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Training verweigert : Eklat bei der Eintracht durch Kostic

Filip Kostic will offenbar einen Weggang von Eintracht Frankfurt erzwingen. Bild: EPA

Filip Kostic fehlt unentschuldigt beim Training in Frankfurt und will wohl seinen Wechsel nach Italien erzwingen. Die Eintracht ist sehr irritiert. Damit aber nicht genug der schlechten Nachrichten.

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          Die Frankfurter Eintracht hat Filip Kostic am Freitag von einer neuen und für sie sehr unangenehmen Seite kennengelernt. Nach Informationen der F.A.Z. fehlte der 28 Jahre alte Offensivspieler unentschuldigt beim Abschlusstraining vor dem Auswärtsspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) in Bielefeld. Ein Eklat.

          Bundesliga
          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Kostic reiste auch nicht mit der Mannschaft nach Ostwestfalen. Er informierte die Vereinsverantwortlichen, die Eintracht verlassen zu wollen. Offenbar will der Serbe seinen Weggang erzwingen, Lazio Rom soll sein neues berufliches Ziel sein. Die Vereinsführung der Eintracht ist über das Vorgehen von Kostic und dessen Umgangsformen sehr irritiert und will sich von ihm nicht unter Druck setzen lassen, zumal am Freitag kein schriftliches Angebot eines anderen Klubs für Kostic vorgelegen haben soll.

          Dass dieser nach seiner Streikaktion und dem Zerwürfnis noch einmal für die Frankfurter aufläuft, ist dennoch momentan kaum vorstellbar. Läge der Eintracht ein wirtschaftlich lukratives Angebot für den Serben vor, dessen Marktwert auf gut 30 Millionen Euro taxiert wird, würde sie ihn wohl ziehen lassen.

          Damit aber noch nicht genug der schlechten Nachrichten für die Hessen. Unterdessen hat sich auch der Wechsel von Amin Younes nach Saudi-Arabien zu Al-Shabab Riad zerschlagen. Beide Klubs sollen sich bereits einig gewesen sein über die Ablösesumme (rund vier Millionen Euro) für den dribbelstarken Offensivspieler. Doch jetzt hat Al-Shabab offenbar das Angebot für Younes zurückgezogen. Die Frage ist nun, ob es bis zum Ende der Transferperiode am kommenden Dienstag einen anderen Abnehmer für den 28-Jährigen gibt.

          „Ein sehr schweres Programm“

          Beide Personalien überschatteten am Freitag die Gruppenauslosung für die Europa League, bei aller Vorfreude, die nach der Ziehung der Gegner in Istanbul zunächst zum Ausdruck gekommen war. Wie bei Kapitän Sebastian Rode, der dem Frankfurter Spielplan im zweithöchsten europäischen Wettbewerb viel abgewinnen kann. „Es wird auf jeden Fall ein Spektakel“, sagte er über die Duelle mit Olympiakos Piräus, Fenerbahce Istanbul und Royal Antwerpen in der Gruppe D. „Das ist eine sehr spannende Gruppe. Es sind alles gute Mannschaften, die in ihren Ligen erfolgreich waren“, sagte Sportvorstand Markus Krösche.

          In Reihen von Fenerbahce steht Mesut Özil, der 2014 mit der deutschen Nationalmannschaft in Brasilien Weltmeister wurde. Außerdem wechselte der aktuell verletzte Stürmer Serdar Dursun in diesem Sommer von Darmstadt 98 zu Fenerbahce. Ein Wiedersehen mit dem ehemaligen Eintracht-Trainer Niko Kovac, der heute AS Monaco anleitet, wird es indes nicht geben. Monaco trifft in der sehr anspruchsvollen Gruppe B auf die PSV Eindhoven mit Mario Götze, Real Sociedad sowie Sturm Graz. Insofern scheinen die Frankfurter noch Glück gehabt zu haben. Rode, der aufgrund einer Knieverletzung aktuell pausieren muss, sprach dennoch von „sehr anspruchsvollen Losen. Es ist ein sehr schweres Programm“, findet er.

          Die Eintracht hatte sich gemäß den Klub-Koeffizienten in Lostopf zwei befunden. Insgesamt gab es vier Töpfe mit jeweils acht Mannschaften. Vereine aus demselben Land konnten nicht in eine Gruppe kommen, Bayer Leverkusen trifft in der Gruppe G auf Celtic Glasgow, Real Betis Sevilla und Ferencvaros Budapest. Aus den acht Vierergruppen qualifizieren sich jeweils die acht Erstplatzierten direkt für das Achtelfinale.

          Die weiteren acht Plätze für die K.-o.-Phase ermitteln die acht Zweitplatzierten der Europa League sowie die acht Gruppendritten der Champions League im Play-off-Modus. Die Gruppendritten der Europa League ziehen wiederum in die Play-offs der Europa Conference League ein. Der erste Gruppen-Spieltag wird am 16. September ausgetragen, der zweite folgt am 30. September.

          „Die Stimmung war beeindruckend“

          Rode wollte sich am Freitag im Pressekonferenzraum der WM-Arena nicht darauf festlegen, wie weit die Frankfurter diesmal in der Europa League kommen werden. „Ich traue uns im Grunde sehr viel zu. Wir wissen, was mit der Eintracht international möglich ist.“ Er sei „zuversichtlich, dass wir wieder sehr gut aussehen werden“, sagte der 30-Jährige, der die Auslosung zusammen mit der Mannschaft im voll besetzten Kino des neuen Profi-Camps verfolgt hatte.

          Mit Bayern München hatte Rode einst in der Champions-League-Vorrunde in Piräus gespielt. „Die Stimmung dort war beeindruckend.“ Wie er auch jetzt „absolut stimmungsvolle Spiele“ in der Gruppe D erwartet. „Wenn man in Deutschland gegen eine türkische Mannschaft spielt, wollen gefühlt eine Million Türken ins Stadion. Ich hoffe, dass die Eintracht-Fans trotzdem in der Überlegenheit sein werden“, sagte Rode und wünschte sich generell für die Europa-League-Runde, dass in Zeiten der Corona-Pandemie „zahlreiche Fans dabei sein können“.

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          Im Hinblick auf den Genesungsprozess seiner Knieverletzung geht Rode davon aus, dass er die ersten beiden Spiele in der Europa League „auf jeden Fall“ verpassen werde. „Es ist nie ganz einfach, ein Datum festzulegen“, sagte der Mittelfeldspieler über den Zeitpunkt seines möglichen Comebacks und fügte hinzu: „Unnötig Druck zu schaffen ist außerdem nicht hilfreich.“ Bei einer Knieoperation in der vergangenen Woche war bei ihm „eine kleine Abschürfung vom Knorpel weggemacht worden, es war nichts Dramatisches“, berichtete Rode. „Die Problematik mit meinem Knie ist lange bekannt.“ In der Saisonvorbereitung hatte sein linkes Knie „auf Belastung reagiert. Es ist etwas angeschwollen. Und die Schwellung war geblieben“, so Rode.

          Am Samstag in Bielefeld müssen die Frankfurter ohne ihren Kapitän zum angestrebten ersten Saisonerfolg im dritten Spiel kommen. „Ich bin absolut positiv, dass wir den ersten Sieg holen. Dann wird diese Debatte vorbei sein“, sagte Rode. Und wenn nicht? „Dann wird bei uns keine Panik ausbrechen.“ Ärger gibt es bei der Eintracht durch Kostic genug.

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