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Gehaltsobergrenze im Fußball? : „Wir sind damit in einem Rattenrennen“

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Die Spieler sollen sehr, sehr gut verdienen – sie sind schließlich der Grund, warum die Leute ins Stadion gehen oder den Fernseher einschalten. Aber diese verbreiteten Exzesse muss man in den Griff bekommen, um die Peaks nach oben nicht derart ausarten zu lassen. Was nicht nur die jetzt zu beobachtende Anfälligkeit der Vereine reduziert, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit in den Ligen erhöhen würde. Denn wenn ein Klub wie der SC Paderborn oder auch wir nur zehn Prozent des Etats von Bayern München haben, dann zeigt das nicht nur die wirtschaftlichen Möglichkeiten, sondern zementiert im Ergebnis auch die sportlichen Möglichkeiten. Das hat mit dem Sportgedanken im eigentlichen Sinne und der Maxime, der Bessere möge gewinnen, nicht mehr viel zu tun.

Das wird Ihnen vermutlich als Sozialneid ausgelegt werden als Repräsentant eines Klubs, der im vergangenen Jahrzehnt gerade mal drei Jahre erstklassig war.

Ich weiß, dass jeder, der in den vergangenen Jahren über Salary Cap oder einen anderen Schlüssel bei der Fernsehgeldverteilung gesprochen hat, schnell in eine Art sozialistische Ecke gestellt wurde. Wir wollen keine plumpe Schwächung der Starken zum Vorteil der Schwächeren. Natürlich dürfen Vereine, die ihre starke Wettbewerbsposition durch gute Arbeit erreicht haben, nicht enteignet werden. Aber diese Spreizung, die wir in den deutschen und europäischen Ligen sehen, was die Finanzen und die Spielergehälter betrifft, ist ein Problem.

Nur, wie könnte man Fortuna und Bayern jemals unter einen Deckel bekommen?

Es lohnt der Blick über den Atlantik auf die Modelle, die in Amerika existieren. Zugegebenermaßen in anderen Sportarten. Aber auch dort gibt es Beinfreiheit für die Klubs und keine Gleichschaltung. Dort wird immer noch der Klub belohnt, der gut wirtschaftet, der gut scoutet und einen guten Blick für Spieler hat. Und so soll es ja sein. Es gibt nicht nur Schwarzweißmodelle, sondern Spielarten, um zu einem Ausgleich innerhalb der Ligen und zwischen den Ligen zu kommen. Ich weiß von etlichen Vereinen, die sich an solchen Diskussionen beteiligen würden: Wir brauchen ein Forum, in dem wir darüber diskutieren. Und zwar ohne die üblichen Stimmen, die „geht nicht“ oder „ohne uns“ sagen.

Martin Kind von Hannover 96 und Ewald Lienen haben sich schon ähnlich geäußert ...

... es gibt noch kein einheitlich organisiertes Vorgehen mit Blick auf einen möglichen Salary Cap. Im Gespräch mit Kollegen in diesen Zeiten sind viele sehr aufgeschlossen. Lediglich für die, die gerade um ihre Existenz kämpfen, steht Perspektivisches, was erst in drei oder vier Jahren greifen könnte, nicht auf der Tagesordnung. Aber es ist die Zeit, dies auf die Tagesordnung zu setzen.

Denken Sie in diesem Zusammenhang auch an eine Begrenzung der Ablösesummen?

Wenn man beispielsweise sagte, der Personaletat darf nicht mehr als 40 oder 50 Prozent des Gesamtetats betragen, dann wären Ablösesummen darin enthalten. Wer mag, kann seinen Etat für zwei, drei Topstars weitestgehend erschöpfen. Was trotzdem zu mehr Wettbewerbsgleichheit führte, weil die anderen Vereine dann bei anderen Spielern eher zum Zug kommen. Wir brauchen Mechanismen, die nachwirken, aber gleichzeitig den Vereinen Spielräume lassen. Darum geht es.

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