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Gehaltsobergrenze im Fußball? : „Wir sind damit in einem Rattenrennen“

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Ringen um den Ball: Düsseldorfs Kenan Karaman (links) und Mainz-Profi Danny Latza Bild: dpa

Fortuna Düsseldorfs Vorstandsvorsitzender Thomas Röttgermann spricht im Interview über die Einführung eines Salary Cap im Profifußball. Welche Vorteile und Nachteile gäbe es dabei? Und woran hakt es eigentlich?

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          Wie hoch ist der Anteil der Spielergehälter am Budget bei Fortuna Düsseldorf?

          Wir gehören in dieser Hinsicht nicht zur Spitze in der Branche, aber auch wir bei der Fortuna sprechen von knapp 45 Prozent, welche die Spielergehälter ausmachen am Gesamtumsatz. Im Profifußball bemerken wir und viele andere gerade schmerzlich, dass der Betrieb, so wie er aktuell organisiert und finanziert ist, extrem risikoreich ist. Spielergehälter stellen einen Großteil der Ausgaben dar, und man befindet sich in einem immerwährenden Rattenrennen mit Vereinen aus derselben Liga und internationalen Klubs.

          Was folgt daraus?

          Der Ist-Zustand ist schon sehr problematisch. Aber das viel größere Problem ist die Perspektive. Es wird demnächst wieder einen neuen Fernsehvertrag geben, der vermutlich wieder besser dotiert sein wird als der vorherige. Die Erfahrung aus der Vergangenheit lautet: Die hinzugewonnenen Umsätze landen mit einer kleiner Verzögerung in den Taschen der Spieler und deren Berater. Natürlich sind die Spieler de facto das Produkt und die Hauptprotagonisten. Ich möchte auch nicht den Spielern an ihr Geld, aber es braucht Regeln, um die Entwicklung der Vereine und des Fußballs insgesamt nicht zu gefährden. Darüber sollten wir jetzt dringend nachdenken und diskutieren.

          Wie könnten neue gemeinsame Regeln aussehen und ausgestaltet werden?

          Der aus dem nordamerikanischen Profisport längst bekannte Mechanismus Salary Cap muss als Grundlage dienen. Möglich wäre, eine Gehaltsobergrenze anhand des Gesamtumsatzes des jeweiligen Vereins zu errechnen. Oder die Festlegung von Gehaltsober- und -untergrenzen für Fußballprofis. Es geht aber zunächst darum, dass alle Vereine, und zwar europaweit, überhaupt bereit sind, über dieses Thema zu sprechen. Neben nicht von der Hand zu weisenden rechtlichen Schwierigkeiten ist dies ja der Grund, warum man in dieser Frage nie wirklich weit gekommen ist. Weil es immer Ligen gab, die sich von solchen Überlegungen von vornherein abgekoppelt haben.

          Klare Worte: Thomas Röttgermann
          Klare Worte: Thomas Röttgermann : Bild: dpa

          Nun, in der paneuropäischen Krise des Fußballs, ist die Gelegenheit günstig?

          Es gab noch keine solche krisenhafte Entwicklung in ganz Europa zugleich. Nun drückt alle Vereine der Schuh an derselben Stelle. Deshalb gilt es, mit Ernsthaftigkeit und ohne Denkverbote an das Thema heranzugehen. Das wäre Aufgabe der Verbände, braucht aber sicher die Initiative der Vereine.

          Dennoch scheint der Weg extrem weit, von der hyperreichen englischen Premier League bis hin zur portugiesischen Liga eine einheitliche Regelung zu finden.

          Ja, weil in den einzelnen Ländern seit Jahren jeder neue Fernsehvertrag 20 bis 100 Prozent mehr Geld bringt. Dieses wird von den Vereinen sofort in die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der Mannschaften investiert. Indem man Spieler verpflichtet, die man sich zuvor nicht leisten konnte. Und zwar über hohe Gehaltszahlungen. Diese Entwicklung gilt es einzufangen.

          Niemand lässt sich gerne seine Pfründe beziehungsweise den Vorsprung vor der Konkurrenz nehmen.

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