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Eintracht-Spieler Kostic : Der Streik ist vergeben und vergessen

Der Unverzichtbare: Kostic ist der Topscorer der Eintracht. Bild: dpa

Die Eintracht ist von Filip Kostic abhängig – und hat ihm deshalb auch das Wechseltheater im Sommer schon wieder verziehen.

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          Filip Kostic hat die Kurve auf dem Platz bekommen. Nachdem er Ende August bei der Eintracht mit seinem Trainingsstreik seinen Wechsel zu Lazio Rom hatte erzwingen wollen, gewann er mit seinen oft überzeugenden Leistungen in den vergangenen Wochen die Herzen vieler Frankfurter Anhänger im Sturm zurück. Ohne den 28 Jahre alten serbischen Nationalspieler würde in der Offensive eine ziemliche Flaute herrschen: Momentan ist der kraftvolle Wirbelwind auf der linken Außenbahn mit zwei Toren und drei Vorlagen nach sechs von ihm absolvierten Bundesligaspielen an 63 Prozent der Eintracht-Treffer direkt beteiligt.

          Bundesliga
          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Beim 2:1-Überraschungssieg in München erzielte Kostic den Siegtreffer und bereitete das 1:1 von Martin Hinteregger mit einer Ecke vor. In der Europa League kommt ein weiterer Assist dazu. Damit ist er der Topscorer der Eintracht. Kostic hat sich selbst aus dem Abseits geholt und befindet sich mit eisernem Willen auf Wiedergutmachungskurs. Wer befürchtet hatte, dass er sich nach dem geplatzten Transfer in den Schmollwinkel zurückziehen würde, wurde eines Besseren belehrt.

          Kostic selbst will nur nach vorne schauen. Vergessen ist, was war, auch wenn das in seinem Fall eigentlich nicht geht, weil der Fußballprofi seine persönlichen Interessen über die seines Arbeitgebers gestellt hatte. Von seinem Berater soll er sich inzwischen getrennt haben. Der Serbe ist offenbar auf der Suche nach einem neuen. Es heißt jetzt sogar, dass eine vorzeitige Vertragsverlängerung nicht mehr ausgeschlossen ist.

          Neues Vertrauensverhältnis

          Das wäre eine spektakuläre Wende im Fall des dynamischen Außenbahnspielers, der den Klub mit seinem Fehlverhalten über Tage hinweg in Atem gehalten hatte und dessen Vertrag nach jetzigem Stand bis einschließlich 30. Juni 2023 datiert ist. Oliver Glasner hätte gegen eine Weiterbeschäftigung von Kostic sicherlich nichts einzuwenden. Zwischen dem Trainer und seinem Spieler ist in vielen Gesprächen ein Vertrauensverhältnis entstanden.

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          Für Glasner ist Kostic kein eiskalter und abgezockter Profi, dem das Allgemeinwohl per se egal ist. Dem Trainer ist nicht entgangen, wie unwohl sich Kostic in den Tagen des Wechseltheaters gefühlt hatte. Denn zu dessen Persönlichkeit passt es eigentlich nicht, derart zu provozieren und zu polarisieren. Der Eindruck, den Glasner von Kostic gewonnen hat, erleichterte es dem Trainer, seinen Spieler wieder in die Gemeinschaft zu integrieren.

          Er sperrte Kostic nicht für das Stuttgart-Spiel am 12. September, sondern berief ihn in den Kader und wechselte ihn nach 59 Minuten ein. Kostics Treffer zum 1:1 war das erste nennenswerte Versöhnungszeichen des Serben, der zu diesem Zeitpunkt viel an Kredit verloren hatte. Auch in der ungewohnten Rolle des Jokers hatte Kostic seinen großen Stellenwert unterstrichen.

          Nach wie vor führt bei der Eintracht kein Weg an Kostic vorbei. In der Vorsaison, als der Serbe auf insgesamt vier Tore und 17 Vorlagen in 30 Bundesligaspielen kam, war er an 31 Prozent aller Frankfurter Treffer beteiligt. Damals hatte der in diesem Sommer nach Leipzig gewechselte Angreifer André Silva mit 28 Toren einen vereinseigenen Rekord aufgestellt. Diese Marke kann Kostic als Flügelstürmer nicht übertreffen. Den Unterschied macht er in Reihen der Eintracht dennoch aus.

          Die Vereinsverantwortlichen sind sich dessen bewusst. Finanzvorstand Oliver Frankenbach brachte es in der Vorwoche bei der Präsentation der aktuellen Wirtschaftszahlen auf den Punkt: „Filip Kostic fünf Tage vor dem Ende der Transferperiode für zehn Millionen Euro zu verkaufenmacht keinen Sinn. Gemessen daran, was möglich wäre, würde uns das wirtschaftlich nicht wirklich viel bringen, die Mannschaft sportlich aber derart schwächen, dass die Folgen möglicherweise viel deutlicher wären.“ Frankfurts Abhängigkeit von Kostic ist groß. Auch deshalb haben sie ihm seinen Eigensinn von Ende August verziehen.

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