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0:3 bei Union Berlin : Düsseldorf steigt nach Nervenversagen noch ab

  • -Aktualisiert am

Aufregung im Düsseldorfer Strafraum: Union trifft zur Führung. Bild: dpa

Die bessere Ausgangsposition hat die Fortuna. Doch am Ende geht es für Düsseldorf nach einem schwachen Spiel bei Union Berlin mit einer klaren Niederlage sang- und klanglos in die zweite Bundesliga.

          3 Min.

          Für einen kurzen Moment verharrte Uwe Rösler noch auf der Trainerbank, ehe er den Gang in die Kabine antrat. Der Trainer von Fortuna Düsseldorf wirkte nachdenklich, so als schien er zu ahnen, dass dieser Tag nichts Gutes für ihn und seinen Arbeitgeber bereithalten würde. Düsseldorf lag nach schwachen 45 Minuten 0:1 beim 1. FC Union Berlin zurück – aber es sollte noch schlimmer kommen. Rösler hatte ausdrücklich darum gebeten, erst während der Halbzeitpause informiert zu werden, wie es im 400 Kilometer entfernten Bremen beim Spiel zwischen Werder und dem 1. FC Köln steht. Was er dann hören musste, verfinsterte seine Miene weiter.

          Bundesliga

          Durch Werders deutliche Halbzeitführung war klar, dass Düsseldorf in Berlin womöglich nicht mal ein Unentschieden genügen würde. Fortuna musste gewinnen, das Spiel drehen, mindestens zwei Tore erzielen – zu viel für die an diesem Tag völlig verkrampft und verunsichert wirkende Mannschaft. Der Druck des drohenden Abstiegs lähmte die Düsseldorfer, die gleich nach dem Seitenwechsel ein zweites Gegentor kassierten, kein eigenes mehr schossen und am Ende 0:3 verloren. Durch den gleichzeitigen Sieg der Bremer rutsche die Fortuna noch auf Platz 17 und steigt nach zwei Jahren aus der Bundesliga ab. Entsprechend niedergeschlagen sanken die meisten Düsseldorfer nach dem Abpfiff zusammen, einige weinten, andere starrten einfach nur in Richtung der leeren Tribünen.

          Trainer Rösler wirkte nach dem Schlusspfiff noch am gefasstesten, er gratulierte seinem Kollegen Urs Fischer und nickte anerkennend, so als wollte er signalisieren, dass kein anderes Ergebnis verdient gewesen wäre. Rösler, der die Mannschaft Ende Januar von Friedhelm Funkel übernommen hatte, blieb es vergönnt, die Fortuna vor dem sechsten Abstieg der Vereinsgeschichte zu bewahren. Zwölf Unentschieden waren zu viel, genau wie die 67 Gegentore.

          Dabei hatte vieles in den letzten Wochen für seine Mannschaft gesprochen, die insgesamt stabiler und zuversichtlicher aufgetreten war als Werder Bremen. Zwei Punkte Vorsprung, dazu das bessere Torverhältnis. Aber ausgerechnet im letzten Spiel versagten den Düsseldorfern die Nerven und das gegen einen Gegner, für den es vermeintlich um nichts mehr ging. „Für uns ist jedes Bundesligaspiel etwas besonderes, deshalb haben wir uns auch noch mal so reingehauen“, sagte Unions Felix Kroos. Er war vor vier Jahren von Werder Bremen zum 1. FC Union gekommen, sein Herz sei immer noch grün-weiß, sagte der Mittelfeldspieler und schickte gleich nach dem Abpfiff erste Glückwünsche an seine ehemaligen Mitspieler.

          Düsseldorf wusste vor allem in der ersten Halbzeit zu wenig anzufangen mit dem vielen Ballbesitz, den die Berliner der Fortuna gönnten. Union blieb sich dagegen treu, die Führung resultierte aus einem Eckball. Kaum eine Mannschaft in der Bundesliga hatte sich das Stilmittel der Standardsituationen über die Saison so zu eigen gemacht wie der Aufsteiger. Letztendlich war es Anthony Ujah, der den Ball über den Linie beförderte. Ausgerechnet Ujah, der seine beste Zeit als Fußballer im Trikot des SV Werder verbracht und im Vorfeld seine Sympathie für den ehemaligen Klub bekundet hatte.

          Düsseldorf benötigte lange, um den Rückstand aus den Köpfen zu bekommen und als es gerade besser wurde, traf Christian Gentner zum 0:2. Ein weiter Abschlag des Berliner Torhüters Rafal Gikiewicz genügte, um sämtliche Düsseldorfer Mannschaftsteile zu überwinden.Die Fortuna bäumte sich auf, sie versuchte es im Anschluss noch mal und wer weiß, wie die letzten Minuten verlaufen wären, wenn der Schuss von Suttner nicht an der Latte, sondern im Berliner Tor gelandet wäre (69.).

          Die Zeit lief unerbittlich weiter, Bremen traf und traf im Parallelspiel und mit jeder Minute wurde der Düsseldorfer Abstieg gewisser. Dass Suleiman Abdullahi in der Schlussphase noch das dritte Berliner Tor erzielte, war am Ende nur noch für die Statistik von Bedeutung. „Das ist ein richtiger Tiefschlag. Wir hatten uns so viel vorgenommen. Heute war das zu wenig“, sagte Vorstand Uwe Klein.

          „Wir haben es in den letzten Wochen und Monaten, nicht nur heute, liegengelassen. Jetzt zu sagen, es ist unverdient, bringt auch nichts. Dass die Nerven nicht ganz sattelfest sind in der Situation, ist menschlich“, meinte Kaan Ayhan. Immerhin Trainer Rösler richtete den Blick schon nach vorne und schloss einen Rücktritt aus: „Die Tage Abstand brauchen wir alle. Wir wissen jetzt, wo wir sind. Wir müssen jetzt eine neue Mannschaft zusammenstellen. Einen Umbruch wird es schon geben.“

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