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Fortuna Düsseldorf : Glück und Schicksal

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Die „Toten Hosen“ um Sänger Campino sprangen schließlich mit einer Summe von einer Million Euro für zwei Jahre ein, um die Beerdigung zu verhindern, wie Campino einmal formulierte. Im Gegenzug durfte die Punkband auf den Trikots der Spieler mit ihrem Totenkopf-Logo werben. Das Motto der „Toten Hosen“ lautete: „Egal ob dritte oder vierte Liga - Fortuna gehört zu Düsseldorf wie Altbier oder der Rhein.“ Tatsächlich war der Tiefpunkt des Traditionsvereins noch nicht erreicht. Denn zwischen 2002 und 2004 musste Fortuna sogar in der viertklassigen Oberliga spielen. Es war die Zeit, als all jene Fortunen, die noch nicht demütig genug waren, wahre Demut lernten. „Die Tour über die Dörfer hat die Fans richtig zusammengeschweißt“, sagt Geschäftsführer Jäger. „Entweder Bankrott oder Aufstieg.“

Peter Frymuth, der Fortuna-Vorstandsvorsitzende, hat im Restaurant der Esprit-Arena Platz genommen und schaut durch das große Panoramafenster auf die bunten Zuschauerränge. Die Esprit-Arena ist ein Glücksfall für die Fortuna. Anfang 2001 beschloss der Rat der Stadt, direkt neben der Düsseldorfer Messe die moderne Multifunktionsarena mit mehr als 50.000 Zuschauerplätzen zu bauen. Viele Düsseldorfer bezweifelten, dass man das Megastadion wirklich brauche. Zu erfolglos sei doch die Fortuna. Der damalige Oberbürgermeister Joachim Erwin aber wollte Düsseldorf zur modernen Sportstadt machen. Und dazu brauchte er sowohl eine Mehrzweckarena als auch einen halbwegs erfolgreichen Fußball-Klub, der regelmäßig in ihr spielt. Und deshalb glaubte Erwin einfach, dass sich das Schicksal der Fortuna mit etwas Glück wieder wenden würde.

Paul-Janes-Stadion: Hier begann alles. Heute spielt die Fortuna aber in der Esprit-Arena am anderen Ende der Stadt in Stockum

Mit Erwin entdeckte die Stadt ihren Fußballverein wieder und half aktiv bei seiner Rettung mit. Trotzdem konnten auch viele Fortunen sich erst nicht recht vorstellen, in der „Kapitalistenschüssel“ spielen zu sollen. Als die Arena fertig war, hatte der Drittligist ein Erstliga-Stadion - und zog gleich bei der Premiere gegen Union Berlin mehr als 38.000 Zuschauer an. Es war ein neuer Rekord in der Regionalliga Nord. Es hätte der rauschende Neuanfang werden können. Noch einmal aber drohte die Fortuna in die vierte Liga abzustürzen. Ende 2004 übernahm Frymuth dann den Fortuna-Vorstandsvorsitz. „Es war kein anderer weit und breit, der den Job machen wollte.“ Frymuth ist auch ein Glücksfall für die Fortuna. Früher gab es viele Formen des Größenwahns im Verein. Ein Autohändler war einst Vorstandsvorsitzender, auch einmal ein Galerist. Und am Ende blieb nichts als ein großer Haufen Schulden. Manchen galt Fortuna als Schimpfwort, damals.

Frymuth hat kein Autohaus, keine Praxis oder Galerie. Er gehört nicht zur Düsseldorfer Hautevolee, sondern leitet die Bezirksverwaltungsstelle 8 im Stadtteil Eller. Er ist ein Mann von der Basis. Als Frymuth sein Fortuna-Amt antrat, sagte er: „Wir gehen ab jetzt bescheiden durch die Stadt.“ Und genauso hielt es die Fortuna - und hatte wieder Erfolg. Beim Heimspiel gegen Werder Bremen II im Mai 2009 kamen mehr als 50.000 Zuschauer in die Düsseldorfer Arena - so viele wie noch nie bei einer Drittligapartie. Weil die Fortunen die Bremer schlugen, stiegen sie endlich wieder in die zweite Spielklasse auf. 2009/2010 hätte die Mannschaft beinahe den direkten Durchmarsch in die erste Liga geschafft. Doch vielleicht noch wichtiger war, was der Fortuna in der Saison darauf gelang: Seit November 2011 ist sie schuldenfrei. „Ohne Teamwork im Vorstand und Aufsichtsrat hätten wir das nicht geschafft“, sagt Frymuth.

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