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Finanzpolitik der Fußballvereine : Mainzer Kämpfer ohne viele Millionen

Mehr als nur ein Karnevalsverein: Die Mainzer reisen als Tabellenführer nach München Bild: dapd

Kein Festgeldkonto wie der FC Bayern, kein Milliardär wie Hoffenheim: Der FSV Mainz 05 hat es mit ungewöhnlichen Personalentscheidungen und solider Finanzpolitik zumindest vorübergehend an die Spitze der Fußballbundesliga gebracht.

          Zu den ewigen Fragen im Fußball gehört, ob Geld nun Tore schießt und deshalb reiche Vereine erfolgreicher sind als ärmere. Für eine Antwort wird gerne der FC Bayern München herangezogen, der nicht nur so erfolgreich ist wie kein anderer Bundesligaverein, sondern auch die höchsten Gewinne erwirtschaftet. Demnach heißt die Antwort ja, auf Dauer bringt mehr Geld mit hoher Wahrscheinlichkeit auch mehr Erfolg ein.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Hinge der sportliche Erfolg also ausschließlich vom Volumen der Investitionen in Steine und Beine ab, dann müsste das Heimspiel der Bayern gegen den FSV Mainz 05 an diesem Samstag eine einseitige Angelegenheit werden. Denn laut dem Internetportal Transfermarkt.de haben die Profis von der Isar einen addierten Marktwert von mehr als 300 Millionen Euro, der Kader vom Rhein wird auf nicht einmal 50 Millionen taxiert. Die Bayern haben mehr als 150.000 zahlende Vereinsmitglieder, die Rheinhessen keine 10.000. Das berühmte Festgeldkonto der FC Bayern München AG wies zuletzt knapp 180 Millionen Euro an Eigenkapital auf. Zwar ist der Stand des Mainzer Girokontos nicht veröffentlichungspflichtig, er dürfte jedoch nur einen Bruchteil des Bayern-Polsters aufweisen. Die Zahlenspiele ließen sich fortsetzen, was aber nicht nötig ist, um die wirtschaftliche Asymmetrie beider Klubs deutlich zu machen.

          „Ein bisschen wie Disneyland“

          Dass es jedoch – zumindest zeitweise – immer noch gelingt, den Automatismus des dicksten Portemonnaies außer Kraft zu setzen und dem Fußball damit erst die nötige Spannung zu geben, zeigt der Blick auf die aktuelle Tabelle. Da stehen die Mainzer nach fünf Spieltagen mit der maximalen Ausbeute von 15 Zählern auf Platz eins, haben mit ihrer offensiven Grundausrichtung schon zwölf Tore erzielt. Die Bayern-Stars kommen als achter des Klassements gerade mal auf vier Treffer. „Mainz hat die bessere Form, wir haben den besseren Kader“, erklärt der Münchner Nationalspieler Thomas Müller die aktuelle Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Eines ist jedenfalls schon vor dem Spitzenspiel klar: Auf die leichte Schulter nimmt den selbsternannten Karnevalsverein in Deutschlands Fußballhauptstadt niemand mehr. Anerkennung für die kontinuierliche Entwicklung einer Mannschaft, deren Gastspiel 1999 im DFB-Pokal gerade mal 11.000 Zuschauer ins Münchner Olympiastadion lockte – davon 8000 mit dem Sonderzug aus Mainz angereist.

          Das Stadion ist regelmäßig ausverkauft: Fans von Mainz 05

          Um dem Mainzer Erfolgsgeheimnis auf die Schliche zu kommen, kann man Dag Heydecker zuhören. Seit zwei Jahren als Geschäftsführer für Marketing und Vertrieb bei den Rheinhessen zuständig, vermarktete er vorher ein Jahrzehnt lang den Eishockeyklub Mannheimer Adler und die Fußballer der TSG 1899 Hoffenheim, als diese noch drittklassig kickten. Beide gehören Dietmar Hopp, dem Milliardär und Mitgründer der Sofware-Schmiede SAP. „Ein bisschen wie Disneyland“, beschreibt Heydecker seine Arbeitsweise damals im Kraichgau, „es gibt keine finanziellen Nöte, es ist immer alles da“. Kein Finanzloch, das nicht gestopft werden kann. Diese Potenz machte einen einzigartigen Durchmarsch vom Amateur- in den Profifußball innerhalb weniger Jahre möglich. Vor zwei Jahren waren es eben jene Hoffenheimer, die wie derzeit die Mainzer die Tabelle stürmten und bis in die Rückrunde hinein den Bayern Paroli um den Titel boten. Ohne Hopp, sagt Heydecker im Umkehrschluss, würde die TSG heute noch in der A- statt in der Bundesliga um Punkte spielen.

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