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Fleischfabrikant : Clemens Tönnies verlässt den Schalker Aufsichtsrat

  • Aktualisiert am

Clemens Tönnies Bild: dpa

Der Aufsichtsratschef beugt sich der Fan-Wut: Clemens Tönnies legt seine Ämter bei Schalke 04 nieder. Der Fleischfabrikant war zuletzt auch wegen des Corona-Ausbruchs in seinem Unternehmen in die Kritik geraten.

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          Der mächtige Aufsichtsratschef Clemens Tönnies legt beim Fußball-Bundesligaklub Schalke 04 seine Ämter nieder. Das hat der Klub offiziell bestätigt. Zuletzt hatte die Schalker Ultra-Bewegung nochmals intensiv den Abschied des milliardenschweren Fleischfabrikanten gefordert, der sich im vergangenen August in einer Rede rassistisch geäußert hatte. Am Samstag demonstrierten Schalke-Fans rund um die Arena wegen der Lage bei ihrem Klub und forderten unter anderem den Tönnies-Rücktritt.

          „Es war mir stets eine Ehre, diesem großen Klub über ein Vierteljahrhundert dienen zu dürfen. Und es erfüllt mich mit Dankbarkeit und etwas Stolz, dass ich von den Mitgliedern immer wieder als Aufsichtsrat bestätigt wurde. Selbstverständlich werde ich dem FC Schalke 04 ein Leben lang verbunden bleiben“, schrieb Tönnies selbst in seinem Rücktrittsgesuch.

          „Meine Hauptaufgabe ist es, mich aktuell voll und ganz auf mein Unternehmen zu konzentrieren, es erfolgreich durch die schwerste Krise seiner Geschichte zu führen“, schrieb Tönnies weiter.“ An die Gremien schrieb er weiter, dass ihm die Entscheidung „nach so vielen Jahren sehr schwergefallen“ sei.

          Klub reagiert offiziell mit Bedauern

          „Wir wissen, wie schwer ihm diese Entscheidung gefallen ist, daher gebührt ihr unser höchster Respekt“, sagten Sportchef Jochen Schneider und Marketing-Vorstand Alexander Jobst in einer gemeinsamen Erklärung. Darin verwiesen beide auf die Verdienste von Tönnies, der zuletzt aber massiv in die Kritik geraten war.

          „Wir als Aufsichtsrat des FC Schalke 04 bedauern die Entscheidung von Clemens Tönnies sehr“, sagte Dr. Jens Buchta, Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats des FC Schalke 04. „Er hat das Gremium als Vorsitzender in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten mit seiner Mischung aus Bodenständigkeit und Dynamik geprägt, immer wieder war er der Motor, der wegweisende Prozesse angestoßen und federführend begleitet hat. Er wird mit seiner Erfahrung und Expertise in seiner Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender schwer zu ersetzen sein.“

          Nach Informationen der F.A.Z. hatte Tönnies in der Aufsichtsratssitzung lange Zeit nicht das Wort ergriffen. Dem Vernehmen nach soll aber eine Mehrheit der Kontrolleure in dem bis vor wenige Tage Tönnies großteils treu ergebenen Gremium auf einen Rückzug gedrängt haben.

          Seit 1994 im Aufsichtsrat

          Tönnies war seit 1994 Mitglied im Kontrollgremium des Clubs und stand diesem seit 2001 vor. In dieser Zeit wurde Schalke dreimal Pokalsieger, fünfmal Vize-Meister und spielte zehnmal in der Champions League. Zuletzt wurden die sportlichen und wirtschaftlichen Probleme aber immer größer. In der Saison 2018/2019 stieg Schalke beinahe ab. In der soeben abgelaufenen Spielzeit träumte der Club nach überragender Hinserie unter Trainer David Wagner von der Rückkehr in den Europapokal, stürzte in der Rückserie aber jäh ab. Nach 16 sieglosen Spielen am Stück beendete Schalke die Saison nur auf Rang zwölf.

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          Schon vor der Corona-Krise wuchsen die Verbindlichkeiten auf fast 200 Millionen Euro an. In seiner Not soll der Klub eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen beantragt haben, um den Fortbestand zu sichern. Hinzu kam der Ärger um Tönnies, der sich immer heftiger entlud. Am Eingang der alten Schalker Glückaufkampfbahn prangte zuletzt ein Banner mit der Aufschrift: „Keine Ausbeuter bei S04 - Tönnies Raus!“ Und an einer Brücke und am Bauzaun des alten Parkstadions gab es Plakate mit gleichlautenden Rücktrittsforderungen. Und: „Keine Rassisten auf Schalke!“

          Schon im vergangenen Jahr hatte Tönnies den Großteil der Fans mit umstrittenen Äußerungen zu Afrikanern verärgert. Diese waren ihm als rassistisch ausgelegt worden.

          Dem Unternehmer wehte zuletzt auch aus anderen Gründen der Wind ins Gesicht: In Tönnies' Zerlegebetrieb in Rheda-Wiedenbrück hatte es zuletzt einen großen Corona-Ausbruch mit mehr als 1500 Fällen gegeben.

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