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Erfolg mit Folgen : Funkel ist Fortuna

  • -Aktualisiert am

Ist und bleibt Fortuna-Trainer: der strahlende Friedhelm Funkel Bild: EPA

Aus jung mach alt: Gegen Union Berlin vertraut Friedhelm Funkel den Erfahrenen in seinem Kader. Als Belohnung gibt es drei Punkte und einen neuen Vertrag – jedoch mit einer speziellen Klausel.

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          So kurz nach dem Spiel war sich Erik Thommy der Tragweite seiner Entscheidung noch gar nicht bewusst. Also natürlich verstand der 25 Jahre alte Spieler, dass seine Idee, den Ball in der 90. Minute ansatzlos aufs Tor zu dreschen, Fortuna Düsseldorf ein 2:1 über Union Berlin beschert hatte. Und dass der vierte Saisonsieg die Düsseldorfer eben nicht auf einem Abstiegsplatz der Fußball-Bundesliga überwintern, sondern „besinnliche Weihnachten“ (Thommy) feiern lässt. Aber dass er seinem Trainer Friedhelm Funkel noch vor dem Fest einen neuen Vertrag ermöglichte, das war neu für Thommy: „Ich weiß nicht, ob das Tor eine Rolle spielt, aber die Fortuna hat mit ihm ein gutes Los gezogen. Wenn er verlängert, wären wir alle froh.“

          Bundesliga

          Wenige Minuten nach Thommys Auftritt verkündete Sportvorstand Lutz Pfannenstiel die Einigung über einen neuen Einjahresvertrag, den werden sie am heutigen Montag „finalisieren“, sagte Pfannenstiel, der Wert darauf legte, die Entscheidung unabhängig vom Union-Spiel zu sehen. Man habe nur gewartet, um sich auf das Spiel gegen den direkten Konkurrenten konzentrieren zu können. Das ließ sich nach einem Spiel, das die Fortuna zwar nicht unverdient, aber doch glücklich gewann, natürlich schön erzählen. In den vergangenen Tagen war aus dem Verein allerdings zu hören gewesen, dass nun noch mal beraten wird, ob es wirklich vor Weihnachten einen neuen Kontrakt geben müsse. Was, wenn die Fortuna abermals verliert? Wenn sie wieder so leidenschaftslos auftritt wie zuvor beim 0:3 in Augsburg?

          Ganz spurlos war das alles auch nicht am vermeintlich stets gelassenen Funkel vorbeigegangen. Unter der Woche hatte der 66 Jahre alte Fußball-Lehrer seine Mannschaft ungewohnt öffentlich kritisiert und zur großen Rochade angesetzt: Neue raus, Alte rein. 28,9 Jahre betrug der Altersschnitt seiner Startelf, die vor der Pause die beste Hälfte seit Wochen spielte. „Es ist für mich als Trainer ein tolles Gefühl, wenn man sich auf seine Mannschaft verlassen kann“, sagte Funkel hinterher und stand da als der weise Mann, der mal wieder alles richtig gemacht hatte. Da störte es auch nicht, dass die Fortuna mit zunehmender Spielzeit kaum noch Lösungen fand und zwei Fernschusstore für den Erfolg gegen Union Berlin brauchte. Und so war auch die Vertragsverlängerung unumgänglich. Die wäre dem Vernehmen nach in jedem Fall gekommen, bei einer Niederlage zwar später, aber darauf zu verzichten war nicht möglich. Dem Verein sind sozusagen die Hände gebunden, Funkel ist zu beliebt.

          Aura des Unantastbaren

          Für viele Fans hat er sich durch die vergangenen Jahre – Klassenverbleib in der zweiten Liga, Aufstieg, Platz zehn in der Bundesliga, Siege gegen Borussia Dortmund, Schalke, Borussia Mönchengladbach und den 1. FC Köln – eine Aura des Unantastbaren aufgebaut. Bereits im Vorjahr hatte Vorstand Robert Schäfer den Machtkampf gegen einen Trainer verloren, der nach 45 Jahren im Geschäft sensible Antennen für Stimmungen hat und weiß, wann er wie auftreten muss. Im Notfall drückt er sich öffentlich ein Tränchen raus. Ein neuerliches Duell mit diesem Mann wollte sich niemand gönnen. Was auch daran liegt, dass sämtliche Personen im Fortuna-Vorstand recht neu und zu schwach sind: Vorsitzender Thomas Röttgermann wäre fast über die Mitarbeit an einer Fußball-App gestolpert und kann froh sein, überhaupt noch im Amt zu sein. Christian Koke kam wie Röttgermann erst dieses Jahr und ist fürs Marketing zuständig. Bliebe Sportvorstand Pfannenstiel, dessen jüngste Transferbilanz aber nicht gerade berauschend ist. Man könnte die magere Ausbeute (15 Punkte nach 17 Spielen) ja auch an ihm festmachen. Die belgischen Flügelflitzer Benito Raman und Dodi Lukebakio hat er nicht ansatzweise ersetzen können. Stürmer Dawid Kownacki, den er Ende September fest verpflichtete und zum teuersten Einkauf der Fortuna-Geschichte machte, steht bei null Toren. Ähnlich „erfolgreich“ ist Nana Ampomah, der zweite Millioneneinkauf für die Offensive. Und Torhüter Zack Steffen, von Manchester City ausgeliehen und als großer Rückhalt angekündigt, griff zuletzt immer wieder daneben.

          So war und ist bei der Fortuna derzeit niemand in der Lage, Funkel entgegenzutreten. Der Trainer ist zwar nicht offiziell der de facto mächtigste Mann im Verein. Wer kann es sich nach nur einem Punkt und 1:16 Toren aus fünf Spielen und dem Sturz auf einen Abstiegsplatz schon erlauben, öffentlich ein neues Arbeitspapier zu fordern? Funkel tut das, weil nur er über das Ende seiner Zeit bei der Fortuna und damit seiner Karriere entscheidet. Die neue Vereinbarung mit ihm gilt zwar nur für die Bundesliga, aber so lange Funkel den Klassenverbleib schafft, bleibt er an Bord.

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