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Titel für Bayern München : Der Meister der Tränen

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Emotionales Ende: Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und der scheidende Franck Ribéry (rechts). Bild: dpa

Die Münchner holen den Titel mit Toren der scheidenden Franck Ribéry und Arjen Robben. Das rührt nicht nur Uli Hoeneß. Auch Trainer Niko Kovac erlebt einen ganz besonders emotionalen Moment.

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          Arjen Robben bewegte sich geschickt auf der linken Seite vorwärts. Plötzlich spurtete er los Richtung Eckfahne, ließ sich das Weißbierglas reichen, schlug einen Haken und dann war klar, was der Niederländer plante. Trainer Niko Kovac gab gerade ein Interview, sein erstes als Meistertrainer, auf dem Rasen, als sich Robben in unlauterer Absicht von hinten näherte und das tat, woran die Spieler des FC Bayern nach Titelgewinnen am meisten Spaß haben – den Trainer nass zu machen mit klebrigem Gerstensaft.

          Bundesliga

          Es war der letzte Treffer von Robben in der Bundesliga für den FC Bayern, allerdings wird er in den offiziellen Statistiken nicht gewertet, weshalb er sich nach zehn Jahren in München doch nicht mit der erhofften 100-Tore-Marke verabschieden kann. „Aber die 99“, sagt er, „ist vielleicht auch eine schöne Zahl“. Vor allem weil er diese zuvor beim 5:1-Sieg über Eintracht Frankfurt erreicht hatte. Dass auch Franck Ribéry in seinem letzten Bundesligaspiel für den Rekordmeister traf, komplettierte diesen ohnehin schon emotionalen Abschied bei der 29. Deutschen Meisterschaft der Münchner, wie Robben fand, „das Happy End.“

          Es war eines mit Tränen. Ribery schluchzte später vor der Fankurve, als er zum Mikrofon griff und sich bedankte. Seine Worte waren nur schwer verständlich. Robben weinte nicht, zumindest nicht öffentlich. Er stand in diesem Moment auf der anderen Seite Arm in Arm mit seiner Frau und lauschte Ribéry. Uli Hoeneß waren schon während des Spiels oben auf der Tribüne beim 4:1 des Franzosen die Tränen gekommen. „Übermannt“ habe es ihn in diesem Moment, gab der Präsident zu, der ein ganz besonderes Verhältnis zu Ribéry hat. Wenn man als Regisseur diesen Abschied hätte so gestalten sollen, „würde man es wahrscheinlich nicht hinbekommen“, sagte Kovac.

          Auch die Augen des Trainers blieben nicht ganz trocken an diesem Meistertag. Die Fans hatten mitten im Trubel angefangen, seinen Namen zu skandieren. Kovac schien ein wenig überrascht und verharrte auf dem mit Glitzerkonfetti überzogenen Rasen. Und als dann die Kamera, sein Gesicht heranzoomte, sah man, dass nicht nur seine Kleidung nass war, sondern auch seine Augen feucht schimmerten. War es vor Freude, Erleichterung oder Genugtuung, wollte später jemand wissen. „Alles“, sagte Kovac. „Die Fans haben ein feines Gespür“.

          Ein besseres wohl als die Verantwortlichen, die seit Wochen Wertschätzung für den Trainer vermissen lassen und dadurch Spekulationen schüren. Und auch am Samstag gab es kaum Rückendeckung. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge schwieg. Präsident Hoeneß, der Anfang April der Einziger aus der Chefetage öffentlich Partei für Kovac ergriffen hatte, fand, dass dies „nicht der richtige Augenblick“ sei, über den Trainer und dessen Zukunft zu reden. „Ich habe mich an dieser Diskussion nie beteiligt und ich möchte mich auch nicht am Tag dieses Triumphs beteiligen“, sagte er. Nur Sportdirektor Hasan Salihamidzic ließ wissen, „dass der Trainer von mir die absolute Unterstützung hat“.

          Kovac gab sich zuversichtlich, auch in der neuen Saison noch als Angestellter des Vereins auf der Bayern-Bank zu sitzen. „Ich bin überzeugt, dass es weitergeht“, sagte er. Er habe „Infos aus erster Hand“. Doch dieses erste Jahr als Trainer des FC Bayern hatte Spuren hinterlassen. „Ich bin total happy und total ausgelaugt“, gab er zu. Dass er mehr ausgelaugt als happy aussah, mochte ein bisschen mit der nach der Weißbierdusche arg derangierten Frisur zu tun haben. Vielleicht, sagte er, würde die Freude besser auffallen, „wenn ich mit einer roten Nase oder einem Karnevalshut rumlaufen würde. Aber es ist im Moment sehr viel hier drin“, sagte er deutete dabei auf sein Herz.

          Nehmt Abschied, Brüder: „Robbéry“ ist Geschichte bei den Bayern Bilderstrecke

          Er beschäftigte sich nach dem Gewinn des ersten Meistertitels seiner Trainerkarriere erst einmal noch lieber mit der Vergangenheit statt mit der Zukunft. „Nach dem Herbst haben wir eine Serie hingelegt, die seinesgleichen sucht“, fand der 47-Jährige. Neun Punkte hatten die Bayern im November Rückstand auf Borussia Dortmund gehabt, in der Abschlusstabelle liegen sie nun zwei voraus. „Solch ein Comeback, glaube ich, gab es in dieser Form noch nicht“, sagte Kovac und übernahm das, was am Ende einer erfolgreichen Saison eigentlich seine Vorgesetzten machen sollten: die Leistung würdigen. „Ich denke, dass wir es als Trainerteam auch bewiesen haben, dass wir die notwendige Qualität haben. Man kann uns für den Herbst verantwortlich machen, aber auch, dass wir es jetzt ganz ordentlich hinbekommen haben.“  Und vielleicht sogar noch ordentlicher hinbekommen – wenn der FC Bayern am kommenden Samstag in Berlin auch noch Pokalsieger wird.

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