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Franck Ribéry : Bereit für etwas Verrücktes

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Auf den Kopf stellen müsste sich Franck Ribéry nicht, die Bayern würden ihn gehen lassen - für einen „verrückten” Millionenbetrag Bild: AP

Um Franck Ribéry ist ein irrwitziges, fast irrationales und wohl nicht ganz ernstes Wettbieten entstanden. Bayern München lehnt einen Verkauf kategorisch ab. Doch am Ende könnte alles nur eine Frage des Preises sein. Real scheint bereit.

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          Die Bilder der vergangenen Tage lassen vermuten, dass Franck Ribéry im Moment nicht viel an Fußball denkt. Der Franzose erholt sich auf der spanischen Insel Formentera von einer stressigen Saison, widmet sich seiner Frau und seinen beiden Kindern. Er trägt derzeit offenbar am liebsten orangefarbene Bermudashorts, lässt sich schon mal beim Baden im Mittelmeer ablichten und genießt die Sonne. Dass um ihn ein irrwitziges, ja fast schon irrationales und vermutlich nicht ganz ernstzunehmendes Wettbieten entstanden ist, scheint ihn nicht groß zu interessieren.

          Jeden Tag tauchen neue Summen auf, die die fast immer gleichen Vereine aus Spanien und England zu zahlen bereit sein sollen. Real Madrid, FC Barcelona, der FC Chelsea und Manchester United haben im Laufe der vergangenen Monate ihr Interesse an dem Offensivspieler des FC Bayern München angemeldet. Die jüngste Offerte soll Chelsea abgegeben haben. Englische Medien berichten von einem 76-Millionen-Euro-Angebot, der Klub von Michael Ballack bliebe damit aber noch deutlich unter dem, was zuvor aus Spanien lanciert wurde (siehe auch: Fußball kompakt: Van Gaal lernt - Matthäus schimpft - Löw kontert).

          Real Madrid will angeblich 84 Millionen Euro bezahlen – oder doch nur 25 Millionen, dafür aber Rafael van der Vaart und Wesley Sneijder nach München transferieren. Der Berater der Spanier, Zinédine Zidane, spielt dabei als Landsmann von Ribéry eine zentrale Rolle. Er sieht die Verpflichtung des ehemaligen Kollegen aus der Nationalmannschaft – laut der französischen Zeitung „Le Parisien“ – „auf einem guten Weg“. Und in spanischen Medien wird er mit den Worten zitiert: „Unser Ziel ist es, dass er kommt. Und wir werden alles dafür tun, denn er ist ein großartiger Spieler.“ Real-Präsident Florentino Pérez will angeblich 300 Millionen Euro in neue Spieler investieren, gut die Hälfte hat er schon für Kaká und Ronaldo ausgegeben (siehe auch: Real Madrid: Koste es, was es wolle).

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          „Ribéry und seine Berater verhalten sich völlig korrekt“

          Dabei war noch vor ein paar Tagen spekuliert worden, dass sich Real eine Fortsetzung der Einkaufstour auf hohem Niveau gar nicht mehr leisten kann. Denn der spanische Rekordmeister musste bereits für die bisherigen Transfers einen Kredit über 153 Millionen Euro bei zwei Banken des Landes aufnehmen. Als Garantie hat der Verein die Fernsehrechte eingesetzt, das jedenfalls berichtete die Zeitung „El Mundo Deportivo“.

          Inwieweit Ribéry – direkt oder nur indirekt über seine beiden Berater – beteiligt ist an den wilden Spekulationen, ist ungewiss. Zwar gab es in der Bundesliga-Rückrunde immer mal wieder Aussagen, die vermuten lassen, den Sechsundzwanzigjährigen ziehe es trotz eines noch bis 2011 laufenden Vertrages weg aus München. Angeblich wurde aber bisher von Seiten des Spielers noch nicht ernsthaft wegen eines Wechsels angefragt.

          Zuletzt hätten die Bayern am Rande des Champions-League-Spiels in Barcelona im April mit dem Management von Ribéry gesprochen und dabei mitgeteilt, dass sie nicht verhandlungsbereit seien, ließ der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, am Donnerstag in einem Interview mit der Münchner „tz“ wissen. „Weder seine Berater noch Franck haben in dieser Richtung Druck ausgeübt. Alle drei verhalten sich völlig korrekt.“ Ribéry erklärte zuletzt immerhin, dass es ihm gutgehe bei Bayern und er nicht auf Konfrontation aus sei. Der Münchner Klubchef sah sich in den vergangenen Tagen dennoch immer wieder veranlasst kundzutun, dass man nicht gedenke, Ribéry abzugeben.

          „Geduld! Die Transferliste schließt in zehn Wochen“

          Rummenigge ist derzeit das Sprachrohr des Rekordmeisters und hält auch über andere Personalien auf dem Laufenden. Für die rechte Abwehrseite wollen die Münchner Jose Bosingwa vom FC Chelsea verpflichten, kommen dabei aber nicht so richtig voran. „Man muss auch Geduld haben. Die Transferliste schließt in zehn Wochen.“ Manager Uli Hoeneß verabschiedete sich am Wochenende in den Urlaub nach Südfrankreich, und der neue Trainer Louis van Gaal tritt offiziell erst in zwei Wochen seinen Job in München an. Außerdem ist der Niederländer kein Freund öffentlicher Worte.

          Es ist aber nicht klar, ob alle im Verein Rummenigges Ansicht im Fall Ribéry teilen. Am Tag, als der Chef wieder einmal in verschiedenen Medien über die Unverkäuflichkeit von Ribéry referierte, war jedenfalls in einer Sportzeitschrift zu lesen, dass der Aufsichtsrat längst seine Zustimmung für eine Freigabe des Franzosen gegeben habe – sofern die Ablösesumme angemessen hoch wäre. Franz Beckenbauer hatte verraten, dass man sich darauf schon kurz vor dem Ende der Bundesligasaison Mitte Mai geeinigt hatte. Der Vorstandsvorsitzende widersprach prompt. Es habe keinen Beschluss gegeben, ließ er per Pressemitteilung wissen. Außerdem sei die Zustimmung des Gremiums für Spielerwechsel laut Geschäftsordnung gar nicht notwendig.

          Aber auch Hoeneß lehnte in den vergangenen Wochen einen Verkauf von Ribéry nicht kategorisch ab, wie dies nun Rummenigge tut. Das lässt den Schluss zu, dass es am Ende vielleicht doch nur eine Frage des Preises ist. Hoeneß legte die Voraussetzungen für einen Transfer von Ribéry fest. „Wenn wir ihn abgeben würden, dann müsste ein Klub schon etwas Verrücktes tun.“ Reals Boss Pérez scheint dazu bereit zu sein.

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