Ein in Deutschland weitgehend unbekannter Trainer soll den Tabellenletzten der Bundesliga aus der Krise führen. An diesem Dienstag, beim Pokalspiel gegen den TSV München 1860 (19.00 Uhr / FAZ.NET-DFB-Pokal-Liveticker), begeht der bisherige U-23-Juniorentrainer der zweiten Regionalliga-Mannschaft des Vereins seinen 47. Geburtstag. Die Kölner Klubführung hofft, dass es wie vor einem Jahr in Mainz mit Thomas Tuchel die Geburtsstunde eines neuen Bundesligatrainers wird.

          „Ich bin ein echter FCer und nebenbei auch Kölner“, sagte Schaefer bei seiner Vorstellung, einen Tag nach einem chaotisch wirkenden Wirrwarr, der am späten Sonntagnachmittag mit der Entlassung von Soldo und dessen Assistenten Michael Henke endete. Während Soldo noch Interviews als Cheftrainer gab, wurde Schaefer zur Mittagszeit angerufen, ob er zur Verfügung stehe. „Ich habe spontan sehr gerne zugesagt“, sagte Schaefer. Mit Soldo und Co-Trainer Henke hat er sich gut verstanden, aber die neuerliche Talfahrt der Mannschaft, die in der zuletzt dargebotenen Form ihrem fünften Abstieg seit 1998 entgegentreibt, und auch die eigene Karrierrechance bewogen Schaefer, zuzupacken.

          „Es hilft, dass ich Spieler, Verein und Abläufe sehr gut kenne“

          Der Diplomsportlehrer, versehen auch mit einer Lizenz des Fußballlehrers, gehört dem Verein seit 1982 an. Wegen einer Verletzung trat er schon mit 19 Jahren in den Trainerstab ein. Schaefer wurde zum Zögling und Kollegen von Daum, sechs Jahre arbeitete er mit ihm auch beim Erzrivalen Bayer Leverkusen. Als erste Amtshandlung holte sich Cheftrainer Schaefer einen Assistenten an seine Seite. Auch dies wurde eine kölsche Lösung, denn die Wahl fiel auf Dirk Lottner, einen Sohn der Domstadt, der als Fußballprofi seine besten Zeiten bei Fortuna Köln und beim FC erlebte und bis zum Sonntag als Jugendtrainer des Klubs tätig war.

          „Es hilft, dass ich viele Spieler, den Verein und die Abläufe sehr gut kenne“, sagte Schaefer zu seinen Startaussichten. Das gute Dutzend Spieler aus dem eigenen Nachwuchs inklusive Lukas Podolski hat er mit ausgebildet. Ob er die Autorität hat, dass ihm frühere Stars des internationalen Fußballs wie der Portugiese Petit folgen, ist aber ungewiss. Das in den ersten neun Spielen zusammengewürfelt wirkende Team legt oft eine Legionärsmentalität an den Tag, die Identifikation mit dem Verein, der sich vom Selbstverständnis zu den großen deutschen Klubs zählt, ist wenig ausgeprägt.

          Nicht nur Milivoje Novakovic und Faryd Mondragon fallen eher durch Egoismus statt Teamgeist auf. Ob Schaefer den kolumbianischen Torwart Mondragon, der sich vorige Woche wegen seiner Verbannung auf die Ersatzbank mit dem leidenden Jesus verglich, wieder zur Nummer eins macht, ist eine spannende Frage. Sportlich wichtiger dürfte die Lösung eines anderen Problems werden. Der neue Trainer ließ in seinen jungen Teams bisher einen Stil mit hohem Laufaufwand praktizieren.

          „Wir wollen in allen Aktionen aktiven Fußball spielen lassen“

          Ob der Profikader dazu überhaupt in der Lage ist, muss im Pokal gegen die „Löwen“ und am Samstag im Heimspiel gegen den Hamburger SV (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) erst überprüft werden. „Es gibt für mich nur zwei Möglichkeiten im Fußball, aktiv und passiv, nicht offensiv oder defensiv. Wir wollen in allen Aktionen aktiven Fußball spielen lassen“, erklärte Schaefer seine Philosophie. Er bezeichnete es als positiv, dass nur 48 Stunden nach seiner Ernennung das erste Spiel zu bestreiten sei. Erst am gestrigen Nachmittag fand beim ersten Training das nähere Kennenlernen statt.

          Da weder Meier noch Overath mit zur Vorstellung kamen, mussten sie keine Auskunft geben, ob Schaefer mehr ist als eine Interimslösung. Anders als Soldo ist Schaefer nicht auf den Mund gefallen. Selbstbewusst und ohne Nervosität trat er vor die Medien. Er weiß, dass er zur Dauerlösung werden kann, es aber nicht werden muss. Die Verantwortlichen haben das Thema bei seiner Beförderung einfach ausgespart. „Es hat dazu keinerlei Andeutungen gegeben“, sagte Schaefer. „Es ist eine große Herausforderung als Trainer, die ich gerne meistern möchte.“ Im November 2006 saß er schon einmal auf der FC-Bank, nach der Entlassung des Schweizers Hans-Peter Latour als Assistent von Holger Gehrke. Nach 16 Tagen übernahm dann Daum.

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