https://www.faz.net/-gtm-9wl2s

Fußball-Bundesliga : Bremer Autosuggestion statt Abstiegskampf

Es wird einfach nicht besser: Bremen-Trainer Florian Kohfeldt Bild: dpa

Die Bremer verlieren acht der letzten neun Spiele in der Bundesliga. Beim 0:3 in Leipzig spielen sie schwach. Bei Werder deutet alles auf einen Absturz hin – nur in der Analyse von Trainer Florian Kohfeldt nicht.

          3 Min.

          Wenn man Florian Kohfeldt nach dem Spiel in Leipzig bei der Pressekonferenz zuhörte, konnte man meinen, Werder Bremen habe ein alltägliches Spiel in der Fußball-Bundesliga verloren. Aber vielleicht war diese vollkommen verdiente 0:3-Niederlage für den Trainer mittlerweile auch schon vollkommen alltäglich, wäre ja auch kein Wunder. Kohfeldt jedenfalls saß danach mit durchgedrücktem Kreuz und klarem Blick auf seinem Stuhl und analysierte das Bremer Spiel äußerlich so routiniert und unbeeindruckt, dass es zur beunruhigenden Lage von Werder kaum passen wollte.

          Bundesliga
          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Wie der verdiente Leipziger Heimsieg zustande kam, war für uns trotzdem ein bisschen ärgerlich, darüber bin ich auch sehr ärgerlich, weil ich die erste Halbzeit weitestgehend in Ordnung fand“, sagte Kohfeldt und sprach dabei von einigen Offensivaktionen, die seine Mannschaft aber nicht richtig ausgespielt habe. Kohfeldt wirkte nicht einmal sonderlich unzufrieden mit einem Bremer Auftritt, dem in Wahrheit aber jeder Überzeugungs- und Durchschlagskraft gefehlt hatte.

          Und dann sprach er von den zwei Standardsituationen, die schon in der ersten Halbzeit zu den beiden Leipziger Toren durch Klostermann (16. Minute) und Schick (39.) führten und seinem Team wieder einmal zum Verhängnis geworden seien. Und nach der Pause eben noch schnell das 0:3, durch Mukiele (46.), das war’s dann, aber trotzdem habe man noch versucht, ein Tor zu schießen, vergeblich halt. In der Tat: So konnte man das Spiel von Werder Bremen sehen. Nichts, was Kohfeldt sagte, war wirklich falsch. Nur mit dem dramatischen Absturz von Werder hatte die Analyse des Trainers nichts zu tun.

          Das Wichtigste jedenfalls erfuhr man nicht von Kohfeldt an diesem Tag, man spürte auch nichts davon: Dass Werder Bremen gerade sein achtes von neun Bundesligaspielen verloren hat, davon nun vier in Serie. Kein Wort dazu. Dass Werder Bremen in diesen neun Spielen gerade einmal drei Tore geschossen hat, wobei das schon nicht ganz stimmt, denn die beiden letzten Treffer waren ein Augsburger und ein Düsseldorfer Eigentor, der letzte selbst erzielte Bremer Bundesligatreffer datiert vom 13. Dezember bei der 1:6-Klatsche in München. Kein Wort dazu. Dass Werder mit 51 Gegentoren, davon zehn nach Eckstößen, sich zur Schießbude der Liga entwickelt hat, mit 2,3 Gegentoren im Schnitt. Dass Werder Bremen auf dem vorletzten Tabellenplatz festklebt, und nur von Glück sagen konnte, an diesem Spieltag nicht auch noch als Letzter dazustehen, weil Paderborn sein Heimspiel unglücklich verlor. Kein Wort dazu. Vor der Kamera versicherte Kohfeldt unmittelbar nach dem Abpfiff jedoch: „Auf jeden Fall bin ich kämpferisch, wir müssen weitermachen.“

          Von dieser Überzeugung war jedoch schon wenige Minute später bei der Pressekonferenz nicht mehr viel zu bemerken, falls überhaupt. Von einem echten Kampf gegen Abstieg konnte an diesem Samstag bei Werder in Taten und in Worten insgesamt nur schwerlich die Rede sein. Und das zu diesem Zeitpunkt kurzfristig vor der Partie in Leipzig angesetzte „Trainingslager“, oft das letzte Mittel in der Schlussphase des Abstiegskampfs, war wirkungslos verpufft.

          In der Kabine habe seine Mannschaft „natürlich“ enttäuscht gewirkt, aber „nicht ratlos“ und auch „nicht aufgebend“, behauptete Kohfeldt. Das waren schon die stärksten aufmunternden Worte des Trainers in Richtung Zukunft nach einem Bremer Auftritt, dem es an echter Widerstandskraft von Beginn an gemangelt hatte. Viel bezeichnender als alle Bremer Autosuggestion vom eigenen Willen und eigenen erstklassigen Fähigkeiten im Abstiegskampf war die Tatsache, dass Leipzig die Partie in der zweiten Halbzeit mit Blick auf das Hinspiel im Achtelfinale in der Champions League an diesem Mittwoch bei Vorjahresfinalist Tottenham im Schongang und dann sogar noch in Unterzahl locker zu Ende spielen konnte. Stürmer Patrik Schick, dem in der Schlussphase Krämpfe zu schaffen machten, konnte unbesorgt und vorzeitig vom Platz gehen.

          Auch in Unterzahl ließ Leipzig die Partie locker auslaufen. „Wir haben drei Tore geschossen und ich erinnere mich nicht an eine Bremer Chance“, sagte Schick ungerührt über einen Leipziger Sieg, der für RB tatsächlich nicht mehr als ein Alltagserfolg war. Einer, von dem der zwischenzeitliche Tabellenführer wusste, dass er ihm in der Bundesliga nicht so oft so leichtgemacht wird. Und gewiss ist auch: Wenn sich im Norden nicht bald etwas ändert, wird man sich dort nicht wundern müssen, wenn am Ende der Saison offiziell werden sollte, was am 22. Spieltag zwischen RB Leipzig und Werder Bremen schon bei einem ganz alltäglichen Bundesligaspiel offensichtlich war: Ein Klassenunterschied.

          Weitere Themen

          Der Zwei-Drittel-Bayer bleibt in München

          Thomas Müller : Der Zwei-Drittel-Bayer bleibt in München

          Der letzte echte Bayer der Bayern verlängert seinen Vertrag bis Mitte 2023. Das macht nicht nur ihn froh, sondern auch den Trainer, der zuvor einen neuen Vertrag unterschrieb. Hansi Flick stellt das Team zudem auf flexible Spieltermine ein.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.