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Frank Goosen im Gespräch : „Die Schalker sind ein bisschen weinerlich“

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Schriftsteller, Kabarettist und Bochum-Fan: Frank Goosen Bild: frankgoosen.de / Philipp Wente

Frank Goosen richtet seine Bühnen-Auftritte immer nach dem Bundesligaspielplan des VfL Bochum. Der Schriftsteller und Kabarettist spricht im Interview mit FAZ.NET über seine Liebe zum VfL und Minderwertigkeitskomplexe im Ruhrgebiet.

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          Seit Jahren versucht Frank Goosen, Familie, Beruf und Fußballleidenschaft zu vereinbaren. Seine Auftritte richtet der Schriftsteller und Kabarettist immer nach dem Bundesliga-Spielplan des VfL Bochum. Als Autor bekannt geworden ist der Vater zweier Söhne mit dem Bestseller „Liegen lernen“, der auch verfilmt wurde. Sein jüngstes Buch „Weil Samstag ist“ mit Fußballgeschichten ist gerade im Eichborn Verlag erschienen. Im Interview mit FAZ.NET spricht Goosen über seine Liebe zum VfL und Minderwertigkeitskomplexe im Ruhrgebiet

          Fühlen Sie sich als Fan des VfL Bochum in der Bundesliga ernstgenommen?

          Das Ruhrgebiet ist von einem schlimmen Minderwertigkeitskomplex geprügelt, und der VfL Bochum wird natürlich immer in den Schatten von Lüdenscheid-Nord und Herne-West gedrängt, also von Borussia Dortmund und Schalke 04. Bisweilen nehmen wir diese Rolle etwas zu bereitwillig an. Die Fakten sprechen aber auch gegen uns: Die Fanbasis ist nicht so groß, weil man die Fans des VfL fast ausschließlich in Bochum findet. Andere Klubs haben größere Einzugsbereiche, und auf erfolgreiche Vereine stürzen sich auch Leute, die nie zuvor von der Gegend gehört haben. Dazu kommt, dass wir nicht in diesem Sinne ein Traditionsverein sind wie Schalke und Dortmund, weil wir keinen sexy Gründungsmythos haben. Wir schwanken ständig zwischen Minderwertigkeitskomplex und Anspruchsdenken.

          Anspruchsdenken ist nicht unbedingt das, was man mit dem VfL Bochum verbindet.

          Durch die permanente Zugehörigkeit zu erster und zweiter Liga haben die Fans ein ausgeprägtes Anspruchsdenken entwickelt. Seit 1971 ist in Bochum nur fünf Jahre Zweitligafußball gespielt worden - das ist eine enorme Leistung, die bei den Fans dazu führt, dass sie auch mal mehr wollen. Die Ruhrgebietsfans im Allgemeinen und der VfL-Fan im Besonderen sind nicht nur so drauf, dass sie sagen: Hier muss die Luft brennen oder Gras gefressen werden. Die wollen schönen Fußball sehen und haben auch durchaus nichts gegen Erfolge. Wir sind ja nicht freiwillig erfolglos.

          Haben die Anhänger erfolgreicher Klubs deshalb Mitleid mit den erfolglosen Bochumern?

          Mitleid weniger, meistens herrscht Gleichgültigkeit. Der VfL ist außerhalb von Bochum kein Verein, der große Emotionen erzeugt. Außer von unseren Nachbarn werden wir nicht leidenschaftlich abgelehnt.

          Auf der anderen Seite haben sich die VfL-Fans sicher diebisch gefreut, die vergangene Saison vor Borussia Dortmund abgeschlossen zu haben?

          Das ist vielen Leuten hier unheimlich wichtig, mir ist das aber völlig egal. Warum soll ich mich selber erheben, indem ich andere erniedrige? Es ist unheimlich nervig, dass vor allem Dortmunder beleidigt werden, obwohl man gegen Wolfsburg spielt. Dass sich Fans über Abwesende ereifern, ist völlig verschwendete Energie. Wenn das Spiel schlecht ist und man Luft hat zu singen, dann soll man die eigene Mannschaft anfeuern. Aber die Rivalität ist so groß, weil wir uns im Nachbarn immer selber erkennen. Die sind genauso Ruhrgebietshackfressen wie wir selber. Aber ich kann nicht behaupten, dass es mich ärgert, wenn Schalke deutscher Meister wird. Ich freue mich aber, wenn es der FC Bayern mal nicht wird. Aber zu den Bayern haben wir keine Rivalität. Wir sind die Sau, und die sind die Borke.

          Folgt man Ihrem Buch, dann hat der VfL einen großen Vorteil gegenüber Bayern München: Sie schreiben, der VfL habe Fans, der FC Bayern nur Zuschauer.

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