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Franck Ribéry : Nur der Auftakt zur Abschiedstournee?

Für Franck Ribéry ist die Bundesliga eine Spur zu klein geworden Bild: dpa

Ein fröhlicher Frank Ribéry bleibt eventuell in München - also tun die Bayern alles, um ihren Star bei Laune zu halten. In Bremen am Samstag (15.30 Uhr) steht er seit langem wieder im Kader. Doch der Zeitpunkt der Rückkehr scheint nicht günstig.

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          Er war der Aufsteiger der WM 2006. Doch die eigentliche Entdeckung des Franck Ribéry in Deutschland fand am 18. August 2007 statt. Es war das zweite Saisonspiel für den Neuzugang aus Marseille. Das erste hatte der FC Bayern 3:0 gegen Aufsteiger Rostock gewonnen, kein Maßstab. Aber nun ging es nach Bremen. Und die Show begann. Ribéry zauberte. Ribéry lupfte einen Elfmeter in der Manier des alten Tschechen Panenka frech in die Tormitte. Ribéry ließ den Ball wie ein Jongleur auf dem Fuß tanzen, narrte den Gegenspieler, leitete so ein Kontertor ein. Bayern gewann 4:0, und die deutschen Fans sahen: Nach 44 Jahren hatte die Bundesliga ihren ersten ausländischen Weltstar.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Zweieinhalb Jahre später wird man an diesem Samstag (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) am selben Ort Ribérys Comeback erleben. Und zugleich den Anfang einer Abschiedstournee – sollte nicht Uli Hoeneß das unwahrscheinliche Kunststück gelingen, seinen kleinen französischen Freund doch noch davon zu überzeugen, dass er in München besser aufgehoben ist als in Madrid oder London. Das ist aber schwer zu vermitteln. Die Bühne Bundesliga, so sehr sie in Europa wieder an sportlichem Gewicht gewonnen hat, ist eine Spur zu klein geworden für einen Ribéry.

          Ribéry hebt das Spiel auf ein anderes Level

          Schon in seiner ersten Bayern-Saison erreichte er alles. In der zweiten arbeitete er sich wie der Rest des Teams an der Problembeziehung mit Trainer Jürgen Klinsmann ab. In der dritten, aktuellen, erlitt Ribéry eine Folge von zähen Blessuren und Wehwehchen von der Art, die rasch an der Lebens- und Spielfreude zehren: das Knie, die Zähne, der Rücken, zuletzt die entzündeten Nagelbetten der großen Zehen. Nun ist er wieder fit und flitzt mit schwarzen Handschuhen und weißem Rollkragen über den Trainingsplatz. Erstmals seit dem 0:0 gegen Köln am 3. Oktober steht er in Bremen wieder im Kader und darf auf Rückkehr ins Team hoffen, wenngleich noch nicht in der Startelf.

          Van Gaal muss den Franzosen mitten im Spielbetrieb integrieren

          Kollege Philipp Lahm sagt, Ribéry hebe das Spiel der Mannschaft „auf ein anderes Level“, er binde mehrere Gegenspieler und schaffe so Freiraum für Mitspieler. Dennoch scheint der Zeitpunkt der Rückkehr nicht gerade günstig. Kein Trainer verändert gern ein Team, das gerade ins Rollen gekommen ist. Louis van Gaal war grimmig, weil er den Franzosen wegen der wehen Zehen nicht in die Feinabstimmung im Trainingslager in Dubai einbinden konnte, in all die kleinen, wichtigen Automatismen beim Koordinieren der Lauf- und Passwege, der Positionen und Bewegungsmuster im Team. „Ich muss Ribéry mitten im Spielbetrieb integrieren“, sagte van Gaal. „Das wird schwierig.“

          Kein zweiter Ballack

          Arjen Robben kehrte beim 2:0 gegen Hoffenheim in die Anfangsformation zurück, was kein Problem war, weil für ihn der Mitläufer Danijel Pranjic Platz machen konnte. Für Ribéry aber, wenn der in ein, zwei Wochen vollständig fit ist, wird wohl einer der großen Gewinner der Vorrunde weichen müssen, der 20-jährige Thomas Müller.

          Ribéry aber muss spielen. Nur wenn er spielt, kommt er wieder in Laune, nur wenn er wieder in Laune kommt, sehen die Bayern eine Chance, ihn doch zum Bleiben zu bewegen. Im März soll es Gespräche geben. Ribéry will vor der WM Klarheit über seine Zukunft. Wenn er nicht vorzeitig den bis 2011 laufenden Bayern-Vertrag verlängert, wird man ihn schon diesen Sommer ziehen lassen, daran lässt Hoeneß keinen Zweifel. Denn sonst könnte Ribéry im nächsten Jahr ablösefrei gehen. Noch einmal einen großen Star ziehen zu lassen, ohne einen Euro zu bekommen, wie 2006 Michael Ballack, wird Hoeneß nicht zulassen.

          „Hier ist er der große Star“

          Real Madrid, das Ribéry schon im vergangenen Jahr haben wollte, ist (neben Chelsea) weiter interessiert und gilt als Favorit des Franzosen. Eine aktuelle Umfrage der spanischen Sportzeitung „Marca“ unter Real-Fans brachte Ribéry den Höchstwert: 74 Prozent wollen ihn in der nächsten Saison im Bernabeu-Stadion sehen. Es ist eine Sprache, die der populistische Präsident Florentino Perez versteht. „Es wird keine lange Seifenoper geben“, kündigte Ribéry im französischen Fernsehen für die kommenden Verhandlungen an. „Es wird schnell gehen. Wir werden es vor dem Ende der Saison wissen. In zwei, zweieinhalb Monaten.“

          Robben rät Ribéry von einem Wechsel ab: „Hier ist er der große Star, da ist er einer von vielen.“ Der Holländer hat bei Chelsea und bei Real gespielt und wurde weiterverkauft. Der frühere Real-Trainer Bernd Schuster hält es dagegen für „abgemachte Sache“, dass Ribéry im Sommer zu Real wechsle, „da führt kein Weg daran vorbei“.

          Und so wird an diesem Samstag im Weser-Stadion vielleicht nicht nur Franck Ribéry vorspielen, auch Mezut Özil wird es. Für den Fall, dass Ribéry geht, gilt der junge Bremer Spielmacher als erste Wahl für die Nachfolge. Und weil Ribéry mit Sicherheit die höchste Ablöse der Bundesliga-Geschichte einbringen wird, dürfte der FC Bayern die nötigen Argumente für Özils Verpflichtung besitzen.

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