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Terror-Folgen für Bundesliga : Das Stadion wird zur Festung

Nicht nur in Frankfurt gab es am Bundesliga-Spieltag hohe Polizei-Präsenz. Bild: dpa

Abgeriegelte Stadien, gepanzerte Busse, aufwendige Sicherheit: Der Terror wird die Fußball-Bundesliga verändern. Dabei ist eine wichtige Frage noch offen. Die Antwort dürfte für viele Fans weitreichende Folgen haben.

          Überall Zeichen des Mitgefühls. Bundesligaspieler mit Trauerflor, rührende Fans, die ihre Solidarität und ihren Trotz demonstrieren eine Woche nach den Anschlägen von Paris. Wir treten an, wir schauen zu, der Ball muss rollen: Am Freitag überspielte der Hamburger SV beim 3:1-Sieg über Borussia Dortmund die Tragödie und den Schrecken der vergangenen Tage in einer Halbzeit.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Schon zur Pause diskutierten Fans die Aussicht der Hanseaten auf einen Europapokalplatz - und nicht die Sicherheitslage. Die schönste Nebensache der Welt stand wieder im Mittelpunkt: Tore, Jubel, Heiterkeit. „Die Menschen“, hatte sich Dortmunds Trainer Thomas Tuchel gewünscht, „sollen Fußball wieder als das wahrnehmen können, was er ist, als Unterhaltung.“

          Hinter den Kulissen ist führenden Politikern und Geheimdiensten nicht nach Entspannung zumute. Sie äußern sich nicht offiziell, sie setzen auf die Rückkehr eines Normalitätsgefühls, um in „Ruhe“ alle Vorbereitungen zu treffen. Die vereitelten Anschläge in den vergangenen Jahren, schreibt das Innenministerium, belegten, dass „wir von einem Durchgangs- zu einem der Zielländer des internationalen Terrorismus geworden sind“.

          Im Bekennerschreiben des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) zu den Attentaten in Paris ist von einer „sorgfältigen“ Auswahl der Ziele zu lesen: mit der Begegnung der „Kreuzfahrer“ Frankreich und Deutschland im „Stade de France“. Der IS hat sich das Lieblingsspiel der Menschen vor allem in Europa ausgesucht für die Attacken seiner Mörder.

          „Die Attentäter in Paris haben ja vorgehabt, ihre Bomben im Stadion zu zünden – vor einem Millionenpublikum an den Fernsehern“, sagt Rolf Tophoven, Leiter des Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik in Essen, und schaut über die Bundesliga hinaus auf das zweitwichtigste Turnier im Leben europäischer Fans, die vierwöchige Fußball-EM 2016 in Frankreich, beim Nachbarn um die Ecke. Deutschland will den Titel gewinnen: „Man kann davon ausgehen, dass die Fußballveranstaltung im nächsten Jahr längst ins Fadenkreuz der Terroristen geraten ist.“

          Sommer, Sonne, Urlaub, Fußball. Das Fest soll unbedingt stattfinden. Dabei steht ausnahmsweise nicht der Kommerz als Triebfeder im Vordergrund, sondern die Staatsraison. Der Präsident des Französischen Fußball-Verbandes, Noël Le Graet, seine Nationalmannschaft, die französische Liga und auch die französische Regierung haben längst einen Schulterschluss geübt. Nur nicht weichen.

          „Es wäre ein verheerendes Zeichen“

          Aber selbst Sicherheitsexperten ohne Anbindung zum professionellen Fußball fordern, an der Austragung der EM festzuhalten: „Ich garantiere, wenn der französische Präsident sich hinstellt und die Europameisterschaft wegen Sicherheitsbedenken absagen muss, dann würde das vom IS als größter Erfolg gefeiert werden“, sagt Peter Neumann, der Direktor des International Center for the Study of Radicalisation am Londoner King’s College und Experte für islamistischen Terror: „Es wäre ein verheerendes Zeichen.“

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