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Fortuna Düsseldorf : Glück und Schicksal

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Düsseldorf, Flingern: Die Bahnlinie markiert die Grenze zwischen Nord-Flingern und Süd-Flingern, ehemals ein Arbeiterviertel, mittendrin liegt in Flinger Broich das Vereinsheim der Fortuna
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          Wo der Fußball zu Hause ist im schicken Düsseldorf, ist Düsseldorf keine schicke Stadt. Ein Eisenbahndamm teilt den Stadtteil Flingern mit einem lauten Schnitt in Flingern Nord und Flingern Süd. Flingern war früher ein Arbeiterviertel, damals, als in Düsseldorf noch Röhren hergestellt wurden oder Glas. Von der Industrie blieb nicht viel übrig, und Flingern ist heute eine wilde Mischung. Flingern Nord ist schwer angesagt bei der postindustriellen Generation, die nichts anfangen kann mit dem Geprotze auf der Königsallee. Im Nordteil von Flingern gibt es Galerien, Cafés und Kneipen mit so schönen Namen wie Hüftgold, Blattgold oder Hausfreund. Flingern Süd hat es schwerer. Immerhin haben sich dort mittlerweile so viele Autohändler angesiedelt, dass das nicht zu Untertreibungen neigende Düsseldorf meint, es besitze die größte Automeile Europas.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Zwischen Flingern Nord und Flingern Süd liegt der Flinger Broich, der so heißt, weil dort früher einmal ein Broich, also ein Sumpf, war. Das ist die Heimat der Fortuna. Vom Paul-Janes-Stadion hat man einen exzellenten Blick auf die Düsseldorfer Müllverbrennungsanlage. Auch ein Schrottplatz ist nicht weit. Und wenn Paul Jäger aus seinem Büro in der Geschäftsstelle von Fortuna Düsseldorf 1895 e.V. schaut, sieht er eine Schrebergartenanlage. Seit langem schon empfängt der Verein zwar seine Heimspielgegner am anderen Ende der Stadt in Stockum. Hier war viele Jahre lang das riesige, legendäre Rheinstadion die Spielstätte der Fortuna. Heute steht auf dem Gelände die moderne Esprit-Arena. Aber die Geschäftsstelle bleibt in Flingern. „Denn hier hat Fortuna, der alte Arbeiter- und Kleinbürgerverein, ihre Seele“, sagt Jäger, der geschäftsführende Vorstand, der die Geschicke von Fortuna unter den Augen einer weißen Statue der Fortuna, der Glücks- und Schicksalsgöttin, leitet. „Wir werden hier nie weggehen.“ Daran ändert auch der Aufstieg in die Bundesliga nichts. Im Gegenteil sei es gerade deshalb ganz wichtig, dass Fortuna nun bescheiden bleibe.

          Großzügig zurückdatierte Geburtsstunde

          Bescheidenheit ist in diesen Tagen das Lieblingswort der Fortuna-Verantwortlichen. Nur den Erfolg nicht durch Übermut gefährden. Denn wie flüchtig der Erfolg im Fußball sein kann, weiß man kaum irgendwo besser als im sonst so erfolgreichen Düsseldorf. Fortuna kann launisch sein. Fortuna kennt auch den Weg nach ganz unten. Kein anderer großer Traditionsverein ist jemals so abgestürzt wie der Klub aus Düsseldorf-Flingern. Noch im Jahr 2008 bedachte Dietmar Hopp, der Mäzen der TSG Hoffenheim, Fortuna deshalb mit reichlich Häme. Vergessen schien, dass die Fortuna 1933 deutscher Meister wurde und im Dezember 1978 dem FC Bayern München mit 7:1 seine bisher höchste Auswärtsniederlage beibrachte. Bis in die vierte Liga ging die Talfahrt für Fortuna. Die Gegner hießen nicht mehr München oder Stuttgart, Dortmund oder Leverkusen, sondern Borussia Freialdenhoven und SV Rheydt. Glück und Schicksal. Nur die absolut eingefleischten Fans, zu denen Prominente wie der amtierende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach, und der Kabarettist Dieter Nuhr gehören, hielten Fortuna die Treue.

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