https://www.faz.net/-gtm-9umz8

Düsseldorf unter Druck : Der Klub und die Kneipe

  • -Aktualisiert am

Das war’s: Friedhelm Funkel muss bei Fortuna gehen. Bild: dpa

Zwar ist das „Fortuna-Eck“ vorerst gerettet, die Düsseldorfer Fußballspieler müssen in der Bundesliga aber um den Klassenverbleib bangen. Dabei geht es auch um einen neuen Vertrag für Trainer Friedhelm Funkel.

          3 Min.

          Anfang der Woche hat sich Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel mit „guten Nachrichten“ auf Twitter gemeldet. Da verkündete der SPD-Politiker die Rettung einer jahrzehntealten Institution im Arbeiterbezirk Flingern, er tat das mit einem Foto aus dem „Fortuna-Eck“. Der bierseligen Kneipe, in der früher die Toten Hosen verkehrten, drohte ein bekanntes Schicksal im immer schicker werdenden Viertel: neuer Investor, Mieterhöhung, Verlust der alten Heimat. Dagegen regte sich Widerstand, es gab gar eine Online-Petition. Also lud Geisel den neuen Hauseigentümer ins Rathaus, nun gilt der alte Mietvertrag für mindestens ein weiteres Jahr.

          Bundesliga

          Zu einer anderen Düsseldorfer Institution hat Geisel lange nichts getwittert. Auch die heißt Fortuna, auch die ist eng mit den Toten Hosen verbunden, auch die kommt aus Flingern. Mit harter Arbeit ist das derzeit aber so eine Sache bei Düsseldorfs Berufsfußballern. Zwar rufen die Fans allerorten nach mehr Leidenschaft, wenn es nicht läuft, aber bei der Fortuna scheint das nicht unbegründet zu sein. Auch Trainer Friedhelm Funkel und Sportvorstand Lutz Pfannenstiel äußerten sich jüngst kritisch zum Engagement ihrer Spieler. Weil es zuletzt nur einen Punkt und 1:16 Tore aus fünf Spielen gab. Fast ohne Gegenwehr ließ sich die Fortuna von Bayern (0:4), Borussia Dortmund (0:5), RB Leipzig (0:3) und vom FC Augsburg (0:3) vorführen. Deswegen ergeht es dem Klub nun wie der Kneipe: Ihm droht das Ende in der angestammten Umgebung. Nach 16 Spielen stehen die Rheinländer mit gerade mal drei Siegen auf dem vorletzten Platz der Bundesliga.

          Das liegt natürlich auch daran, dass in Abwehrchef Kaan Ayhan nur noch eine der fünf Stützen der überraschend starken Vorsaison (Platz zehn) auf dem Rasen steht. Torwart Michael Rensing und Spielmacher Kevin Stöger sind seit Monaten verletzt, die belgischen Flügelflitzer Benito Raman und Dodi Lukebakio waren nicht zu halten. Und ihre Vertreter sind bislang den Nachweis schuldig geblieben, im Kampf gegen den Abstieg besonders hilfreich zu sein. Aber auch insgesamt scheint der Fortuna all das abhandengekommen zu sein, was sie in der vergangenen Spielzeit auszeichnete: die Unbekümmertheit eines Aufsteigers, der Wille, über sich hinauszuwachsen, und die taktischen Überraschungsmomente. Am Ende durfte die Fortuna auf Siege gegen Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach oder Schalke und ein vielbeachtetes 3:3 in München blicken.

          Mit der Vergangenheit wollen sie sich in Düsseldorf allerdings nicht mehr beschäftigen: „Das letzte Jahr müssen wir vergessen, das bringt uns nichts mehr“, sagte Trainer Funkel nun vor dem wegweisenden Spiel an diesem Sonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) gegen Union Berlin. Geht auch das verloren, wird es ungemütlich, weil die Konkurrenz angefangen hat, zu punkten. Doch Funkel gibt sich gelassen: „Wir wollen dranbleiben, und das werden wir auch schaffen. Wir werden ein Spiel sehen, bei dem sich die Mannschaft zerreißen wird.“ Tut sie das nicht, dürften auch die Rufe nach einem Wechsel auf der Trainerposition lauter werden. Die sind bereits zu vernehmen.

          Und dennoch scheint es außer Frage zu stehen, dass Funkel bald einen neuen seiner üblichen Einjahresverträge unterschreibt. Zumindest für ihn steht das außer Frage. „Ich bin sehr optimistisch, dass wir sie diese Woche noch offiziell verkünden können. Ich sage es in aller Deutlichkeit: Ich hätte null Verständnis dafür, wenn irgendjemand am Trainerteam zweifeln sollte oder sogar etwas verändern will“, zitierte ihn diese Woche die „Bild“-Zeitung. Neu ist das Thema nicht. Vergangenen Winter war der Streit um Funkels Vertrag eine der Possen der Bundesliga-Saison. Vorstand Robert Schäfer wollte den Trainer loswerden, der brach daraufhin öffentlich in Tränen aus und provozierte einen Volksaufstand. Am Ende durfte Funkel bleiben, Schäfer musste gehen.

          So etwas wollen sie dieses Jahr unter allen Umständen vermeiden. Gerade Schäfer-Nachfolger Thomas Röttgermann, der wegen der Mitarbeit an einer Fußball-App selbst genug Ärger am Hals hatte. Bei der Mitgliederversammlung im November sagte der neue Vorstand noch, es seien „bereits erste Gespräche für die neue Saison mit unserem Cheftrainer geführt worden, weil wir absolut von seiner Arbeit überzeugt sind“. Bis vor wenigen Tagen schien der neue Kontrakt nur Formsache zu sein. Am Dienstag in Augsburg gab sich Sportvorstand Pfannenstiel aber zurückhaltend, ob noch vor Weihnachten verlängert wird: „Schau’n mer mal.“

          Viel dürfte vom Spiel am Sonntag gegen Union abhängen. Ein ähnlich blutleerer Auftritt wie in Augsburg würde die Zahl der Kritiker weiter wachsen lassen. Zudem geht es längst nicht nur um die Arbeitseinstellung der Spieler: Seit Wochen ist eine Spielidee nicht mal zu erahnen. „Vor allem mit Ball hat uns einiges gefehlt, gefühlt kam jeder Ball ganz schnell zurück“, sagte Abwehrchef Ayhan in Augsburg. Vom schnellen Konterspiel aus der Vorsaison ist nichts mehr zu sehen. Auch in der sah es im Dezember düster aus, ehe es zum Abschluss der Hinrunde drei Siege in Folge gab – der Startschuss für eine herausragende zweite Halbserie im neuen Jahr. Ein solcher Lauf ist nun nicht mehr möglich. Es steht nur noch ein Spiel bis zur Winterpause an. Ein besonders wichtiges, wie Funkel betont. Für die Chancen auf den Klassenverbleib. Und für seinen neuen Vertrag.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trump steht innenpolitisch unter Druck, weil er die Pandemie anfangs kleingeredet hatte.

          Vorwürfe gegen Trump : Wie man mit Masken Politik macht

          Kauft Washington überall Atemschutzmasken auf und leitet Bestellungen um? Deutsche und französische Politiker behaupten das. Aber ist an den Beschuldigungen etwas dran – oder ist es nur Anti-Trump-Polemik?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.